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An meine Freundin

Nun also ist es so weit, Dein jüngstes Kind wird auch das Haus verlassen um in einer anderen Stadt ein Studium zu beginnen. Ich denke den ganzen Tag schon an Dich und wünsche ihr für ihren neuen Lebensabschnitt alles Gute und Dir für Deinen auch.

Du wirst Dich noch ganz genau an den Tag erinnern, als Du bemerkt hast, dass Du schwanger bist. Ich habe Dich nie gefragt, ob Du erschrocken warst – im ersten Moment – oder ob Du dieses Kind mit Deinem Mann geplant hattest. Es spielt letztendlich auch keine Rolle, weil Du Deine Tochter, Deine beiden Töchter, unendlich liebst. Nun verlässt auch sie, wegen eines Studiums in einer anderen Stadt, das Haus. Es wird still werden in nächster Zeit.

Aber: Schiebe eine Bohle über das Loch, das da droht, damit Du drüber gehen kannst und nicht hineinfällst. Verankere Dir Stangen an den Seiten, an denen Du ein Seil bindest, damit Du Dich beim balancieren halten kannst. Du wirst sehen nach wenigen Schritten wirst Du schwindelfrei sein und ohne Hilfe Deinen Weg weitergehen.

Du erinnerst Dich noch so gut an ihre ersten Schritte, ihre ersten Worte, das erste aufgefallene Knie, den ersten Zahn, die Schultüte und die zahllosen Elternabende, bei denen immer ab einem bestimmten Punkt Langeweile entstanden ist. Du siehst sie noch vor Dir als sie auf das Gymnasium gewechselt hat, hast ihren Weg durch diese Zeit begleitet. Ihr Weg war sicherlich ein anderer Weg als der, Deiner älteren Tochter, aber genauso spannend, genau so aufregend und für Dich manchmal nervenaufreibend.

Aber: Du wirst Dich daran gewöhnen, nachts nicht mehr auf ihre Schritte zu warten oder ihren Schlüssel, der die Haustür öffnet, wenn sie von einer Party spät nach Hause kommt. Du wirst ihr verknittertes Partygesicht am Frühstückstisch am Morgen danach unendlich vermissen, aber Dich daran gewöhnen ohne sie zu frühstücken. Die Stille wird Dir zu schaffen machen, das ewige:“Mama, hör mal…“ Aber Du bist stark, Du wirst das schaffen, Du bist ein kreativer Mensch, nutze diese Kreativität.

Es wird Dir fehlen immer parat und ständig bereit zu sein und Du wirst Dir zurückwünschen Dich darüber ärgern zu können, dass Du fünf Mal rufen musstest, bevor sie parat war. Das wird sich niemals ändern und muss so sein zwischen Müttern und Töchtern.

Aber: Ein zweites Mal erlebst Du wie es sich anfühlt eine Tochter in ihre Unabhängigkeit, ihr eigenes Leben zu entlassen. Der Schmerz des Abschiedes scheint wie bei Deiner älteren Tochter schier unerträglich, aber keine Angst nächstes Wochenende wird sie schon wieder vor der Tür stehen, ein Bündel Wäsche unter dem Arm, und fragen was es zu essen gibt. Du weißt wie es sich anfühlt und weißt wie Du damit umgehen musst.

Eines glaube mir, Deiner Tochter ergeht es nicht anders, allein, weg von Mutters Rockzipfel muss sie nun wirklich auf eigenen Füßen stehen. Keine Mama, die zum Frühstück, keine Mama mit der man eben mal schnell etwas unternehmen kann. Sie muss sich einen neuen Kreis suchen, Freundschaften aufbauen, lernen für sich zu alleine zu sorgen.

Wenn dieser erste Schmerz vorbei ist und die zweite Schmerzwelle abgeebbt ist, dann wirst Du langsam auch wissen was Du tun wirst, wirst Deine neu gewonnene Freiheit genießen können, Dir Deine Tage anders strukturieren, neu einteilen. Ich weiß, Du bist stark, aber ich weiß auch, dass Du das schaffen wirst. Ich umarme Dich virtuell, bin in meinen Gedanken ganz nah da auch wenn uns da doch einige Kilometer trennen und ich verspreche Dir, wir „old mothers“ werden nun langsam aber sicher so richtig loslegen J

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