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Chemnitz

Möglich, dass ich auf einer falschen Fährte bin, möglich, dass die Lage falsch einschätze, aber ernsthaft frage ich mich, ob man in Chemnitz im Sessel sitzt und darauf wartet, dass die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, oder gar jemand kommt, der oder die sagt, wie und wo es lang geht und dass man auf dem Klo besser zwei Blatt Klopapier als eins nimmt, um damit braune Hinterlassenschaften besser wegzuwischen. Inzwischen schätze ich die Gefahr durch die braune Masse höher ein, als sie durch Migranten und Flüchtlinge jemals sein kann.


Ein Mensch kam zu Tode in Chemnitz. Ein Mensch, der, wenn man seinen Freunden und seiner Familie Glauben schenken will, das, was im Anschluss daran geschehen ist, keinesfalls gewollt hatte. Wenn ich mir Bilder des Mannes anschaue, dann hatte auch er einen Migrantenhintergrund. Der Mob rannte auf die Straße, allen voran Glatzköpfe, deren Schädelinhalt nicht besser sein kann, als in ihren blanken „Ärschen“, die sie nur allzu gerne in eine Kamera zeigen. Erhobene Arme zum Hitlergruß, wie erbärmlich. Die Polizei war gescholten worden, weil sie hier nicht eingegriffen hatten. Gut so, warum soll ein Beamte dafür sein Leben aufs Spiel setzen, wenn das Gesicht zum Glatzkopf in die Kamera glotzt? Sie bekommen sie alle, daran habe ich keinen Zweifel und der Weg via Kamera finde ich an dieser Stelle in Ordnung.

 

Nicht in Ordnung finde ich, dass die AfD mitmarschiert. Oder wer weiß, vielleicht ist es doch in Ordnung, denn so zeigt diese Partei ihr wahres Gesicht. Mir wird schlecht bei ihrem Anblick und bei dem Gedanken, dass sie in Parlament meines Landes sitzen. Nochmal, diese Partei hat kein Programm, für nichts, außer für Parolen gegen Merkel, für Chaos und Gewalt. Sie sollten sich schämen. Ich unterstelle nicht den Bürgern von Chemnitz pauschal, dass an dem Desaster beteiligt waren. Aber ich hoffe, dass sie ausreichend Quittungen austeilen und gewaltbereiten Chaoten und braunen Genossen die Gefolgschaft bei der nächsten Wahl ihre Stimme verweigern.

 

Schaut Euch die Bilder an, wollte ihr so leben? Mit dem Geld, was dieser Polizeieinsatz gekostet hat, hätte man gut und gerne drei Schulen sanieren können. Schulen, Kinder, ja, wir wissen, dass unsere Schulen marod sind, dass die Ausstattungen in der Schule schlecht ist. Ach übrigens, nur mal am Rande erwähnt haben Eltern in der Zeit, in der meine Töchter zur Schule gegangen sind, selbst zu Farbe und Pinsel gegriffen. Immer noch besser, als von der Couch herunter zu lamentieren. Natürlich muss hier mehr investiert werden und Gelder hierfür müssen dann aber auch abgerufen werden. Das aber ist das Problem Eurer Stadt, Eures Landes Sachsen.

 

Ihr skandiert „Merkel muss weg!“. Wo lebt ihr eigentlich? Wo ist Euer Problem? Glaubt ihr wirklich alles wäre besser, wenn die AfD regieren würde? Ne, mitnichten. Eine Partei, die keine Ahnung hat, wie das mit den Renten ist, oder wie man Staat als solches finanziert und überhaupt. Ein Gauland, der an der Spitze der Partei steht und der im Sommerinterview gefragt wurde, wie das denn mit der Digitalisierung ist und dann antwortet, dass er hier der falsche Gesprächspartner ist. Ein Mann, der nur zu gerne zurück in die Kaiserzeit möchte, er möglicherweise als Standbild auf Pferd verewigt sein möchte, der Euch in eine Zeit vor der DDR katapultieren möchte, der unser Land gegen alles und jeden abschotten will, der so die AfD repräsentiert. Das wollt ihr doch nicht alle im Ernst haben wollen.

 

Ich bin von Geburt an Wessi, nicht mit dem goldenen Löffel geboren worden, aber ich habe Eltern gehabt, die den Zweiten Weltkrieg, samt der Nazizeit überstanden haben, der Väter gezwungen worden waren in die NSDAP einzutreten, weil deren Mütter Mennonitin und Zeugin Jehovas gewesen waren, würden das nicht verstehen, was da gerade passiert. Mein Vater würde sich im Grabe herumdrehen, meine Mutter meint „hoffentlich nicht noch mal“. Ich bin Wessi, weil ich im Westen geboren wurde, mich an den Bau der Mauer gerade noch so erinnern kann. Ich bin in meinen Gedanken schon lange kein Wessi, sondern Deutsche, nehme für mich in Anspruch tolerant zu sein und kann nicht verstehen, was ihr dort in Chemnitz, in Eurem Namen zulasst. Ärmel hochkrempeln, nicht warten, dass da braune Genossen samt AfD Euch aufsammelt, sondern etwas tun. Wir Wessis wurden übrigens mit der Wiedervereinigung genauso überrannt wie ihr Ossis, so einfach war das für uns auch wieder nicht.

 

Wie war das in der ehemaligen DDR? Konntet ihr da wirklich auf der Couch sitzen und darauf warten, bis da einer kam, um Euch zu sagen, was ihr tun sollt? Ist das der Grund, weshalb ihr den Neonazis und der AfD so schnell hinterherlauft, kaum, dass sie an Eure Tür geklopft haben? Ich würde es sehr gerne verstehen, denn Chemnitz geht es doch gar nicht so schlecht. Warum lasst ihr Euch von Lügen Geschichten so schnell auf die Straße holen? Dunja Hayali hatte gestern in ihrer Sendung einen Disput, den sie mit einer blonden Frau gezeigt. Ich würde mich nur zu gerne mal ihr unterhalten, wissen wo ihr Problem liegt. Immerhin bin ich nicht von irgendeiner Medienanstalt. Das würde mir gefallen, wenn sie genug Arsch in der Hose hätte, ich bin hier.

 

Ich begreife nicht, was da gerade läuft. Wie kann man Neonazis hinterherlaufen, der AfD auch nur eine einzige Stimme geben? Sagt doch ehrlich, wenn ihr zurück vor den 09. November 1989 gehen wollt, kein Problem, dann zieht doch eine Grenze, oder geht gar mit der AfD in die Kaiserzeit, auch damit habe ich kein Problem. Wenn ihr gehen wollt, bitte sehr, Reisende soll man nicht halten. Behaltet die Neobraune Brut, die zu nichts zu gebrauchen ist, samt ihrer Brüder in der häufig genannten Partei.

 

Mich macht das nur noch wütend und weil ihr keine Argumente habt, klingt es nur immer wieder „Merkel muss weg!“ und wieder „Merkel muss weg!“, aber warum das so sein soll, wisst ihr wohl selbst nicht wirklich. Da läuft bei Euch eher nichts, mit wir schaffen das und bekommen den Anschluss, sofern ihr glaubt ihn nicht zu haben.
Leid tun mir die Polizisten, die ihren Kopf für ein paar wild gewordene Schläger hinhalten sollen, der Arm zum Hitlergruß gestreckt war, was sie nicht getan haben und wofür sie in der Presse gerügt worden waren. Ne, Jungs, habt ihr gut gemacht.

 

Ich wünsche mir, dass der Staat die AfD überwacht, sich jeden genau anschaut, vor allem solche, die auf Demonstrationen, gewaltorientierten Märschen, wie erlebt, in vorderster Reihe auftauchen. Das ist nicht demokratisch, sie mussten wissen, wer da an ihrer Seite stand. Ich wünsche mir ruhige Kommunikation, keine dummen „Merkel muss weg!“-Rufe und vor allem dann nicht, wenn man das nicht begründen kann und nur Mitläufer ist.

 

Ich wünsche mir, dass Neonazis nirgendwo Überhand gewinnen und keine Neuauflage die Dritten Reiches entsteht. Das kann so verflixt schnell gehen. Ich möchte, dass meine Kinder und meine Enkelkinder weiterhin in Freiheit in einem vereinten Europa leben können und dass mein Land keine Menschen ertrinken lässt und wir einen Weg finden, um mit den Menschen zu leben, die wir aufgenommen haben und die unsere Unterstützung angenommen haben. Alle anderen, die Demokratie, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Leben in Freiheit nicht verstehen, müssen wieder gehen. Ich wünsche den Chemnitzern eine ruhige, angenehme Zukunft. Ich wünsche Euch keine AfD in keiner Regierung meines Landes bzw. in keinem Bundesland, mögen sie dorthin verschwinden, wo sie hergekommen sind.

 

Euch wünsche ich schöne Herbsttage und: Laßt es Euch gut gehen!

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