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Fasching daheim

Ich bin über das Faschingswochenende aus Berlin regelrecht geflohen. Berlin und Fasching, das schließt sich für mich fast aus. Nicht die Zugereisten, die sich bemühen das Herz der Fasnacht nach Berlin zu tragen, sondern es sind die alteingesessenen, die keinen Sinn dafür haben. Die wenigsten meiner Freunde und meiner Bekannten können mit Fasching nur wenig anfangen. Das ist schade, weil sie alle immer davon ausgehen, dass Fasching den Zwang zum Dauerlachen bedeutet, selbst dann, wenn man darauf keinen Bock hat.

Vergangenen Freitag war im Fernsehen die Prunksitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es sing und lacht“ zu sehen. Das erste Mal seit einigen Jahren, dass ich die Sitzung direkt verfolgen konnte. Das waren durchweg gute Vorträge, es herrscht aber auch hier Meinungsfreiheit, es muss nicht jedem alles gefallen und natürlich könnte auch ich denen einen oder anderen Vortag kritisieren, aber warum sollte ich das tun? Es besteht hierzu absolut kein Grund. Was mir aber am Freitag aufgefallen war und da waren sich alle Redner einig: Das Bekenntnis zur absoluten Meinungsfreiheit in absolut jeder Form ist unantastbar, gleich ob man Satire bis zum allerletzten Hochpunkt ausleben muss oder nicht und einige beendeten ihren Vortrag mit „Je suis Charlie“. Das zeichnet für mich alle Redner aus, füllt die Hülle der Narren mit Inhalt und gibt der Fasnacht ihren Sinn: das zu sagen was schräg läuft in unserem Land und dass es für Terroristen hier keinen Platz gibt, egal aus welcher Motivation heraus auch immer.

Fasching ist der Höhepunkt der Fasnacht, ist die Fasnacht auf die Straße gebracht. Da ich rein konditionell einen großen Faschingsumzug wie in Mannheim niemals stehen könnte, nicht mehr stehen könnte und zur Zeit schon gar nicht, haben wir uns für einen kleinen Umzug entschieden in einem Dorf in der Nähe meiner Heimatstadt. Das war in Ordnung, das war wundervoll und durchgefroren, aber glücklich sind wir zurück gefahren. Ich habe geschätzte fünf Stunden gebraucht um wieder Zimmertemperatur zu haben, aber das war es mir wert. Straßenfasnacht, das ist mit vielen Erinnerungen verbunden, mit meiner Schwester, die von oben irgendwo zuschauen wird und die mit jedem, der vom Zug vorbei gekommen war, getanzt hatte, ob der wollte oder nicht. Polizisten wollten das eher nicht. Unser letzter gemeinsamer Faschingsumzug war verregnet ohne Ende, wir waren nass wie durch Wasser gezogen, der Schubkarren, den wir mit uns hatten, der Wein und die Becher wollten nicht getragen werden, war mit Regenwasser vollgelaufen und vereinte die gesammelten Bonbons zu einer einzigen, undefinierbaren Masse. Meine Tochter war in der Garde unterwegs und nicht weniger nass als wir. Heißer von „Ahoi“ und „Helau“ kamen wir ausreichend alkoholisiert zu Hause an. An dieser Stelle weiß ich nicht mehr sicher wie das weiter gegangen war. Möglich, dass wir noch aus waren, möglich, dass wir fertig mit Welt waren und schlafen gegangen waren, ich weiß es nicht mehr, es ist auch vollkommen egal, weil das der Vergangenheit angehört. Vorbei ist, gelebt, erledigt, nur noch Erinnerung, schöne, tolle Erinnerung.

Auch wenn ich Fasching in dem Sinn nicht mitmachen kann, wie ich es kenne und wie ich es gerne tun möchte, so kann ich doch das minimale, das für mich maximal ist, mit in meinen Alltag nehmen, kann den Vorträgen lauschen, sie gut oder schlecht finden, sie auch mal verschlafen, wenn sie mich nicht von der Couch reißen, weswegen ich dann auch nicht kritisieren kann.

Leider schaffen es irgendwelche sinnentfremdete Menschen, denn alles Denken abhanden gekommen ist und die schlicht und ergreifend strunzbeiteldumm sind, in Braunschweig den Faschingsumzug mit einer Sprengstoffdrohung zu kippen. Ich wünsche mir, dass sie gefangen werden, den Polizeieinsatz bezahlen müssen, Richter finden, die sie hart dafür bestrafen, dass sie Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern für Stunden die Unbeschwertheit genommen und den Aktiven alles vermasselt haben, die sich über das Jahr Mühe geben, damit wir uns an dem, was sie zeigen erfreuen können. Liebe Polizei, fangt diese Typen!

Ich wünsche allen für restlichen drei Tage, ich zähle den Aschermittwoche dazu, bei uns gehörte er dazu, weil es hier die von meiner Mama so wunderbar eingelegten Heringe gegeben hat und nach denen ich dann meist einfach nur noch ins Bett gefallen war. Man bedenke, wir haben Fasching gefeiert und mussten arbeiten gehen und wenn die Chefs wohlwollend waren, dann war Dienstag um 14 Uhr Arbeitsende, das bedeutete am Tag arbeiten, am Abend haben wir alles an Faschingsbällen mitgenommen wofür wir Karten bekommen hatten.

Dieses Jahr, eine kleine Reise in die Vergangenheit und ich nehme mir für nächstes Jahr vor Berlin wieder den Rücken zuzukehren und dort Fasching zu feiern, wo man das auch tut. Euch allen wünsche ich noch einige tolle Tage, nehmt den Aschermittwoch noch mit, es lohnt sich. Laßt es Euch gut gehen!

 

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