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Trinkgeld für die Küche

Wir geben sie gerne, wenn die Leistung stimmt. Natürlich gibt es absolute Geizkragen, die das nicht tun, aber diese möchte ich gerne vernachlässigen, gar nicht weiter erwähnen. Ich kannte mal einen, der immer als letzter eine Tischrunde verlassen hat, um die Scheine, die da hingelegt worden waren, einzusammeln, ja auch das gibt es. Wir geben Trinkgelder beim Frisör, im Taxi, runden mal einen Betrag auf und machen uns weiter keine Gedanken. Diese Trinkgelder sind wichtiger Bestandteil des ansonsten niedrigen Einkommens in einzelnen Berufssparten. Der Staat verlangt unter bestimmten Voraussetzungen Steuer davon. So ist das. Was aber bekommen Arbeitskräfte, die maßgeblich am Erfolg, an der Zahlung der Trinkgelder beteiligt sind?

 


Schauen wir mal auf das Gastgewerbe, ich glaube hier weiß jeder, dass Trinkgelder fließen, das weiß jedes Kind. Warum bezahlen wir Trinkgeld? Weil uns die Servicekraft gut bedient hat, weil es wir mit der Leistung zufrieden waren, oder auch und vor allem, weil uns das Essen geschmeckt hat. Ich zahle ein Trinkgeld, wenn alles gepasst hat. Wobei natürlich auch mal passieren kann, dass das Essen nicht so war, aber der Kellner sich bemüht hat, Abhilfe zu schaffen, auch dann werde ich ein Trinkgeld bezahlen. Es ist auch schon mal passiert, dass ich mir ein Essen ausgesucht habe, das mir nicht geschmeckt hat, dafür kann das Restaurant nichts, mein Problem, wenn ich eine falsche Wahl getroffen habe, etwas probieren wollte und dann feststellen musste, dass das absolut nicht meine Welt war. Mein Problem, nicht das der Küche.

 
Wir haben in unserem Bekanntenkreis einen pensionierten Koch, der mal so nebenbei erzählt hat, dass Köche mies verdienen. Das ist alles weitab von dem, was wir bei Fernsehköchen erleben, der Alltag eines Kochs hat nichts von Glamour und Gloria, das ist harte, körperliche und obendrein schlecht bezahlte Arbeit. Hand aufs Herz, wer möchte schon acht Stunden am Tag in einer Küche am Herd stehen, egal wie viel Grad das draußen hat, egal ob da draußen 30° oder wie im letzten Sommer erreicht an die 40° C sind und ackern und ich finde schon, dass das manchmal Schwerstarbeit ist. Ich nicht. So gerne ich koche, aber das wäre des Guten zu viel. Natürlich war das nie mein Job, aber ich habe mir da nie Gedanken darüber gemacht. Wie viel ein Koch verdient? Das könnt ihr googeln, das ist erschreckend wenig.
Trinkgelder. Hand aufs Herz, wer von Euch käme auf die Idee zu dem Kellner zu sagen, dass er die Hälfte des Trinkgeldes bitte an die Küche geben soll? Ich glaube niemand. Und in der Tat ist das so, dass in der Küche kein Trinkgeld ankommt, obwohl die Höhe dessen, was wir geben auch mit der Zufriedenheit zusammen hängt, die wir mit dem Essen haben, das ist ein wesentlicher Bestandteil. Der Koch ist also in zweifacher Weise bescheiden mit Glück gelegt: Einmal ist es seine Leistung, die für die Höhe des Trinkgeldes maßgeblich ist und er hat nix davon und dann wird er auch noch geradezu mies bezahlt.
Vielleicht müssen wir uns angewöhnen, auch mal ein Auge über den Tellerrand zu werfen und jene bedenken, die im Hintergrund arbeiten, die sich für unser Wohl abbuckeln und wie die Blöden ackern. Ein freundlicher Kellner macht noch lange kein gutes Essen. Nein, ich rufe nicht nach dem Gesetzgeber, ich meine, das können wir alles selbst regeln, denn, wenn ein Gesetzgeber anfängt das zu regeln, dann wird er das auch mit Steuern belegen. Ich meine durchaus, dass die Trinkgelder zwischen Service und Küche geteilt werden sollten. Also bittet Eure Kellner das nächste Mal den Tipp mit der Küche zu teilen. Die freuen sich dort wirklich, ich werde das ganz sicher tun. Wer noch eine weitere Sparte kennt, die so offensichtlich benachteiligt ist, wie es die Köche und das restliche Küchenpersonal natürlich auch, sind, nennt sie mir, ich freue mich darauf: Laßt es Euch gut gehen!

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