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Wer keine Wünsche mehr hat, der

… lebt nicht mehr. So ähnlich drückte es meine Schwägerin aus, als mein Bruder, todkrank, unbedingt umziehen wollte. Niemand hat seinen Wunsch verstanden, jeder hat daran herumkritisiert. Eine Nacht blieb ihm in seiner neuen Wohnung, dann konnte er das Krankenhaus nicht mehr verlassen. Seine Krankheit hatte ihn besiegt. Heute weiß ich, dass es gut gewesen war, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.

 

Wünsche/Träume treiben an, Hoffnungslosigkeit tötet. Nicht umsonst gibt es inzwischen einige Organisationen, die Unmögliches möglich machen. Auch letzte Wünsche werden in dem Bewusstsein, dass auf der Reise der Tod mit an Bord ist, erfüllt. Warum auch nicht? Auch das Risiko, dass es auf der Reise passiert, dann hoffentlich auf dem Rückweg, sollte der Erfüllung eines Wunsches niemals im Wege stehen.

 

 

Es gibt aber Grenzfälle. Das sind jene Fälle, bei denen die Überlegung im Vordergrund steht, dass das die Reise selbst möglicherweise zu Killer werden kann. Diese Entscheidung aber, kann nur der Betroffene selbst fällen. Aber worum geht es? Der Mensch, der Wünsche hat, der wird leben wollen, der wird versuchen Gevatter Tod ein Schnippchen zu schlagen. All seine Kräfte wird er in diesen Moment hineinlegen und dann hoffentlich auch noch zum nächsten Wunsch getragen werden. Wenn aber nicht, wenn genau in dem Moment der Erfüllung das Unglaubliche passiert und dieser Mensch glücklich geht? Dann bleiben trauernde Angehörige, die sich immer die Frage stellen werden, ob es auch so gekommen wäre, wenn man nicht..? Ja, ich gehe davon aus, dass das auch so passieren würde.

 

 

Niemand weiß, wann genau der Moment eintreten wird, in dem wir abtreten. Aber die Nichterfüllung eines Wunsches aus diesem Gedanken heraus, hat für mich etwas mit Egoismus zu tun. Ob dieser berechtigt ist? Das muss jeder mit sich selbst ausmachen, denn niemand weiß, was passiert wäre, wenn man die Erfüllung des Traumes nicht angetreten hätte. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass das Ende kommt, wann es will. Vor allem aber, ist es unmöglich zu einem Zeitpunkt im Leben zurückzugehen und den Weg nochmal gehen zu wollen. Das ist logisch und bedarf keiner Erklärung. Als Partner, als Eltern, als Geschwister, die zurückbleiben wird man sich ewig diese eine Frage stellen: Was wäre wenn…? Was wäre gewesen, wenn man genau diese Reise nicht noch einmal unternommen hätte, würde dann … oder warum hat man diesen einen Wunsch nicht erfüllt. Die Erkenntnis „zu spät“ ist genauso bitter, wie hätte man „nur nicht“.

 

 

Organisationen, die Wünsche erfüllen, sind auf Spenden angewiesen, denn Kostenträger hierfür gibt es nicht. Sie sind darauf angewiesen, dass über diese Organisationen gesprochen wird, dass jeder weiß, dass es das gibt. Aber auch Menschen, deren Wünsche erfüllt wurden, ob klein oder groß, sollten nie vergessen und sich für die Wünsche anderer einsetzen. Ob sie groß oder klein sind oder waren, spielt dabei keine Rolle. Es fühlt sich gut an, wenn man bekommt, aber auch wenn man gibt und wenn es nur verbale Unterstützung ist. Ich mache seit Jahren Selbsthilfe und weiß das. Viele EhrenamtlerInnen wollen von dem etwas zurückgeben, was sie selbst erhalten haben.

 

 

Ein Mensch, der Wünsche und Träume hat, wird daran arbeiten, sie erfüllt zu bekommen, oder sie sich selbst zu erfüllen. Manchmal passiert es, dass Wünsche und Träume nicht mehr relevant sind, weil der Mensch sich weiterentwickelt hat, weil er für sich entschieden hat, dass dieser Wunsch ein unerfüllter Wunsch, dass der Traum ein unerfüllter Traum ist und auch bleiben darf. Auch dann ist es gut, weil so Platz für neue Träume und Wünsche ist.

 

Niemand hat das Recht zu bewerten, ob ein Wunsch oder ein Traum nötig oder unnötig ist. Das zu entscheiden liegt alleine bei dem, der Begehrtes haben möchte. Wünsche und Träume sind Antrieb im Leben eines Menschen. Je älter man wird, desto kleiner werden die Träume und liegen weniger im Materiellen, mehr im Erleben. Na ja, ich habe auch ab und an noch materielle Wünsche, aber im Großen und Ganzen hält sich das im Rahmen und schließt häufig auch einen Nutzen anderer mit ein. Das hat mit einer Zufriedenheit zu tun, die man im Alter irgendwie erreicht, mit einer anderen Bewertung als in jungen Jahren.

 

 

Ich würde mich fürchten, keine Träume mehr zu haben, weil ich dann annehmen muss, dass ich schon tot bin, oder kurz davor. Wünsche, Träume, auch ganz groß zu träumen, finde ich für mich nicht falsch, es ist einfach nur schön. Wie groß Wünsche und Träume sind liegt allein im Ermessen desjenigen, der deren Urheber ist, hier in meinem eigenen.

 

 

Morgen beginnt die Fußball-WM, jeder träumt von einem erneuten WM-Titelgewinn, einige wünschen es der Mannschaft, andere nicht allen. Die beiden Fußballer, die sich mit dem türkischen Despoten vom Bosporus ablichten ließen, scheinen sich inzwischen darüber klar zu sein, dass das doof gewesen war und dass im Grunde noch blöder war und ist, sich dazu nicht zu äußern. Türkische Wurzeln mit deutschem Pass, sollten nicht daran gehindert sein, die Nationalhymne Deutschlands zu singen. Ich gebe zu, dass ich mir gerade nicht vorstellen kann, dass die Jung auch nur in die Nähe des Finales kommen, aber träumen, träumen darf man davon.

Träumt alle vom Titelgewinn und: Laßt es Euch gut gehen!

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