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Wie traurig ist das?

http://www.independent.co.uk/news/world/europe/if-these-extraordinarily-powerful-images-of-a-dead-syrian-child-washed-up-on-a-beach-dont-change-europes-attitude-to-refugees-what-will-10482757.html


Mit diesem Bild, das im Independent abgedruckt wurde, möchte ich meinen Artikel heute beginnen. Ein Bild, das nachdenklich stimmt. Leider nicht Diejenigen, die immer noch verstanden haben worum es wirklich geht. Menschlichkeit. Wo ist geblieben? Steckt sie hinter satten, dicken Bäuchen? Auf dem Sofa, auf dem wir sitzen und das Elend anschauen, das tagtäglich über den Bildschirm läuft? Inzwischen helfen viele Menschen, aber es sind immer noch nicht genug. Ein Kind ist auf dem Weg in ein friedliches Leben ertrunken, zusammen mit seinem Bruder und seiner Mutter. Stellt euch die Situation vor. Versetzt Euch in die Mutter, in die Kinder und in den Vater, der nun seine tote Familie zurück in die vom Krieg zerstörte Heimat bringt, egal, ob er selbst dabei umkommt oder nicht. Ein Kind ist Zukunft. Die Zukunft stirbt mit ihren Kindern.
Ehrlich, Hand aufs Herz, haben wir uns nicht, klammheimlich ein wenig hämisch, zurückgelehnt, weil der Laster mit den in drei Schichten Leichen, 71 Menschen, die in dem Laster nie eine Chance hatten zu überleben, in Österreich stand und nicht bei uns? Waren wir im letzten Jahr nicht froh darüber, dass es das Dubliner Abkommen gab, das verlangt, dass die Flüchtlinge dort registriert werden, wo sie in Europa zuerst den Fuß aufgesetzt haben? Waren wir nicht alle froh darüber, dass alles so weit entfernt schien? Nun ist das nicht mehr, das ist mehr die Angelegenheit einzelner Länder, das geht uns alle an.
Es ist wurscht, ob wir nun 600.000 Flüchtlinge aufnehmen, oder 800.000 oder 1.000.000, was machen wir uns da ins Hemd, das ist zu schaffen, organisatorisch, logistisch und auch finanziell. Für diesen Jungen, dessen Familie von der Türkei aus nach Kanada wollte, kommt all das zu spät. Steht er nicht für all diese Menschen, die alles hinter sich lassen?
Bleibt aber eine Frage zu stellen: Warum? Warum ist es so gekommen? Warum können ISIS-Schergen sinnlos mordend durch die Lande ziehen. Die sind noch weit weg. Sind sie das? Stehen sie nicht schon vor der Haustür Europas? Klopfen bei der Türkei an? Hallo? Mach doch mal diese Tür einen Spalt breit auf, damit wir, die ISIS, rein können. Passieren wird nichts, außer, dass wir alle davon jagen, die uns nicht passen: Christen, Kurden, Semiten, Juden, Moslems, die nicht leben wollen, das wir ihnen vorgeben. Warum sind junge Deutsche nach Syrien gereist, um bei der ISIS zu sein, mit den Mördern ein Leben führen auf ihren Befehl hin zu töten? Warum? Warum klebt der Staatschef Syriens an seinem Posten, lässt das Töten und Zerstören zu? Warum endet diese Bürgerkrieg nicht?
Ich habe zwei Enkeltöchter und wer weiß, vielleicht kommt irgendwann ein weiteres Enkelkind dazu. Ich möchte nicht, dass sie irgendwann dieses sinnlose Morden erleben müssen, dass ihre Eltern, meine Kinder und sie sich gegen eine Pest wehren müssen, die man früher hätte bekämpfen müssen. Meine Kinder und Enkelkinder nicht, kein Kind, keine Eltern. Ich bin ein friedfertiger Mensch, wann endlich greift man in diesem Land ein, befriedet es und baut es zu einem Land auf, in dem kein Mensch wegen seines Glaubens, seiner Religion verfolgt und getötet wird.
Inzwischen regt sich die UN, hat einen Friedensplan für das Land erarbeitet, der einen Waffenstillstand und am Ende freie Wahlen vorsieht. Was mit der ISIS im Norden des Landes geschieht steht da wohl nicht geschrieben. Aber egal, das ist ein Hoffnungsschimmer, vielleicht weniger als ein Schimmer, aber doch es ist etwas.
Ich bin nicht so leicht zu beeindrucken oder zu erschüttern, aber ich habe Angst um die Zukunft meiner Kinder. Es sind nicht die Flüchtlinge, die mir Angst machen. Angst macht mir ein Land wie Ungarn, das einen Zaun baut, Angst machen mir Menschen, die kein Verständnis dafür haben, dass die Menschen vor dem Krieg geflohen sind. Angst macht mir, dass es die ISIS immer noch gibt und mehr noch, dass wir im Jahr 2015 mitten in einem Glaubenskrieg leben, Teil davon sind, egal welcher Religion wir angehören oder nicht. Angst macht mir, dass Leben genommen wird, noch bevor es wirklich begonnen hat.
Angst macht mir dieses Bild:
http://www.independent.co.uk/news/world/europe/if-these-extraordinarily-powerful-images-of-a-dead-syrian-child-washed-up-on-a-beach-dont-change-europes-attitude-to-refugees-what-will-10482757.html

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1 Kommentar zu „Wie traurig ist das?“

  • Ria says:

    Liebe Gitta, Du bringst es auf den Punkt, mal wieder. Kann man treffender nicht formulieren, ich denke zu 100% ganz genauso. Und muß mich leider immer mehr dafür rechtfertigen, ich bin erschüttert, wieviele Menschen nur total egoistisch sich sehen, und dass was die Flüchtlinge ihnen ja eventuell wegnehmen könnten (Zynismus wieder aus!!!)

    Ich frage mich allmählich, ob wir wirklich so verroht sind, oder ob es endlich ein Umdenken gibt, wenn man Bilder wie diese sieht!!!!!!

    Es sind Menschen wie wir, die nur einen Wunsch haben: Dass sie und ihre Familien in Frieden leben können. Dafür riskieren sie wirklich alles.

    Traurig, so traurig, mir fehlen auch die Worte angescihts der Berichte, die speziell aus Ungarn und Girechenland kommen.

    lg

    RIA

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