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Kachelmann oder irgendwann ist aber auch gut

Vergangenen Sonntag war ein Tag, an dem nix in der Zeitung über Kachelmann stand. Wow! Man konnte direkt etwas vermissen. Heute Morgen, ich war, wie meist bei meinem Bäcker habe nebst leckeren Brötchen die Bild-Zeitung gekauft und wer guckt mich von der ersten Seite aus an? Zuerst lese ich Bild-Zeitung? Klar ein bedeutender Politiker, keine Ahnung mehr wer das war, hat gesagt, dass man wissen müsse, was das Volk denkt. Also kaufe ich die Bildzeitung, ich muss ja wissen was ich denke. Und wer glotzt mich gleich an? Richtig, der Kachelmann! Unter seinem Konterfei verrät er: Nie wieder TV!

Es gibt nichts, das mehr zu verurteilen ist, als Gewalt von Menschen gegen Menschen, es sei denn Mensch ist gezwungen, sich zu verteidigen. Ausnahmen sollte es keine geben. Zugegeben, damals, im Fall Bachmann, hegte ich Sympathien für die Frau, die den Mörder ihrer Tochter, ich glaube es war noch im Gerichtssaal, erschossen hat. Ich kann keine Garantie dafür geben, dass ich nicht ähnlich handeln würde, wenn wer auch immer, meinen Töchtern zu nahe käme. Dennoch verurteile ich Gewalt in jeder Art. Gewalt erleben wir alle tagtäglich über die Medien, mehr oder weniger, je nach Bedarf, aufgearbeitet.

Was hat das mit Kachelmann zu tun? Der Mann steht im Verdacht seine Freundin vergewaltigt und bedroht zu haben. Eine Vergewaltigung ist Gewalt der untersten Art. Was wirklich geschehen ist, das werden wir alle niemals erfahren, dass wissen nur diese beiden Menschen. In unserem Land gilt ein Mensch so lange als unschuldig, bis er verurteilt ist. Das ist spielt aber in dem Beruf, in dem Herr Kachelmann arbeitet, er ist als TV-Wettermann tätig, aber keine Rolle. Hier reicht allein der Verdacht aus, um ihn ins optische Wetterman-Aus zu befördern. Das ist ihm sehr wohl klar, deswegen nutzt er die Titelseite um seinen TV-Rücktritt vorsorglich zu verkünden. Für wie naiv hält der die Menschen dieses Landes? Glaubt er wirklich, dass sie den Fall eines anderen prominenten Moderators vergessen haben? Dieser ist, obwohl freigesprochen nie wieder auf dem Bildschirm zu sehen gewesen. Egal ob Kachelmann frei gesprochen wird oder nicht, man wird ihn künftig mehr mit der Vergewaltigung in Verbindung bringen, denn mit dem Wetter. Hängen bleiben wird immer etwas. Sollte er auch nur eine Sekunde angenommen haben, dass er auf den Bildschirm zurückkehren könnte, dann war das naiv gedacht von ihm.

Er ist kein prominenter Schauspieler, der sich derlei leisten kann und dann, nach Unschuldsbeweis einfach wieder im nächsten Film zu sehen sein wird. Er ist nur ein Wettermann, dem man all seine Allüren, die da so nebenbei ans Tageslicht gekommen sind, übel nimmt. Ich habe keine Ahnung, was zwischen Kachelmann und seiner Freundin passiert ist. Wenn er das getan hat, was ihm vorgeworfen wird, so bewundere ich seine Kaltblütigkeit, die gepaart sein muss mit einer hohen, kriminellen Bereitschaft. Wenn es nicht getan hat, dann bewundere ich sein Auftreten, seine Präsenz.

Es ist vollkommen egal wie das Gericht urteilen wird, keiner der beiden Beteiligten wird danach leben wie bisher. Wird er freigesprochen, dann wird man sie verurteilen und hinter vorgehaltener Hand tuscheln, ob nicht doch etwas an ihren Vorwürfen dran war. Verurteilt man ihn zu Recht, sie wird trotz allem nicht mehr so weiter leben können. Man kann dieses Ei drehen und wenden wir man will, es wird niemals ohne Schaden auf der Spitze stehen können.

Ich habe diese Zeitung gekauft, weil ich so meine Schwiegermutter ein wenig beschäftigt habe und gebe zu, dass allein deswegen, weil der Mann mich von der Titelseite aus anschaut, habe ich sie gar nicht erst aufgeschlagen und die Zeitung zur Bearbeitung weiter gereicht: sie wird gefaltet, dann wieder gefaltet, was nicht passt wird abgerissen, dann wird gefaltet und nochmals gefaltet und wieder abgerissen und irgendwann ist das Bild Kachelmanns nur noch Stückwerk und gut ist.

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1 Kommentar zu „Kachelmann oder irgendwann ist aber auch gut“

  • buch leser says:

    Am 21. Dezember soll im Kachelmann-Prozess das Urteil gesprochen werden. „Ich war nicht immer treu, offen und ehrlich mit meinen Partnerinnen“, sagte Kachelmann der Bild Zeitung. „Wenn ich in Zukunft eine Beziehung führe, werde ich monogam leben.“ Wo er später wohnen werde, wisse er noch nicht. „Vielleicht werde ich erst mal mit meiner Mutter zusammenwohnen“, sagte er der Bild Zeitung. Für mich hört sich das alles nach Schönfärberei an um ein mildes Urteil zu erwirken. Ich bin echt mal auf das Urteil gespannt.

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