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Anthologien, Schrecken oder Segen für Autoren

Ich zitiere aus Wikipedia: „Eine Anthologie oder Blütenlese (gr. ἀνθολογία anthología „Sammlung von Blumen“, vgl. die lateinische Lehnübersetzung florilegium), auch Spicilegium (Ährenlese), ist eine Sammlung ausgewählter Texte oder Textauszüge in Buchform oder im weiteren Sinne eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken. Es handelt sich um eine von einem Herausgeber verantwortete Publikationsform.[1] Der etymologisch auf das Griechische zurückzuführende Begriff der „Blütenlese“ wird dabei auch in seiner lateinischen Lehnübersetzung als „Florilegium“ zumeist verwendet, um die als hochwertig oder musterhaft eingeschätzte Textauswahl zum Ausdruck zu bringen, die für die Anthologien des griechischen und römischen Altertums charakteristisch war.

In der Antike prägten Anthologien die Traditionsbildung von als vorbildlich eingeschätzten Autoren als Veröffentlichung von exemplarischen Werken, insbesondere Epigrammen. Neben der Zusammenstellung ausgesuchter Texte verschiedener Schriftsteller wurde der Begriff der Anthologie ebenso für die Auswahl von Texten jeweils eines einzelnen Autors verwendet.[2]“

Heute tragen Anthologien die Hoffnung von Autoren, auf diesem Weg bekannter zu werden, vor allem dann, wenn ein bekannterer Autor als Zugpferd bei dem Projekt dabei ist. Tatsache ist, dass man als Autor einer Anthologie keinen Blumentopf ernten kann und eine Erhöhung des Bekanntheitsgrades kommt ausschließlich Herausgeber zu. Sein Name wird in Verbindung mit der Anthologie in der Außendarstellung stehen. Er wird, wenn das vertraglich nicht gesondert geregelt ist, Ansprechpartner sein und wird, wenn er selbst innerhalb der Anthologie Beiträge veröffentlicht hat, der einzige sein, der von diesem Werk profitiert. Ist eine Anthologie dann noch für Autoren sinnvoll? Wenn man hofft dadurch bekannter zu werden, ist die Antwort eindeutig: Nein! Wenn man nur aus Spaß daran teilnehmen möchte, dann ist das okay, aber auch nur dann, wenn die Basis ein solider, juristisch einwandfreier Vertrag ist.

Wer annimmt, dass Autoren Geld verdienen, der erinnere sich an den das Bild des armen Poeten, weit davon entfernt sind heute die wenigsten Autoren. Wenige schaffen den Durchbruch, um mit dem Schreiben ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Wie ihre Konditionen aussehen entzieht sich meiner Kenntnis, aber man kann das durchaus ahnen. Der normale Durchschnittsautor bekommt von einem Verlag für sein Werk rund 10% vom Nettoverkaufswert, hat er Glück, dann staffelt sich abhängig von den Verkaufszahlen unbedeutend nach oben. Jeder kann sich ausrechnen wie viel das ist, nehmen wir einen Nettoverkaufswert von 10 Euro, dann ist das 1 Euro und bis daraus dann ein unterhaltsfähiges Einkommen wird, fließt viel Wasser die Havel, den Rhein oder die Donau hinunter. Bei E-Books ist das mehr, dennoch müssten viele Werke verkauft werden. Das macht verständlich weshalb viele Autoren ihre Werke als E-Books oder im BoD-Verfahren selbst verlegen, auch wenn dann die Printausgabe für die Leser etwas teurer ist. Bis ein Buch, ein Manuskript fertig ist, dauert es eine ganze Weile, je nach Umfang, Thema und Zufriedenheit des Autors. Dann lässt man sein Buch lektorieren, auf eigene Kosten versteht sich, um es dann zu veröffentlichen und zu versuchen diese mindestens den Einsatz des Lektorats zu erwirtschaften. Bis das lektorierte Das Lektorat erfolgt auf eigene Kosten und das Cover wird selbst erstellt, was erklärt, dass sich viele Cover sehr ähnlich sind, die Individualität fehlt. Bis das Buch dann als E-Book nach dem Lektorat mit dem fertigen Cover eingestellt wird, verbringt man viele Stunden damit, PR zu betreiben. Das macht, mir jedenfalls, keinen Spaß, das zu tun und auf professionelle Social Media Menschen zurück zu greifen verbieten die Kosten, die entstehen würden. Bis das E-Book erscheint, wurden bereits viele Stunden Arbeitszeit investiert, zu viele, um ein Buch kostenlos oder für nur 0,99 Cent anzubieten. Jeder, der eine Arbeitsleistung erbringt, möchte dafür auch bezahlt werden. Wer bei einem Frisör 99 Cent für eine Frisur bezahlen möchte, der kann selbst zur Schere greifen, wer die Leistung eines IT-Menschen, eines Social-Media-Managers haben möchte, der kommt mit 99 Cent nicht weit. Jeder Leser, jede Leserin möchten ebenfalls ihre eigene Arbeitsleistung bezahlt haben, weshalb ich nicht verstehen kann, dass hier je billiger je lieber bis hin zu kostenlos ist. Das bestimmt auch diesen Markt in Richtung Leistung ohne dafür bezahlen zu wollen. Ich selbst lade keine Bücher herunter, die für 0,99 Cent angeboten werden, mit einer Ausnahme, dass ich eine Rezension schreiben möchte, aber selbst dann zögere ich das anzunehmen. Bei einer Anthologie, sofern sie von einem Verlag herausgegeben wird, teilt sich das Honorar, es werden diese 10% vom Nettoverkaufspreis, also der 1 Euro von 10 Euro NVK, durch die Anzahl der Autoren geteilt, bzw. die Anzahl der Geschichten, wenn sie eine unterschiedliche Anzahl eingereicht haben. Um das in Zahlen auszudrücken: Bei 10 Autoren mit je zwei Geschichten ergibt das pro Geschichte 5 Cent, also 10 Cent pro Autor bei zwei Geschichten. Das Schreiben einer Kurzgeschichte für eine Anthologie, ist eine Art Übungsschreiben oder reines Lustschreiben, aber nur dann, wenn auch die vertraglichen Rahmenbedingungen stimmen.

Ich wurde in der Vergangenheit zwei Mal gefragt, ob ich an Anthologien mit unterschiedlichen Themen teilnehmen möchte. Einmal auf ganz normaler Autorenvertragsbasis, das andere Mal in Form eines Wettbewerbs für einen guten Zweck. Beide Verläufe waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Bei der ersten Anthologie bin ich ausgestiegen, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmig waren, die Einnahmen plötzlich einem guten Zweck zugeführt werden sollten, angeblich war das von Beginn an so gedacht, was den Autoren langsam und häppchenweise unterjubelte wurde. Dazu kam, dass der Vertrag weder in Ordnung war, noch für Autoren akzeptabel, weil so viele Frage offen geblieben sind, es Formfehler überwogen haben und gleich bei Übersendung des Vertrags vom Herausgeber der Anthologie, die Vorgabe mitgeschickt worden war, dass an dem Vertrag nichts mehr geändert werden würde. Nicht nur das, dieser Vertrag hätte längst schon in den Mailboxen der Autoren liegen können, sondern obendrein mit der Anmerkung, dass der Herausgeber, selbst beteiligter Autor, so dann, über Monate, im elektronischen Nirwana verschwinden würde. Das erzeugt bei mir einen unangenehmen Beigeschmack, dass ich bewusst unter Druck gesetzt werden sollte. Verstimmt wird man spätestens dann sein, wenn man von den Kollegen hört, dass der eine oder andere Vertrag nachgebessert worden ist. Das passte alles nicht für mich. Wer ein solches Projekt ins Leben ruft, führen und leiten möchte, der kann nicht einfach über Monate nicht erreichbar sein, dann gelegentlich auftauchen etwas jedem Autor bestimmend und bindend zuzuwerfen, um dann wieder für Wochen oder gar Monate zu verschwinden. Das widerspricht in meinen Augen jedem guten Ton und Anstand und geht nicht, vor allem dann drei Mal nicht, wenn ganz plötzlich die Rede davon ist, dass man Unterstützung aus der Gruppe erwartet hätte. Hallo? Geht das noch?. Kein Kapitän verabschiedet sich in der Mitte einer Überfahrt für ein paar Wochen von seinem Schiff, um es sich selbst zu überlassen. Wo das hinführt wissen wir spätestens seit der Costa Concordia.

Also habe ich mich aus diesem Projekt verabschiedet. So gesehen, im Rückblick, hat mich durch das Procedere, das häppchenweise Füttern der Autoren, den sehr mangelhaften Vertrag, das immer schmale Zeitfenster der Präsenz derer, die das Projekt ins Leben gerufen haben, die Ahnung beschlichen, dass eine ganz andere Idee im Hintergrund eine Rolle gespielt haben könnte: Wie bekomme ich, für meine eigenen Zwecke ein Buch mit möglichst wenig eigenem Aufwand hin? Betrachte ich alles von Beginn an, beschleicht mich das Gefühl, dass Autoren über einen guten Zweck, für den eigenen Zweck des Herausgebers benutzt werden, der ausschließlich nämlich genau, welch Zufall, auf dieser Schiene schreibt. Trotzdem wünsche ich allen Kollegen, die bei der Anthologie geblieben sind viel Erfolg!

Ganz anders lief die Anfrage der zweiten Anthologie. Hier kam die Anfrage eine Geschichte im Rahmen eines Wettbewerbs zu schreiben und alle Bedingungen, alle Möglichkeiten, das ganze Drumherum wurde von Beginn an offen gelegt und ohne Wenn und Aber. Das hat mir imponiert, da ist nichts, das zu bemängeln war. Egal, ob meine Geschichte dort so weit kommt, dass sie übernommen werden wird oder nicht, auf jeden Fall ist sie gut aufgehoben. Zugegeben mit dem gestellten Thema habe ich mir schwer getan, aber ich denke ich habe es mit meiner Geschichte nicht gerade um Meilen verfehlt.

Ob ich je wieder für eine Anthologie schreiben werde? Sicher bin ich mir nicht und wenn doch, dann nur, wenn wie bei dem zweiten Projekt alles in Ordnung ist, kein Hü und kein Hott den Eindruck gibt, dass es lediglich eine Beweihräucherung der eigenen Person des Herausgebers ist. Kurzgeschichten sind bei Lesern nicht gerade beliebt, zugegeben ich würde mir auch nur im absoluten Ausnahmefall eine Anthologie kaufen, aber sie sind für Autoren eine Herausforderung in einem vorgegebenen Rahmen eine nachvollziehbare Geschichte zu packen. Wer wie ich ungern verschnörkelt schreibt, der mag hier im Vorteil sein, dennoch am Ende muss jeder selbst entscheiden welche Geschichte ihm besser gefallen hat.

Bevor ich diesen Beitrag beende möchte ich noch eins zu dem Thema „Rezensionen“ schreiben. Es ist manchmal zur Mode geworden, dass manche Autoren von Kollegen unter Pseudonymen niedergemacht werden. Jede 1-Sterne-Rezension, die nur diesem Zweck dient, ist Betrug am Leser. Ich rezensiere deswegen sehr selten direkt auf den Plattformen selbst, sondern stelle Rezensionen auf meinem Blog, unter meinem Namen ganz offiziell und nicht anonym ein. Ich vermeide es Rezensionen für befreundete Autoren/Autorinnen zu schreiben und möchte auch umgekehrt nicht, dass diese es tun, weil ich diesen Autoren und Autorinnen, ganz logischerweise, emotional zugetan bin und ich deswegen dann nicht objektiv sein kann. Das in nicht sehr viele, denn hilft niemandem. Während der vergangenen Woche waren mir Bücher aus allen Kategorien aufgefallen, einige davon habe ich mir dann angeschaut, wo die Anonymität des Internets dazu ausgenutzt worden ist, um mit ungerechtfertigten 1-Sterne-Wertungen ein Werk nieder zu machen, oder aber, auch das ist möglich, mit vielen 5-Sterne-Wertungen ein Werk anzuheben. Das alles verzerrt den Wettbewerb und ich kann nur jedem Leser raten, sich auf seriösen Plattformen nach Rezensionen der Werke umzusehen, für die man sich interessiert, oder aber nach dem Motto „no risk no fun“ das Risiko auf sich zu nehmen, sich auf das gewünschte Werk einzulassen, um sich eine eigene Meinung, ganz unbeeinflusst bilden zu können.

Ich wünsche mir für dieses Jahr, dass Leser die Arbeit der Autoren zu würdigen wissen, dass Autoren sich nicht gegenseitig anonym niedermachen. Ich wünsche allen Autoren, allen Lesern viele Verträge, die in Ordnung sind und den Erfolg bringen, den sich jeder wünscht, egal in welchem Metier. Ich wünsche Euch allen wenig Streit und Stress, weil man sich, egal ob man sonst entspannt ist, trotzdem ärgern wird. Wenn offensichtlich wird, oder ihr das Gefühl bekommt, da läuft etwas schräg, dann solltet ihr rechtzeitig die Reißleine ziehen und aussteigen. Lieber darauf verzichten in einem Werk verewigt zu sein, über das ihr Euch letztendlich nur ärgern könnt und von dem ihr keinen Nutzen haben werdet. Der Ausstieg kann sehr befreiend wirken. Laßt es Euch gut gehen!

 

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