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Griechenland – Deutschland

Ich wollte heute über etwas vollkommen anderes als das Thema Fußball schreiben, aber irgendwie hat das heute doch wieder damit zu tun, obwohl ich die EM hier im Blog nicht auslutschen wollte. Kommenden Freitag spielen wir gegen Griechenland, diesem wunderbaren Land mit den freundlichen Menschen. Ich war in Athen, habe diese Stadt gesehen, war in Delphi, habe auf der Insel Kreta Urlaub gemacht. Wo immer wir hingekommen sind, wurden wir freundlich empfangen. Damals vor gefühlter Ewigkeit. Was ist passiert?

Zwei Möglichkeiten: Entweder heizt die Presse ordentlich an und zeigt nur jene Griechen, die sich unangenehm vor dem Spiel der beiden Fußballmannschaften im Viertelfinale äußern oder aber da ist wirklich die Basis verloren gegangen. Beides wäre mehr als doof. Was immer an Nachrichten aus Griechenland kommt, macht uns, die Deutschen für die Misere des Landes verantwortlich. Einfach mal nachdenken: Sind wir dafür verantwortlich ob Steuern bezahlt werden oder nicht? Wenn der griechische Finanzminister feststellt, dass die Misere nur halb so heftig, die Probleme deutlich geringer wären, wenn nur die Hälfte der Steuern bezahlt werden würden, dann sollte das die griechische Bevölkerung dazu anregen einfach mal zu überlegen, ob da etwas dran sein könnte. Was haben die Deutschen damit zu tun?

Was haben wir gemacht? Wir haben im Rahmen der EU, mit allen anderen, am Finanzsystem beteiligten Staaten unter bestimmten Voraussetzungen Hilfe angeboten. Was hätten wir sonst tun sollen? Die Schulden übernehmen, den Staat so weiterwurschteln lassen?  Ich denke es leuchtet jedem Griechen ein, dass das ein Unding gewesen wäre und es steht ganz außer Frage, dass das von einem einzelnen Staat nicht zu leisten ist. Auch nicht von Deutschland. Was tun? Genau das, was gefordert wurde: Haushalt sanieren, so leid mir das auch tut Steuern eintreiben. Ein wenig sparen, ein wenig investieren. Was haben wir getan, dass wir als Deutsche, dass ich als Deutsche mir Euren Unmut zugezogen habe.

Nun passiert aber noch etwas: Ein Folge von all dem ist auch ganz sicher, dass wir deutlich weniger Griechenland-Urlaube buchen. Mal ehrlich würdet ihr Euren Urlaub in einem Land verbringen wollen, dessen Bürger so offen ihren Unmut gegen Euch ausdrücken? Doch eher nicht. Was nutzen die tollsten Strände, die schönsten Hotels wenn das Gefühl der Bedrohung dagegen steht? Einnahmen brechen weg. Sind wir auch dafür verantwortlich? Ich blicke das langsam nicht mehr. Jeder fordert von uns, dass wir das richten, auch wenn wir vor die Hunde gehen: Die Deutschen liegen am Boden, ach was, die stehen auch wieder auf, fordern wir weiter, zehren sie aus, lassen sie für unsere Fehler bezahlen.

Ich würde gerne nach Griechenland fahren, fliegen wie auch immer, aber die ganze Situation ist so unangenehm, dass ich diesen Gedanken aufgeben werde. Ich möchte mich nichts aussetzen, was mich zu Unrecht angreift. Ich verstehe nicht warum die Bevölkerung so wütend auf uns ist. Weil Bedingungen gestellt wurden, die andere EU-Mitglieder auch unterstützt haben? Weil ihre eigenen Fehler aufgedeckt wurden? Weil sie erwischt wurden, dass sie beim Eintritt in den Euro geschummelt haben. Weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben? Man kann nicht einem Fass den Boden ausschlagen in der Hoffnung weiter daraus schöpfen zu können.

In meinem Elternhaus hat vor unendlich vielen Jahren eine Familie aus Griechenland gewohnt, meine Eltern hatte viele Kunden aus Griechenland, griechische Kaufleute mit denen sie immer ein sehr gutes, respektvolles Verhältnis hatten. Im Zuge dessen hatte ich das auch, wenn ich mal eingesprungen war. Meine Eltern wurden nach Thessaloniki eingeladen, was sie dann auch angenommen hatten. Sie waren begeistert gewesen, von allem, vor allem vom gegenseitigen Respekt voreinander, damals vor unendlich langer Zeit als die Mauer noch stand, die Zeiten andere gewesen waren.

Am Freitag spielt unsere deutsche Nationalmannschaft gegen die von Griechenland. Mich betrübt das, was ich im Vorfeld an negativen Emotionen sehe, auch wenn Costa Cordalis gestern in Waldi’s Club erklärt hat, dass der Grieche Politik und Sport trennen könne. Scheint mir derzeit aber nicht so zu sein. Ich weiß das Land drücken arge Sorgen, die Bevölkerung hat die ureigenste Angst, die ihr auch zusteht, dass ihre Versorgung, vor allem die der Ärmsten nicht mehr gewährleistet ist. Ich wünsche mir mit den Fingern schnippen zu können, damit das vorbei ist, das Land m Vorwärtsgang ist. Den können wir nicht für das Land einlegen, das muss es schon selbst tun.

Ich wünsche uns allen, Deutschland wie Griechenland einen tollen Fußballabend in Freundschaft. Wo es geht tut das gemeinsam, trotzt der Presse, trotzt den wirtschaftlichen Problemen, lasst den Sport für sich sprechen. Wo immer ihr seid und das Spiel schauen könnt: Laßt es Euch gut gehen.

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