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Steuerhinterziehungen, Kindesmisshandlungen – wo leben wir?

Es hat sich ergeben, dass ich gestern in Hamburg gewesen bin. Es war kalt in Hamburg, im Tagesverlauf zunehmend windig und ich war gefühlte ein bis achtzehn Mal durchgefroren bis auf die Knochen. Aber trotzdem, es war gut, richtig gut. Ich habe es dann auch wieder gemacht, als Teil des Programms, ich war bei der Aufzeichnung der gestrigen Lanz Talkshow, die bereits gestern Abend ausgestrahlt wurde. Ich sehe mich schon mit schlappen fast hundert Jahren immer noch zu Lanz gehen, der dann wohl auch schon so um die neunzig Jahre sein muss. Wir werden dann wohl die einzigen in dem Raum sein und ich sitze dann nicht oben, ganz hinten, sondern vorne ganz unten und wir plauschen ganz locker von den alten Zeiten. Das ist natürlich Blödsinn, muss aber sein.

Jetzt zu den Themen, ganz ernsthaft. Theo Waigel war als Gast zu den neuerlich bekannt gewordenen Steuerhinterziehungen geladen. Natürlich wissen wir, dass Steuerhinterziehungen kein Kavaliersdelikt ist, aber ich meine mich dunkel erinnern zu können, dass mit der Tatsache ein heimliches Konto in der Schweiz zu haben, vor vielen Jahren offen umgegangen wurde. Die Menge derer, die sich nun selbst anzeigen kann nicht überraschen. Was überrascht ist das, dass alle Namen ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden. Warum? Um dem kleinen Mann zu zeigen, dass es jeden erwischt, auch Prominente? Ich weiß es nicht. Im Gegensatz zu der Bemerkung von Herrn Lanz, dass der kleine Mann sich kein Konto in der Schweiz zulegen könne muss ich sagen, dass das nicht stimmt. Ein Konto in der Schweiz, das kann jeder haben. Aber sich an den Anlagen beteiligen, die Renditen bringen oder gebracht haben, das natürlich nicht, da die Höhe der Einlagen so manches Budget eines Normalverdieners sprengt. Sein Geld ins Ausland zu bringen, das kann und darf jeder tun, der es hier ordentlich versteuert hat, aber das war er dort erwirtschaftet hat, das hierzulande nicht zu versteuern, das ist das, was nicht geht und dafür werden die Menschen bestraft. Ich kann mich nicht erinnern, Theo Waigel zu seinen Amtszeiten jemals so entspannt und humorvoll erlebt zu haben.

Das zweite Thema betraf die jetzt zu Ende gegangene Staffel des Dschungelcamps. Ich habe keine Ahnung davon, ich schaue mir das nie an, außer als ich hier im Blog darüber geschrieben habe. Da die Zeitungen pausenlos darüber berichten, auch die renommierten Blätter, kann man nicht daran vorbei gehen, ich weiß immer noch nicht wer gewonnen oder verloren hat. Es liegt einfach außerhalb meines Interesses. Sorry, tut mir wirklich sehr leid.

Das letzte Thema, ich hätte es sehr begrüßt, wenn Herr Lanz ein wenig mehr Zeit beim Dschungelcamp zu Gunsten dieses Themas eingespart hätte als es darum ging, dass der größte Feind von Kindern im eigenen Elternhaus liegt. Klingt unverständlich? Nicht, wenn man Zahlen hört, die in die Tausende gehen, die belegen, dass Kinder misshandelt werden. Dass sie es werden ist sehr schlimm, dass sie es zu Hause von ihren Eltern werden, das kann niemand nachvollziehen und dass das durch alle, absolut alle Schichten der Gesellschaft geht noch mehr. Durch die Berichte in den Medien wird der Eindruck vermittelt, dass das nur in sozial schwachen Familien geschieht, wenn die Mütter und Väter mit sich und ihrem Leben überfordert sind oder sich ärgern, dass das Kind weint, wo gerade im Fernsehen gerade das Leben läuft. Das alles ist schlimm, das alles darf nicht sein. Viel weniger darf aber sein, dass Behörden ihre Kontroll-Verantwortung gegen Geld an kirchliche und weltliche Unternehmen abgeben, die darauf bedacht sind, so lange wie möglich an einem Fall zu verdienen und genau deswegen den oft notwendigen Schritt nicht gehen diese gefährdeten Kinder aus den Familien zu holen. Es mag abgedroschen klingen, aber ich kann nicht verstehen, dass man gesunde Kinder dadurch zu Krüppeln macht, dass man ihren Kopf auf dem Fußboden aufschlägt, immer wieder, dass man sie körperlich so misshandelt, dass sie unendliche Schmerzen leiden für den Rest ihres Lebens gezeichnet sind. Ich kann nicht verstehen, dass Kinder zu Tode gequält werden. Noch mehr aber kann ich nicht verstehen, dass diese Kinder in unserem so hoch entwickelten Land nicht besser behütet und beschützt werden können. Ich kann nicht verstehen, dass in dubio pro reo zum Einsatz kommt, wenn nicht klar ist, ob nun die Mutter oder der Vater zugeschlagen hat. Das geht nicht, das geht überhaupt nicht. Mein Sohn musste mit einem geistigen und körperlichen Handicap leben und es zieht sich mein Herz zusammen, wenn ich an diese kleinen Wesen denke, die nichts dafür können, dass es sie gibt, die aber all das erleiden und erdulden müssen. Es gibt kein Argument, absolut keins, das rechtfertigt, dass wir wegschauen und nicht handeln, dass die Behörden gar nicht erst hinschauen und schon gar nicht handeln und der Gesetzgeber sich aus der Verantwortung ziehen möchte, dass er Gesetze so gestaltet, dass er seine Aufgabe einfach abgibt ohne seine Kontrollfunktion wahrzunehmen. Auffällig sei, so sagten die Studiogäste, die Rechtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos, dass viele der Eltern, die ihre Kinder misshandeln in ihrer Kindheit selbst misshandelt worden waren. Hält man sich das vor Augen, dann wird es in den künftigen Generationen noch mehr misshandelte Kinder gegen, sofern der Staat an dieser Stelle nicht rasch handelt, die Sorgfaltspflicht der Kontrolle wieder den Ämtern unterstellt. Das Buch „Deutschland misshandelt seine Kinder“ hält das uns, den Ämtern, den Politikern sehr deutlich vor Augen. Als Mensch, Frau und Mutter meiner Kinder habe ich für all das kein Verständnis, absolut nicht.

Das waren die Themen gestern bei Lanz, ich hätte mir gewünscht, dass er Letzterem etwas mehr Zeit gegeben hätte, auch wenn ich nicht wirklich weiß, ob das der richtige Rahmen wäre. Aber gerade weil er so viel Schelte einstecken musste, weil er so im Fokus der Öffentlichkeit steht, wäre das der geeignete Moment, diesem Thema mehr Raum zu geben. Ansonsten war der Tag sehr schön, sehr anstrengend, anders als die normale Routine, als der normale Wahnsinn. Ich rate Euch solche Tage immer mal einzulegen, ungewöhnlichen Einladungen zu folgen, Luft holen für die nächste Runde: Laßt es Euch gut gehen!

 

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