Archiv
Kategorien

„Wenn ich du wäre“ oder „mach‘ dein Kram doch alleine!“

Vor einer Weile schon telefonierte ich mit einer Freundin und manchmal passiert es eben, wir klatschen und tratschen über was wohl? Über Männer. Männer nun gut, wollen wir sie nicht schlechter machen als sie sind und es ging n dem Gespräch weniger darum über sie herzuziehen, sondern darum, dass sie gelegentlich der Meinung sind ihre eigenen Interessen von ihren Partnerinnen oder Kindern ausführen zu lassen.

Das geht dann ungefähr so:

Meine Freundin und ihr Partner, das trifft aber alle Paare, egal verheiratet oder nicht schaut gemeinsam die Tagesschau an. Eine der politischen Nachrichten ist die, dass die Tabaksteuer zu Gunsten energieintensiver Unternehmen angehoben werden soll. Das erzürnt ihn, Raucher, lässt sie, Nichtraucherin, aber vollkommen kalt. Dann der Satz: Wenn ich du wäre, dann würde ich der Kanzlerin einen Brief schreiben. „Warum ich?“ denkt sie und konzentriert sich auf nachfolgende Nachrichten.

Es ist das erste Mal, dass ihr das auffällt. Nach den Nachrichten denkt sie nach und stellt fest, dass sie in der Vergangenheit öfter solche Phrasen gehört hat. „Wenn ich du wäre…“ . Das war ein unmöglicher Spruch, weil , wenn sie er wäre, dann würde sie einiges anders machen, z.B. sitzen beim pinkeln, weil jedem intelligenten Menschen klar sein muss weshalb. Ich führe das nun nicht weiter aus. Sie würde anstatt in einem Unmutsbrief an die Kanzlerin, eher überlegen weniger oder gar nicht zu rauchen. Sie würde … da fielen ihr tausend Dinge ein. Es fiel ihr auf, dass ihr Partner sich immer dann dieses Spruches bediente, wenn es etwas war, das a. Arbeit erforderte und b. im Grunde unangenehm war.

Wenn ich du wäre .. ein beliebter Ausspruch anderen Menschen klar zu machen, dass man selbst andere Entscheidungen treffen würde als die, die der Gesprächspartner getroffen hat. Oder dass man schlichtweg Unangenehmes delegieren möchte. Oder dass man keinen Bock hat etwas Bestimmtes zu tun, von dem man aber schon gerne hätte, dass es getan werden würde. Seinen Kindern vermittelt man auf diesem Weg eigene Allwissenheit, die niemand hat. Wenn ich du wäre, dann würde ich … nimmt den Kindern jede Chance eine eigene Entscheidung zu treffen. Kann man nicht sagen: Welche Optionen hast du? Nenne mir Pest und Cholera zwischen denen du entscheiden musst. Sich die Zeit nehmen Pest und Cholera durch zu kauen, bis der Sprössling seine Entscheidung treffen kann und nicht einfach die des Erwachsenen übernimmt. Auf der anderen Seite könnte man mit dem Satz auch meinen, dass man selbst diesen oder jenen Weg gehen würde, es aber letztendlich jeder selbst wissen muss. Warum sagen wir das dann nicht auch so? Ich weiß nicht mehr wie ich mit meinen Kindern in der Beziehung umgegangen bin, aber ich werde sie ganz sicher danach fragen.

Wir bedienen uns solcher Phrasen, um manchmal auch einer direkten Antwort aus dem Weg zu gehen. Warum kann Mensch nicht sagen: Nimm die grüne Tasche, die blaue passt nicht zu deinen Augen? Er kann es und wird es nicht, damit ihm nachher niemand sagen kann: Du hast doch gesagt ich soll die grüne Tasche nehmen. Er selbst würde, weil er von mir aus blaue Augen hat niemals die grüne Tasche nehmen. Aber Mensch sagt: ich, an deiner Stelle, würde die grüne nehmen, weil …  Wahrscheinlich würde er deses Modell so oder so nicht  nehmen, weil ihm das Modell nicht gefällt. Aber er möchte ja niemanden verletzen, also bedient er sich anderer Worte.

Ich werde zukünftig en wenig genauer sein in dem was ich, wenn gefragt, sage. Aber eines ist sicher, bei lapidaren, delegierenden oder blöden Anlässen kann zukünftig die Antwort nur die sein: „Mach deinen Kram doch alleine!“

Website Pin Facebook Twitter Myspace Friendfeed Technorati del.icio.us Digg Google StumbleUpon Premium Responsive

2 Kommentare zu „„Wenn ich du wäre“ oder „mach‘ dein Kram doch alleine!““

  • Annegret says:

    Hallo Gitta,

    so ein deligierendes „Wenn ich Du wäre“, kann ich gar nicht leiden. Wenn sich meine Kinder nicht entscheiden können, versuche ich auf die Frage einzugehen und bei Bedarf beide Seiten zu beleuchten. Entscheiden müssen sie selbst, was sie letztendlich auch machen.

    Viel schlimmer finde ich aber, wenn – um jeder weiteren Diskussion aus dem Weg zu gehen – mein Gegenüber ein Thema anschneidet, ich versuche darauf einzugehen, und dann – Schwupp – kommt: „Du willst ja gar nicht … “ Da frage ich mich oft, ob ich vielleicht Chinesisch rede.

    Viele Grüße

    Annegret

  • Gitta says:

    Liebe Annegret,

    es gibt viele Sprüche in der Art und ich bin mir sicher, dass ich noch einige im Laufe des Jahres finden werde über die ich mich auslassen kann. Kene Frage, Du redest chinesisch 🙂 was denn sonst? Aber im Ernst mr kommt das manchmal auch so vor als sprcäe ich in einer anderen Sprache.

    Herzlich
    Gitta

Kommentieren