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Na, wie fühlst du dich ein Jahr älter oder einfacher: Geburtstag

Wir haben ihn jedes Jahr neu, den Geburtstag. In meiner Familie mache ich den gleich im Januar den Anfang.  

Geburtstag, das ist der Tag an dem wir alle das Licht des Kreißsaals (niemals nicht werde ich ein Wort mit drei „s“ oder „f“ oder was auch immer schreiben) erblicken. Das Licht der Welt zu nennen fällt mir dann doch etwas schwer. Da sind wir nun: verschrumpelt und schreiend nach einem Klaps auf den Po (so war das früher) werden sogleich untersucht, gemessen und gewogen, gerührt und geschüttelt. Wenn alles gut geht landen wir in den Armen unserer Mütter und Väter.

Dann geht das los: erst eine Kerze, dann die zweite und dritte, dann gehen wir dorthin wo viele Kinder sind. Manchmal tun wir das auch schon früher. Mit diesen anderen Kindern müssen wir auskommen, ob wir das wollen oder nicht. Ich war in einem konfessionellen Kindergarten und jeden Morgen mussten wir uns im Kreis aufstellen und beten und weil ich während des Betens etwas auf dem Fußboden entdeckt hatte, das ich interessanter fand gab es ratzfatz eine Backpfeife. Ich wusste nicht wirklich warum, aber es war eben so.

Dann im zarten Alter von sechs Jahren wechselte ich in die Grundschule. Das war n Ordnung, lernen fiel mir leicht, das passte, wenn damals nicht noch der Rohstock regiert hätte. Mit diesem machte ich Bekanntschaft, weil … ja wenn ich das noch wüsste. Ich glaube ich war zu spät von der Pause gekommen. Übrigens bin war ich während meiner Schulzeit selten zu spät. Ich habe diese Auftritte gehasst, wenn alle zur Tür glotzten, wenn der Zuspätkommer eintrat. In der Parallelklasse saß mein Freund und Beschützer. Er holte mich jeden Morgen ab, saß geduldig in der Küche und wartete bis ich fertig war. Ich wüsste zu gerne was aus ihm geworden ist.

Was mir ganz stark haften geblieben ist, waren die ängstlichen Augen meiner Mitschüler, wenn wir eine Arbeit, egal ob Diktat oder Rechenaufgabe,zurück bekamen. Sehr viele fürchteten sich davor mir der Noten nach Hause zu gehen. Meine Eltern schärften meinen Geschwistern und mir immer ein, dass egal was wir auch immer angestellt haben, wir zu aller erst nach Hause kommen sollten, der Rest würde sich dann schon finden. Wir hatten nie Angst nach Hause zu gehen.

Nach vier Jahren „Volksschule“ wechselte ich auf ein privates Gymnasium, wo bereits mein Bruder war und wo es Mittagstisch und Hausaufgabeüberwachung gab, da meine Eltern beide im eigenen Betrieb arbeiteten. Während der ersten Jahre konnten die Lehrer noch „Hand“ anlegen, was manche auch zu gerne taten, auch flog mal ein Schlüsselbund. Nicht falsch verstehen, das war nicht die Regel, aber es kam nun mal vor. Jedes Frühjahr kurz nach Fasching ging der Direktor durch die Klassen und sagte den Schülern, während er durch die Reihen ging, dies: „Der Winter ist vorbei, Fasching ist vorüber, die Haare kommen ab!“ während die Charts von den Beatles und Lords erobert wurden. Er war ein stattlicher Mann mit Bauch, was ihm wohl stimmliches Volumen gab. Mädchen war er immer wohlgesonnen und schlug sich stets auf ihre Seite, wenn es mit irgendeinem Lehrer Probleme gab. Das kann ich aus eigener Erfahrung erzählen.

Dann war die Schulzeit vorbei und ich fand mich in einer Lehre wieder. Als ich am ersten Tag in der Straßenbahn saß habe ich mich gefragt, ob das nun alles war. Ich empfand das grauenvoll und alles nur wegen eines Mißverständnisses. Gut, ich zog das durch und wurde erwachsen, na ja fast jedenfalls.

Ich traf einen ehemaligen Klassenkameraden wieder und einige Jahre später heirateten wir. Es kam Andreas, mein Gänseblümchen, dann Claudia, meine immer ausgeglichene und Christine,mein kleines Abbruchunternehmen. War ich nun am Ziel. Mitnichten. Ich machte in schon fast biblischem Alter mein Abitur und begann zu studieren. Dann kamen Ereignisse, die mich zwangen eine Pause einzulegen, die bis heute andauert.

In dieser Pause schrieb ich meine zwei Bücher, hatte einiges am Hals sowohl Schönes als auch weniger Schönes. Ich bin von Tag zu Tag einen Tag älter geworden, das ist ein schleichender Prozeß an dem man ncht viele Gedanken verschwendet meine Haare wären grau, einzelne Partien meines Körpers folgen der Schwerkraft. Na und? Ist halt so. Meine Haare färbe ich und ich habe mir vorgenommen, wenn ich mich danach fühle wieder Sport zu treiben.

Und dann kommt so ein Olm und fragt mich an meinem Geburtstag: „Und? Wie fühlt man sich wieder ein Jahr älter?“. Na gar nicht fühlt man sich, unterscheidet sich, weil man Jeans und Shirts trägt, in einem Pulk Junger nur dann, wenn man das Gesicht genauer anschaut und bekommt einen Schreck weil nun das bewusst wird, was man so herrlich die ganze Zeit über verdrängt hat: man geht mit riesen Schritten auf die nächste Vorzahl zu. Wäre ich Pessimist hätte mich diese Bemerkung runter gezogen, aber da ich Optimist bin nehme ich das gelassen, pariere den Blödsinn und beendet alsbald das Telefonat. Solche Schwätzer muss ich an diesem Tag nicht haben.

Es ist so, wir werden Tag für Tag und nicht Jahr für Jahr älter und wer etwas anderes behauptet, dem gehen irgendwie 364 Tage im Jahr verloren, armer Mensch. Der lebt von Jahr zu Jahr und nicht von Tag zu Tag. Ich nicht, ich versuche jeden Tag, ob gut oder nicht, zu genießen. Das gelingt nicht immer, aber meistens. Da geht noch was in meinem Leben, egal was. Vielleicht nehme ich mein Studium wieder auf oder schreibe mein drittes Buch oder mache weiß der Fuchs was. Vielleicht relaxe ich eine Weile, aber das kann ich nicht lange durchhalten, niemals. Ich schätze enfach mal, dass ich so kurz hinter meiner Lebensmitte bin. Die erste Hälfte war nicht schlecht, das war o.k. mal sehen wie zweite wird.

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4 Kommentare zu „Na, wie fühlst du dich ein Jahr älter oder einfacher: Geburtstag“

  • Annegret says:

    Hallo Gitta,

    herzlichen Gückwunsch zum Geburtstag. Willkommen im Club derjenigen, die die Lebensmitte gerade überschritten haben. Wie das Leben diesseits so ist, wird sich zeigen. Fühlt sich an wie immer.

    Alles Gute,

    Annegret

  • Gitta says:

    Liebe Annegret

    vielen dank für die Glückwünsche. Lassen wir uns überraschen wie es werden wird. Irgendwie bin ich mir sicher, dass es toll sein wird.

    Herzlich
    Gitta

  • Wiebke says:

    Meine liebe Gitta, herzlichen Glückwunsch noch ganz schnell nachträglich von mir!
    Ich hoffe, du hast dein etwas anderes Silvester ganz gut verdaut und bist wieder fit!
    Liebe Grüße aus dem Norden
    Wiebke

  • Gitta says:

    Liebe Wiebke,

    vielen Dank für Deine Wünsche. Sagen wir so ich bin auf dem Weg fit zu werden und bei meinem Doc in guten Händen.

    Herzlich
    Gitta

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