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50+ oder Der Umgang mit modernen Geräten

Vor einigen Wochen kaufte sich meine jüngste Tochter ein Touch-Screen-Handy, so eins, auf dem man mit dem Finger darauf herum fährt. Hin und her, rauf und runter, quer fehlt noch, aber da bin ich mir sicher, dass das irgendwann auch noch kommt. Nun ja als diese Handys auf den Markt kamen, da dachte ich noch, dass ich mir früher oder später ein solches anschaffen werden. Nur nicht zu diesen horrenden Preisen. Ich muss gestehen, dass ich ein ganz ordentliches Schiebe-Handy, also so eins, wo man, wenn man telefonieren oder eine SMS schreiben will, eine Hälfte des Gerätes nach oben schiebt, vielleicht auch nach unten, was reine Ansichtssache ist.

Dieses Handy, ich bekam es weil mein anderes, heiß geliebtes Handy von heute auf morgen seinen Geist aufgab und nein es war nicht der Akku. Ich habe mich nun also, wenn auch sehr schwer, an das neue Handy gewöhnt, auch wenn ich nach wie vor meine Kämpfe mit ihm ausfechte. Ich kann telefonieren damit aber auch SMS schicken. Ich kann auch fotografieren damit, aber ich denken nie an diese Funktion, weil das Wort Handy für mich nur mit telefonieren und SMS schicken verbunden ist. So gesehen könnte ich mit meinem Handy bis in alle Ewigkeit, so lange es eben funktioniert, telefonieren und SMS schicken.

Ich glaube jeder ahnt was nun zwangsläufig kommen muss: ja in der Tat ich habe nun ein Touch-Screen-Handy. Ein sehr preiswertes, das ich geschenkt bekommen habe. Wie heißt es? Einem geschenkten Gaul… oder auch einem geschenkten Barsch… Nun ja, neugierig und aufgeschlossen ich solchen Dingen gegenüber nun mal bin, probiere ich das Teil natürlich aus. Die erste Hürde ist gleich mal die, wie das Gehäuse zu öffnen ist, um den Akku und Chip einzulegen. Keine Chance für mich diese Hürde zu bewältigen. Ich kann es nicht öffnen. Trotz Gebrauchsanweisung bleibt es gehässg verschlossen. Irgendwann ist der Akku dann doch drin, das Gerät hängt samt diesem und Chip am Netz.

Nun bin ich nicht so mutig wie meine Töchter, die niemals eine Gebrauchsanweisung lesen und sich immer gleich an das Ausprobieren aller Funktionen machen, sondern ich lese zuerst die Gebrauchsanweisung. Schwierige, kaun lösbare Aufgabe: graue Schrift auf grauem Papier. Blaue Schrift auf grauem Papier, eine Schriftgröße, die förmlich nach einer Lupe schreit. Eine Gebrauchsanweisung die nur jüngere Menschen mit guten Augen lesen können. Das gilt im Übrigen nicht nur für diese Gebrauchsanweisungen. Ganz schlimm ist es bei Kosmetikartikel: Ein Zettel hundert Sprachen, Schriftgröße 0,o1 und Farbe grau auf leicht grau getöntem Papier. Mann Leute, das kann kein Mensch lesen. Mir fällt dann immer das Lied: „Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehen….“ ein. Es würde mich schon interessieren wer diese Dinger schreibt oder übersetzt. Wenn ich auch sehr viel Geduld habe, aber die versagt beim Lesen von Gebrauchsanweisungen komplett.

Ich halte nun also mein Handy in der Hand und was soll ich sagen? Es ist so grausam, das kommt einer modernen Folter gleich. Allein das Telefonieren ist eine mittlere Katastrophe. Nach ungefähr einer halben Stund, es war eher mehr, brachte ich eine Verbindung zustande und noch schlimmer das SMS schreiben, da kann ich nur eins tun: *kreischen* und das ganz laut und ganz lang. Früher habe ich bei uns alle Geräte eingerichtet, egal welches das auch immer war. Heute nehme ich sofort reißaus, wenn es ein neues Gerät gibt. Selbst so einfache Geräte wir Wasch-oder Spülmaschinen werden zunehmend komplizierter in der Bedienung. Glt es de Gebrauchsanweisung ene neuen Gerätes zu lesen, hört man von mir: „Ich bin dann mal weg!“.

Ich habe mir ein Ultmatum gestellt: Wenn ich in den nächsten drei Tagen mit dem Handy nicht ein wenig besser umgehen kann, dann werde ich das alte, vertraute wieder nehmen, weil diesen Stress ich mir absolut nicht antun muss. Ich kann meine älteste Tochter verstehen, dass sie sich weigert ein Touch-Screen-Handy haben zu wollen und bin schon ein klein wenig neidisch darauf, dass sie Tasten drücken darf.

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11 Kommentare zu „50+ oder Der Umgang mit modernen Geräten“

  • Ute says:

    Hallo Gitta,
    habe mich beim Lesen eben köstlich amüsiert. Das könnte bei uns glatt mein Mann geschrieben haben. Der sich trotz aller Bemühungen meinerseits erfolgreich um ein Handy gedrückt hat. Er braucht sowas nicht und wenn dann kann er ja meines nehmen. Das geht aber gar nicht, das er sich mit meinem neuen Handy -Touch-Screen-Handy- gar nicht mehr auskennt und jedesmal kommt die Frage, wie kann man den damit überhaupt telefonieren. Als er vor 2 Jahren für längere Zeit ins Sanatorium musste, habe ich ihm eines meiner alten Handys und Karte mitgegeben und ihm die wichtigsten Telefnummern abgespeichert und dann noch eine Betriebsanleitung geschrieben, wie man das Ding bedient und was gescha, jedesmal wenn ich angerufen habe, hat er mich weggedrückt.
    Also da bist Du doch schon suuuuuper.
    Liebe Grüße
    und noch viel „Spaß“ damit
    Ute

  • Verstoerer says:

    Ha ha!

    Bin selbst seit rund 2 Wochen (bzw. ich war es bis gestern, da ging es dann kaputt..) stolzer, aber total überforderter, Besitzer und Benutzer eines Smartphones. Das ist auch ein günstiges, eines der Sorte „nicht-Apfel“, sondern es beinhaltet das Betriebssystem Android von Google. Nun gut, das man bei Telefonen von Betriebssystemen sprechen muss und kann, ist zunächst ja schon mal eine Sache die mindestens gewöhnungsbedürftig ist. Sei es drum. Meine Motivation mir so ein Teil zuzulegen war ein reines Luxusproblem. Ich wollte mobil Internet haben und auch von der Couch aus „mal eben“ meine Mail lesen. Bin schließlich 46, da ist man froh wenn die langsam steif werdenden Glieder endlich einmal ausgestreckt sind 😉

    Ein Notebook o.ä. habe ich nicht zuhause. Ich stand zunächst vor genau den gleichen Problemen wie Du. Auf dem klitzekleinen Karton stand extra: Bitte lesen Sie die mitgelieferte Gebrauchsanleitung. Die musste ich aber erst mal suchen. Hätte nie gedacht das so viel Text in so vielen Sprachen so schlecht lesbar in einer 5×5 cm kleinen Broschüre untergebracht werden kann. Unglaublich.

    Das einzige was ich ohne Lupe lesen konnte war: Diese Anleitung finden Sie ebenfalls auf der mitgelieferten CD-ROM. Juhu!
    Selbst diese CD war Mini. Größe so circa „Salamischeibe.“

    Youtube konnte mir dann wenigstens zeigen wie ich hinten das Gehäuse *knirsch* auf bekomme, um Akku und SIM-Karte einzulegen. Habe selten so geschwitzt, denn ich bin doch 1. kein Uhrmacher und 2. besteht das Gehäuse nur aus dünnem Kunststoff. Es war auch nicht ganz einfach die Karte „da irgendwo“ rein zu schieben, auch wenn es wohl theoretisch nur vier verschiedenen Möglichkeiten geben kann, wie man sie einsetzt, so habe ich doch noch mindestens 300 oder mehr neue Positionen entdeckt. Die natürlich nicht funktionieren.

    Irgendwann war es dann so weit, alles am richtigen Ort und wieder zu, geladen…
    Nach rund 2h hatte ich heraus gefunden, wie man wo welche Daten eintragen muss, um z.b. das Internet zu benutzen. Ha, ich war so mächtig stolz auch mich, obwohl, bei meinem Beruf.. hätte das eigentlich schneller gehen sollen.
    Auch hätte ich berufsbedingt wissen sollen, dass man diese Sachen am besten speichert, bevor man den Eingabe-Dialog schließt. Nun, beim 2. Mal war ich ja bereits gut geübt und braucht nur noch 1 3/4 Stunden. Steile Lernkurve.

    Möchte jetzt nicht weiter auf die Details eingehen, aber die Muskelkrämpfe IN DEN FINGERN die so ein Gerät verursachen kann, sind ebenso schmerzhaft wie ungewohnt. Aber, es wurde besser. Besser und besser und nach 7 Tagen sprach ich an einem Sonntag: „Es werde Licht!“ und siehe da, ich fand bereits auf Anhieb den Einschaltknopf und konnte unfallfrei meine PIN eingeben um das Telefon zu aktivieren.

    Das Teil begann richtig Spaß zu machen (Hey, es gibt eine Kompass-App!! Und eine Wasserwaage als App!!). Am 9. Tag unser „Beziehung“, ich war schon so weit mir einen Namen für das Teil auszudenken und schwankte noch zwischen Rosi und Norbert, verließ mich leider der Geist der Technik und der Touchscreen seine Funktion. Und ein Smartphone ohne Touchscreen ist wie Suppe ohne Teller, total nutzlos.

    Nun ist „Rosi“ seit gestern unterwegs in Ihr Heimatland zwecks Reparatur, ich vermisse dich, mein Schatz.

  • Gitta says:

    Lieber Verstörer,
    genau so. Ich sehe also Hoffnung, dass ich es doch noch erlernen kann. Danke für Deinen tollen Bericht.

    Herzlich
    Gitta

  • Gitta says:

    Liebe Ute,

    freue mich immer, wenn ich direkten Kontakt mit Dir habe. Alles wäre einfacher könnte man wenigstens die Gebrauchsanweisungen lesen.

    Liebe Grüße von hier zu Dir.

    Herzlich
    Gitta

  • Mir kommt einiges unheimlich bekannt vor. Daran sehe ich immer, wer altersmäßig so ungefähr gleichauf liegt…. Genau deine Beschreibung, Gitta, und dein Kommentar, Verstörer, halten mich momentan davon ab, mir ein neues (Touch-Screen-Handy) anzuschaffen. Meine alte Gurke tut’s grade noch, der Akku wird schwächlich, so dass sein Ableben in absehbarer Zeit zu erwarten ist. Kleine Wutausbrüche meinerseits passieren (Sekunden-Fluch), wenn ich SMS eingebe und beim Kontrolieren des Textes bemerke, dass die Hälfte der Tasten leider nicht reagiert hat. 50% fehlende Zeichen wirken leicht verwirrend, zumal das superschlaue Handy daraus ja noch wieder eigene Worte kreiert.
    Wie der Verstörer möchte auch ich gern mobil ins Internet, daher wird es über kurz oder lang zwangsweise auf ein neues Wunder der Technik hinauslaufen. Mir stehen jetzt schon die Haare zu Berge…. Wahrscheinlich beantrage ich vorher Urlaub – für die Kennenlernphase mit Henry oder Julischka. Ein Name, da hat der Verstörer sicher auch recht, kann nicht schaden.
    Ach Gitta, du hast mir die Entscheidung dafür auch nicht leichter gemacht … 😉

  • Gitta says:

    Liebe Ladyfromhamburg

    jetzt etwas, das Deine Entscheidung für ein Touch-Screen-Handy positiv beenflussen wird: Ich kann nun sicher SMS schreiben, ich schreibe immer ohne T9, das geht bei mir eindeutig schneller. Ich kann nun sogar Gespräche annehmen, den Klingelton verändern, aber noch nicht einen runterladen und installieren der mir gefällt, so was in der Art „I will follow him“ … (aus sister act) dem Handy. Name, gute Frage, ich hatte mal einen A6 in dunkelblauer Farbe, der mir geklaut wurde. Der hieß James Bond, war ein affengeiles Auto, hat mich nie im Stich gelassen, auch nicht als das Ende der Autoschlange immer näher kam, da hat er brav von über 200 (wie viel drüber lasse ich mal aus :-)) bis dort runtergebremst. Wenn ich den erwische, der es geklaut hat …. Ich werde Dir und Verstoerer nun folgen und einen angebrachten Namen für mein Handy finden. Mir schwebt so etwas wie Eddie vor, mal sehen was mir da einfällt.
    Ich kann Dich aber beruhigen, auch in nicht mehr ganz so jugendlichen Alter kann man den Umgang lernen, mit Geduld (und Tochter, die das kann) geht das. Nimm Urlaub, kauf Dir eins und dann los! Das wird schon klappen 🙂

  • Verstoerer says:

    Oh, Eddie würde ich lieber nicht nehmen. Wer – wie ich – ein Freund der bereits etwas älteren 5bändigen „Per Anhalter durch die Galaxis (Org: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy) Trilogie ist, wird wissen warum. Da ist „Eddie“ der Boardcomputer der „Herz aus Gold“ und vorsichtig ausgedrückt ein klein neben der Spur.

    Ich bin erst seit Donnerstag auf Entzug, und meine Rosi fehlt mir schon sehr. So viel Speicher, Features, Funktionen die ich im Moment nicht nutzen kann. Und so viel mehr Zeit für das Leben..

  • Gitta says:

    Kannst Du mich bitte aufklären wer Eddie in „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist? Ich weiß das nicht, weil ich über Meister Spok nie hnaus gekommen bin.

  • Verstoerer says:

    Spock ist der Wissenschafts-Offizier der Enterprise in der 60/70er Jahre US TV-Serie.
    Die „Anhalter Romane“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Per_Anhalter_durch_die_Galaxis_%28Romanreihe%29 ) wurden von Douglas Adams zunächst für die BBC als Hörspiele konzipiert und später dann in Romane umgesetzt. Douglas Adams ist jemand aus dem Umfeld von Monty Python und mindestens genau so verrückt britisch komisch.
    In einem dieser Romane kommt ein Computer vor, Eddie. Der ist, wenn er nicht gerade vollständig damit ausgelastet ist Tee zuzubereiten, sehr sehr sensibel und äußerst leicht beleidigt. Deswegen würde ich mein Telefon nie Eddie nennen. Ich kann selbst Tee kochen 😉

  • Gitta says:

    Vielen Dank für Deine Erklärung, die sehr erheiternd ist.
    Ich wünsche Dir enen schönen Tag.

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