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Ausnahmezustand

Eine Fliegerbombe, ein Blindgänger, der auf einer Baustelle gefunden wurde, legt gerade den Verkehr in Berlin lahm, Bundeswehr-Krankenhaus, Ministerien, Universität, Wohnungen werden gerade, während ich schreibe, evakuiert. Das kommt gerade einem Kollaps gleich. „Drumherum fahren“ ist die Devise, was zeitaufwändig ist.

Die vergangenen Wochen fühlen sich für mich sehr unwirklich an. Allerhand Medizinisches stand auf meinem Programm. Mein Kater war auch sehr krank und ging letztendlich den letzten Weg über die Regenbogenbrücke. Es mag für jene merkwürdig klingen, die kein Haustier haben, dass man um ein Haustier trauert. Aber Tiere sind Familienmitglieder, sie haben das Recht ordentlich behandelt zu werden, dass Schaden von ihnen abgewendet wird, dass sie geliebt werden.

 

 

Lucky war ein Hammerkater, aber ich werde hier jetzt nicht über ihn erzählen, seine kleinen Macken offen legen, seine Vorlieben beschreiben. Was ich aber schreiben möchte ist das, dass wir ihm eine Woche Leid hätten ersparen können, wenn die TAs hier in der Tierklinik, in die ich ihn gebracht hatte, gut hingeschaut hätten, wenn sie Blutwerte, die sich einfach nicht stabilisiert ließen, hinterfragt hätten. Ich bemängle das deswegen, weil es ihm, und damit auch mir, sehr viel Leid erspart hat, weil ich nicht meine Überzeugung leben durfte, zum Zuschauen verdammt war. Vielleicht beschreibe ich das hier mal etwas näher, wenn Zeit vergangen ist, wenn die Tierklinik sich zu meiner Anfrage geäußert hat.

 

 

Dann kam Andreas‘ Geburtstag, 38 Jahre wäre er in dieser Woche geworden. Ich gebe zu, dass mich das in diesem Jahr, nach den Wochen von emotionalem Stress, den ich durch Lucky hatte, in die Knie gezwungen hatte, wie schon lange nicht mehr. Man kann nicht sagen, dass nun so und so viele Jahre vergangen sind, seit er über die Regenbogenbrücke gegangen ist und nun muss gut sein. Nein, so kann man das nicht betrachten, so darf das nicht gesehen werden. Ich bin keine Maschine, die das Schicksal nach seinem Belieben emotional ein- und ausschalten kann. Mit meinem Leben mag sie das machen können, aber niemals mit meinen Emotionen. So läuft das nicht.

 

 

Heute haben wir, als Familie ein weiteres denkwürdiges Datum, mein Bruder ging vor 42 Jahren seinen letzten Weg. Das ist ein anderes Gefühl der Trauer. Das sind verlorene Jahre gemeinsamen Altwerdens. Während ich älter wurde, blieb er in meinen Gedanken immer 25 Jahre alt. Er hat nicht, wie ich graue Haare bekommen, er hat seinen Sohn nicht aufwachsen sehen, lernte nie seine Nichten und Neffen kennen. Er war dabei sich beruflich eine Karriere aufzubauen, durfte aber nie deren Werdegang erleben. Er ging in einer Zeit, in der man noch nicht über eine Krebserkrankung gesprochen hat, nicht mal die engsten Freunde meiner Eltern wussten davon. Er starb endlich, die Schmerztherapien waren noch nicht so weit, wie sie das heute sind, aber er hatte immer ein „Danke“ auf den Lippen, wenn man ihm Gutes getan hat.

 

 

Ich habe ihn als jungen Mann in meinen Gedanken behalten, der gehen musste, aber lange nicht dafür bereit gewesen war. Er war ein Chameur, konnte Menschen ein ganzes Kaufhaus verkaufen, auch wenn diese lediglich einen Angelhaken kaufen wollten. Ich könnte stundenlang erzählen, aber nein, das sind meine Erinnerungen, die teile ich allenfalls mit meiner Familie, seinen Nichten und Neffen, die er nie kennen lernen durfte.

 

 

Während der letzten Wochen, war auch eine ganze Menge draußen in der Welt passiert, nicht unbeobachtet, aber unkommentiert. Die Allianz D.T. flog eine Attacke gegen Assad, von letztem Freitag auf Samstag, damit die Lage sich über das Wochenende beruhigen konnte und die Börsen nicht darauf reagieren konnten. Wer glaubt, dass D.T. und Putin sich nicht abgesprochen haben, der mag weiter träumen, zumal Putin den Luftraum über Syrien kontrolliert. D.T. seinerseits hat einige Probleme den Sonderermittler Muller abzuschütteln, der sich wie ein Terrier in seiner Wade festgebissen hat. Den alten Bürgermeister von New York Giuliani soll das, als Anwalt nun richten. Dieser erklärte nun, dass er sich, sinngemäß wiederholt, darum bemühen wolle, diese Angelegenheit „so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen“. Wie auch immer, aber ich glaube, vielmehr hoffe ich das, weder Muller, noch das FBI lassen sich beirren.

 

 

Gewalttaten in unserem Land stehen an der Tagesordnung. Egal wo auch immer, ob im Stadion, in einer U-Bahnstation, einer Unterführung, in großen und kleinen Städten. Männer erstechen Frauen, weil sie gegangen sind. Schlechte Verlierer? Scheint so. Schlimmer noch, sie bringen kleine Kinder, die im besten Fall außer einer genetischen Übereinstimmung ihnen nichts getan haben. Wie bescheuert ist das. Rache, Ehrverletzung, wenn die Täter muslimischer Glaubensrichtungen angehören, haben die noch alle Tassen im Spind? Wenn sie so leben wollen, dann bitte nicht hier in meinem Land. Das soll keine Hetze sein, aber ich sehe hier von ihnen mangelnde Integration.

 

 

Eine Mutter verkauft, gemeinsam mit ihrem Partner den eigenen Sohn für sexuelle Handlungen an fremde Männer. Das ist in meinen Augen Mord, ein Mord an der Seele des Kindes und gehört mit lebenslanger Gefängnisstrafe geahndet. Wer Hand anlegt an einem Kind, egal ob geschlagen wird, die Kinder misshandelt werden, wer immer das tut, der gehört mit dem Höchstmaß, das die Justiz bietet bestraft.

 

 

Eine Junge von 15 Jahren wurde bei einer Schlägerei getötet. Es ist schlimm genug, dass er zu Tode kam, sehr viel schlimmer ist es, dass – angeblich – 20 Menschen drumherum gestanden waren, ohne einzugreifen. Gibt es unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge? Wenn ja, dann bitte ich darum, genau so zu bestrafen. Niemand muss sein eigenes Leben auf Spielsetzen, aber von 20 Menschen, waren bestimmt 18 mit Handy. Lieber einmal zu viel die Polizei rufen, als einmal zu spät. Jeder kann in diese Situation kommen. Habe ich Angst rauszugehen? Nein habe ich nicht. Wer Zweifel hat, ob die Situation es rechtfertig den Notruf abzusetzen, der ruft dort an und schildert einfach das, was er sieht, oder gesehen hat. In der Leitstelle wird dann das weitere Vorgehen entschieden. Es ist Pflicht zu helfen, es ist plichtverletzend und beschämend wegzuschauen, das Handy in der Tasche zu lassen und Hilfe zu holen.

 

 

Ist es nicht mehr schön in unserem Land. Doch es ist immer noch hier zu leben. Ich will hier gar keine Plattform sinnentfremdender und sinnfreier AfD‘ler und sonstigem Gewurschtel sein. Wie käme ich auch dazu, noch glaube ich an mein Land, glaube an den Rechtsstaat in ihm, glaube daran, dass wir das woppen werden. Ich wünsche mir von Politikern mehr geordnetes Arbeiten unter Einsatz des Verstandes. So soll die Anzahl der Notaufnahmen verringert werden, aus qualitativen Gründen, wie das Herr Spahn so sagt.

 

Sehr geehrter Herr Spahn,

für wie blöd halten sie eigentlich die Menschen? Ihre Politik wird nicht von uns Beitragszahlern bestimmt. Sie hören uns gar nicht. Wem Sie folgen, liegt auf der Hand: Sie folgen keinem Wählerauftrag, der einzige Auftrag, dem Sie folgen ist der, der Lobbyisten, um die Privatisierung der Krankenhäuser, die von Herrn Seehofer wurde und den Untergang unserer qualitativ hochwertigen Medizin eingeläutet hat, durch die Möglichkeit der Privatisierung von Krankenhäusern. Seither entziehen sich die neuen Eigentümer der Mitteleinsatzkontrolle, entgleisen bezogen auf der Kostenkontrolle.

Ich denke, die Notaufnahmen zu reduzieren, wird zu Lasten der Patienten gehen und keinesfalls die Qualität erhöhen. Der von Herrn Seehofer eingeschlagene Weg war der falsche Weg, aber warum sollte man das nicht korrigieren können. Wir sind es, die das alles bezahlen müssen, wir müssen auf Termine warten, wir sind es die dafür gerade stehen müssen. Im Grunde, auch wenn ich dieses Argument nicht unbedingt mag, aber wir sind es, die Sie und Ihre Mitarbeiter im Ministerium bezahlen unsere Beiträge sind es, die gegen den Lobbyismus stehen. Oder bezahlen die Lobbyisten gut? Nicht direkt, aber hier einen Vortrag, dort eine Rede, da kommt schon etwas zusammen.

Ich könnte noch unendlich viel aufzählen, was da nicht mehr stimmig ist. Sie wollen etwas bewegen, haben Sie versprochen. Sie werden sich messen lassen müssen, ob Sie am Ende der Legislaturperiode Ihr, unser Geld wert waren. Zeigen Sie Rückgrat für uns und pfeifen Sie auf die Lobbyisten und machen Sie für uns Ihren Job.

MfG

 

 

Das soll es für heute gewesen sein. Es gibt im Moment so viel, das an uns vorbei geht. Das ist nicht schlimm, dass wir da aber für dumm verkauft werden, das stört mich dann doch ein wenig. Einzig das Wetter hat nun endlich den Frühling mitgebracht. Immerhin ein Trost. Ich wünsche Euch von Herzen ein schönes, unbeschwertes Wochenende und: Laßt es Euch gut gehen!

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