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Das Rosenspiel oder twitterst Du schon?

Gestern habe ich lediglich einen Link hier eingestellt. Meine Freude darüber, dass mein Buch „Das Rosenspiel“ einer positiven Rezension würde war, hält auch heute noch uneingeschränkt an. So gestärkt sucht Frau nun, trotz der Tatsache, dass das Buch bereits 2008 erschienen ist, weitere Menschen, die es rezensieren. Immerhin hat dieses Buch eine eigene Geschichte: die ersten Seiten des Manuskriptes von Jan Weiler, damals noch Chefredakteur beim SZ-Magazin, für zwar atemlos erzählt, aber so interessant befunden, dass man gerne weiter lesen würde. Im SZ-Magazin erschien daraus eine Kurzgeschichte und dann beim ZDF unter dem Titel „Mein Mann, seine Geliebte und ich“ ein Spielfilm mit Mariele Millowitsch und Harald Krassnitzer in den Hauptrollen. Eigentlich eine gute Voraussetzung für das Buch.

Diese Rezension habe ich zum Anlass genommen mein Rosenspiel zurück ins Spiel zu bringen. Warum nicht? Es ist sehr gut, liest sich flüssig. Vielleicht bin ich langsam zu alt, um mit der Schnellebigkeit (nein, ich werde keine drei „l“ in ein Wort schreiben) unserer Zeit mithalten zu können. Ich habe also den Link zur Rezension getwittert und bekam darauf diese Anwort:

@GittaBecker tönt interessant, aber da im 2008 erschienen, muss ich leider ablehnen, die neuerscheinungen stapeln sich schon meterhoch 😉

Spontan habe ich bei dieser Antwort überlegt, ob der Mensch, der diese Antwort schrob einen „interessant tönenden“ Wein, Jahrgang 2008 abgelehnt hätte, weil dieser auf seinem Etikett nicht 2010 stehen hat. Ist der erste Blick wirklich auf das Erscheinungsjahr eines Buches, oder kommt es auf den Inhalt, die Erzählweise oder eine druckfrische Rezension an?  Glücklicherweise hatte die Verfasserin der Rezension sich davon nicht beeinflussen lassen und erkannt, dass sie ein gutes Buch vor sich liegen hat.

Ein Buch ist für mich etwas das Bestand hat, das greifbar ist, das gegenwärtig ist, das man lesen und wegstellen kann, das man lesen und weiterempfehlen kann, das man wegstellen und erneut hervor holen kann, das man mit auf Reisen nimmt und entweder am Urlaubsort zurück lässt oder für das Bücherregal wieder mit nach Hause nimmt. Es spielt dabei doch keine Rolle, ob es anno zwick, 2008 oder 2010 erschienen ist. Ein Buch, das 2000 oder 2008 kann einer Rezension genauso würdig sein, wie eins, das 2010 auf den Markt gekommen ist.

Was bedeutet ein Buch für den Autor? Es bedeutet Arbeit, Herzblut, recherchieren, Gespräche führen, erneut schreiben, streichen, neu schreiben, umformulieren, unendliche Lektorengänge, Gespräche mit den Lektoren, Enttäuschung, wenn die so brillant gedachte Formulierung eben mal gestrichen wird. Es bedeutet nachts mit ihm schlafen zu gehen, manchmal von den Protagonisten zu träumen, um am Morgen wieder mit ihnen aufzustehen und umzuschreiben. Ein Buch hat eine Seele, egal aus welchem Jahr es stammt. Ein Buch ist mehr als „erschienen im Jahr“. Ein Buch erzählt, nimmt den Leser mit, lässt ihn vielleicht auch manchmal einfach stehen, lässt ihn zurück in dessen eigener Phantasie. Spielt es wirklich eine so große Rolle wann es erschienen ist?

Du sitzt vor deinem Bildschirm, liest diese Antwort und bleibst sprachlos zurück. Zum Glück verfüge ich über ein gesundes Selbstvertrauen, lasse mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, auch wenn ich gelegentlich immer mal meine Mitte verliere und mich neu ausrichten muss. Das gehört für mich zu meinem Lebensprozeß, zum meinem Leben dazu. Das ist mein Leben.

Wein muss reifen und alles hat seine Zeit, das Rosenspiel auch, das bereits im Jahr 2008 erschienen ist, wer weiß, vielleicht hat es jetzt seine Reife.

Hier noch ein Mal der Link zur Rezension: http://bit.ly/bPUs5F

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2 Kommentare zu „Das Rosenspiel oder twitterst Du schon?“

  • Mr. Rail says:

    Nun – es geschehen die seltsamsten dinge im Netz – hier tönt seit Jahrzehnten „Der Name der Rose“ rum und ist in guter Gesellschaft – die Qualität einer Publikation ist nicht am Erscheinungstermin festzumachen – vielmehr auch an der Rolle, die das Buch im Leben einer Autorin einnimmt! So wird auch ein „Gänseblümchen“ zeitlos in meinem Buchregal tönen – mal wird es plärren, schreien oder leise hauchen und ganz oft einfach nur rufen „Hey Raily – kannst Du dich an mich erinnern!“ Und glaub mir – ich kann mich erinnern!
    So long, and head up – Raily

  • Binea says:

    Ganz richtig, Wein muss reifen, wir Leser reifen und die Bücher reifen.
    Es gibt für Bücher kein Verfallsdatum, zum Glück nicht, denn dann dürfte ja keiner von uns ein Buch, was vor dem heutigen Tag geschrieben wurde zur Hand nehmen. Kein Buch zweimal lesen, kein Buch öfters denken, kein Buch von „damals“ anschauen.
    Wenn das so wäre, würden wir unsere Bücher doch nicht so lieben und so gern immer wieder in ihnen lesen. Wenn Bücher von 2008 alt sind und vor den heutigen Platz machen müssen, will ich mir nicht vorstellen, wie das mit den Autoren der Bücher ist…wenn diese nicht mehr im jetzt und im hier unter uns weilen, sind dann auch deren Bücher alt und sollten nicht angefasst werden?

    Klassiker sind ja dann wohl auch out…

    Ich sehen kein Verfallsdatum – also greife ich zu und lasse mir die Wörter schmecken ;o)

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