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Die Welt bleibt draußen

Wie einfach das klingt: Tür schließen, Welt draußen lassen. Draußen zarter weißer Hauch von Schnee liegt auf den Dächern in den Grünanlagen der Stadt. Draußen..

Drinnen bleiben die Probleme, die uns allen unsere Kranken und Alten bereiten. Zeit. Wo ist die letzte Woche geblieben? Kampf um jeden Bissen, um jedes Bewegen, jeden Fortschritt. Zwei Schritte vor und einer zurück, manchmal sind es auch drei Schritte rückwärts. Dann alles wieder von vorne.

Wir haben, ich habe schon hier auf dem Blog darüber geschrieben, zwei schwer erkrankte Familienmitglieder und manchmal, auch wenn das gemein und hart klingt, wünsche ich mir weit weg zu sein. Ohne meine erwachsene Tochter und deren Freund wäre das niemals zu leisten gewesen. Fünf Mal am Tag, manchmal öfter, zur Oma gehen, diese frisch machen, arbeiten gehen, Haushalte führen, das verlangt sehr viel ab. Kaum Freizeit mit dem Freund, kaum Konzentration für die Arbeit am neuen Manuskript, keine Verabredungen mit Freunden. Warum die Oma nicht im Krankenhaus ist? Jedes Mal, wenn sie in ein Krankenhaus gegangen ist, kam sie danach  jedes Mal kränker da wieder raus und die Rehas gaben ihr den Rest. Konnte sie noch in die letzte Reha förmlich laufen, so kam sie aus dieser als bettlägerig heraus.

Mangelhaftes Gesundheitssystem, das Sparen an Personal hat mangelnde Hygiene zur Folge, das zieht hohe Folgekosten nach sich. Nicht denken beim Behandeln der Patienten, nicht überlegen, Kosten sparen verursacht mehr Kosten. Behandlungsfehler, falsche Diagnosen, nicht erkennen Fehler gemacht zu haben, obwohl wir als Angehörige immer und immer darauf hingewiesen haben. Auch Privatpatienten sind davon nicht ausgenommen. Klostühle, die bei fast 40° im Zimmer stundenlang unbeachtet stehen bleiben, obwohl bekannt ist, dass sie benutzt wurden, menschenunwürdig. Menschen als dement abstempeln, obwohl sie davon meilenweit entfernt sind. Menschen auf diese Art seelisch zerstören. Mich wundert nicht mehr wo das viele Geld in unserem System hinkommt.

Mehr Personal, bessere Ausbildung, moderatere Arbeitszeiten, das kostet Geld ja, aber auf der anderen Seite würde das ein Vielfaches sparen an Folgekosten sparen.

Seit fünf Monaten immer wieder Aufbauarbeit, kleine Schritte, fallen, aufstehen, von vorne anfangen. Ärzte, die ein Delir  nicht von einer Demenz unterscheiden können, Ärzte, die unüberlegt handeln, Ärzte, die angeben Demenz-Tests gemacht zu haben, ohne dies tatsächlich getan zu haben, offener Betrug, Ärzte, die aus Ratlosigkeit Menschen in die Reha abschieben. Mit 84 Jahren nicht einfach zu ertragen. Wege gehen, die längst schon hundert Mal gegangen waren. Immer wieder von vorne anfangen mit 84 Jahren.

Während die eine Oma versucht sich ins Leben zurück zu kämpfen, verliert die andere den Bezug zum Hier und Heute und Jetzt mehr und mehr. Essen, trinken, Toilettengänge tägliche Herausforderung. Waschen, anziehen warum? Wer sind Sie? Ich will nach Hause, mein Mann, meine Eltern warten. Regelmässigkeit, am Morgen Frühstück, am Mittag ein Essen, auch wenn wir ansonsten am Abend erst essen.

Dazwischen die restlichen Familienmitglieder mit Magen-Darm-Infekten, Infekten der Atemwege, Zahnproblemen, Erkältungen. Aufpassen, dass die Omas das nicht bekommen. Arbeit bleibt liegen, Unerledigtes wird mehr. Sehnsucht nach Pause, Auszeit, Time out für alle. Ein paar Tage nur, das wäre schön. Auftanken, Seele baumeln lassen, so wichtig und doch nicht möglich.

Fernsehdiskussion diese Woche bei „Hart aber fair“, schaue ich normalerweise nie, aber heute schon, es geht um Pflege. Der Mann von der CDU erklärt das ist doch toll mit dem Pflegegeld, bei der Pflegestufe 3 gibt es doch schon ordentlich Rentenbeiträge. Prima, denke ich, aber macht mich das in diesem Moment satt? Mal abgesehen davon haben wir keine Pflegestufe 3.  So leid es mir tut, aber er hat keine Ahnung, kann nicht im Ansatz erahnen was Pflege zu Hause bedeutet. Soll er doch mal seinen Job aufgeben und gucken wie er dann klar kommt.

Draußen sind die Dächer immer noch leicht gepudert, die Welt ist immer noch draußen, wirkt auf mich leichter, einfacher, aber alles andere ist und bleibt drinnen. Trotzdem irgendwie bekommen wir das hin und bald ist Weihnachten.

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