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Fasching, Fastnacht und raus auf die Straße

Nein, ich bin kein Spielverderber, ich werde niemandem die Feierlaune damit verderben, dass ich traurige oder gruselige Geschichten über Darmkrebs einstelle. Natürlich werde ich trotzdem daran erinnern, dass Vorsorge Leben retten kann. Also: Vorsorge rettet leben, denkt nach Fasnacht daran. Ach was, ich werde euch daran erinnern. Fastnacht, Straßenkarneval das ist schon etwas Besonderes, wenn man da „unten“ wohnt, in dem Teil der Republik in dem zu Karneval der Bär steppt. Zugegeben so nach und nach kommt das auch hier in Berlin an, wobei in den östlichen Bundesländern Karneval wiederum eine recht ausgeprägte Tradition hat, aber irgendwie das anders aus.

In meiner Kinderzeit, ist schon eine Weile her J, da war am Rosenmontag nix, da wurde nicht verkleidet, da passierte nix. Sonntag war ich mit meinen Eltern und Geschwistern zum Umzug. Man kannte alles und jeden. Ludwigshafen eine Arbeiterstadt in der Altbundeskanzler (wieso nennt man das eigentlich so?) Helmut Kohl geboren und aufgewachsen ist, dessen Bruder ein Jahrgang wie mein Vater war, und wie sollte es anders sein, man auf dem Gymnasium in einer Jahrgangsebene war und sich kannte. Meine Mutter war in der gleichen Tanzschule wie Kohls Bruder, somit kannte sie wiederum den kleinen Kohl auch. Dorf also. Helmut Kohl und seine Frau Hannelore kamen auf dem Motorroller an die Tankstelle meines Großvaters um Sprit zu fassen. Durch diese Tankstelle, die ganz modern damals ein Café dabei hatte, eine der ersten nach dem Krieg in unserer Stadt war, das erste frei tragende Runddach obendrein hatte, kannte man Hinz und Kunz und alle Geschäftsleute in der Stadt und somit auch die Karnevalisten. Egal ob diese nun von den Obdarer Dambnudle, den Friesemer Eulen, den Farwschluckern oder Munnemer Göckel waren. Ludwigshafen und Mannheim gestalteten einen gemeinsamen Umzug, der ein Jahr in Lu und ein Jahr in Ma lief.

Am Fastnachtdienstag durfte man dann sogar verkleidet in die Schule gehen und warum am Aschermittwoch dann alles vorbei war – wie sollte man das als Kind verstehen? Meine beste Freundin, sie war katholisch musste vor dem Unterricht nicht in die Kirche und bekam auf ihre Stirn einen Aschepunkt. Aber wie das so ist, irgendwann wechselt man von der „Volksschule“, wie das damals hieß, auf das Gymnasium, welches in Mannheim, also „über den Rhein“ war. Da fing es dann an, dass sich die Straßenfastnacht über die Planken zog, da war dann eher etwas los und wir zogen mit. Dann war Ende mit Fastnacht feiern, weil die Arbeitgeber, das so nicht gut fanden und sich schon damit einen abgerungen haben, am Dienstag Nachmittag frei zu geben. Wobei das so auch wieder nicht stimmte, weil man das immer irgendwie vor- oder nacharbeiten musste. Urlaubstage wegen Fasching? Nein, die wurden nicht verplempert. Da ging man am Donnerstag zum Weiberfasching, am nächsten Morgen verkatert arbeiten, um am Abend, wenn die Sonne aufging zum nächsten Faschingsball zu gehen. Am Faschingssonntag ging es zum Umzug, danach zum Straßenkarneval und irgendwann in der Nacht nach Hause. Am Rosenmontag erschien man auf der Arbeit, nicht allein, sondern mit Kater auf den Schultern, aber Abend, wenn die Karnevalssonne aufging, musste der Rosenmontagsball beehrt werden. Den Dienstag Morgen überstand man mit Streichhölzern und leicht maskiert bei seinem Arbeitgeber, um dann den Dienstag bis Mitternacht noch mitzunehmen.

Wer nun denkt, Gott sei Dank ist diese Aufzählung vorbei, der sieht sich getäuscht, denn am Aschermittwoch mussten Heringe dran glauben, da gab es dann das Heringsessen. Am Donnerstag dann fiel Frau gleich nach der Arbeit ins Bett, wobei sie schon eingeschlafen war noch ehe das zweite Bein das Bett erreicht hat.

Als wir dann nach Berlin gezogen waren, erlebte ich hier in Spandau einen Fastnachtsumzug, den ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde und der sogar in der hiesigen Presse erwähnt wurde: 7 Menschen gestalteten den Umzug. Mittlerweile gibt es einen riesigen, der allerdings keine Motivwagen hat. Zumindest bis vorletztem Jahr nicht. Wenn der Zug zu Ende ist löst sich das ganz schnell auf und Ende ist. In Berlin wird und wurde an diesen Tagen immer gearbeitet und wenn man mal nicht an Fasching dachte und ganz naiv und unschuldig zum Beispiel in Köln angerufen hat, da wurde man gefragt, ob man denn nicht wisse, dass das Karneval sei und niemand arbeiten würde.

Seit gestern herrscht in den Hochburgen Ausnahmezustand. Das Fernsehprogramm wird von Sitzungen beherrscht, deren Sprache man mehr oder weniger nur versteht. Aber egal, ein bißchen kommt doch immer an.

Natürlich gibt es ausreichend Karnevalmuffel, die gab es aber immer und wer sich über karnevalistische Entstehungsgeschichte und –tradition informieren möchte, der klicke das http://de.wikipedia.org/wiki/Karneval,_Fastnacht_und_Fasching an, ohne Garantie für Korrektheit. Ich gäb‘ was drum Karneval mal wieder in meiner Heimat zu feier, auch würde ich es gerne mal in Köln erleben, aber auch den Karneval in Venedig, wenn wir schon beim Erleben wollen sind.

In diesem Sinn: Helau, Alaf, Ahoi wie auch immer. Viel Spaß beim feiern!

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