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Habt ihr Eure Pillen schon genommen? Oder einen 0800er Anruf erhalten?

Es ist so eine Sache, klaglos alt zu werden. Nicht, dass ich das bin, nein keineswegs bin ich das, aber ich bin auf dem besten Weg dorthin. Hier zwickt es mal, dort zwickt es auch mal, mit der Enkeltochter auf dem Fließenboden der Küche zu spielen, erweist sich unklug weil schmerzhaft und dem Weg, nach unten oder anschließend nach oben, fehlt jede Geschmeidigkeit. So ist das eben, wenn der Zahn der Zeit nagt. Er frisst sich eiskalt durch.


Früher, als meine Kinder noch klein waren, da war der Fußboden der Ort, an dem wir uns häufig aufgehalten haben: mit den Kindern auf dem Boden spielen, wenn sie auf dem Rücken – oder auch Bauch – herumtollten, oder einfach nur neben mir lagen und wir gespielt haben. Früher da war das alles geschmeidig und im Fluss. Und heute? Nun, ich lasse mich jetzt nicht über meine körperlich vorhandene oder fehlende Fitness aus. Ein besser könnte sie schon sein, ich gebe es zu, aber zu spät es ist ja noch lange nicht.
Oder vielleicht doch. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich komme in das „Wie geht es uns heute?“-Alter hinein. Wir kennen das alle, wenn manchmal alte Menschen mit diesem kumpelhaft-falschen „Wir“-Gehabe abgefertigt wurden und ganz sicher immer noch werden. Gleich nach dem Wir-Befinden, schließt sich die Frage an: „Haben wir heute schon unsere Tabletten genommen“. Woher soll der alte Menschen wissen, ob der oder die Jüngere seine Tabletten schon genommen hat oder nicht. Das mussten schon ordentliche Drogen sein, wenn man so spricht. Aber ein wenig beschleicht mich gerade das Gefühl, dass ich auf dem besten Weg dorthin bin.
Unser Herd war defekt und musste ausgetauscht werden und wir wohnen in Miete, hatten entsprechend dem auch Vormieter. Fakt ist, dass ein Einrahmung der Herdplatten des alten Herdes nicht mehr ordentlich saß, bzw. dass sie wann und von wem auch immer gut bearbeitet worden ist, so dass sich darunter alles Mögliche vor Putzaktionen verstecken konnte. Nun die Belehrung des Monteurs, wir hatten bereits eine Begegnung mit ihm und er geht sicher zum Lachen in den Keller, klang für mich so ähnlich wie „haben wir unsere Tabletten schon genommen?“.
Ich hätte mir ja darüber gar nicht den Kopf zerbrochen, hätte es nicht prompt eine ähnliche Situation unter anderen Begebenheiten, wenig später erneut gegeben. Ist es nun wirklich schon so, dass man mit mir und meinen Alterskollegen reden muss, wie mit einem kranken Hund? Natürlich bin ich im Verhältnis zu meinen Enkelkindern steinalt. Würden sie sich manchmal so quer ausdrücken, dann würde ich darüber lachen können. Okay, vielleicht zuerst nicht, könnte Zeit dadurch herausschinden, weil ich tun könnte, als hätte ich nicht richtig gehört. Sie dürfen das, Fremde nicht!
Um das dann allerdings auch noch abzurunden bekommen wir derzeit Anrufe, deren Vorwahl 0800 ist. Die Rufnummer 7242385 und weitere drei Ziffern, die immer andere sind. Wenn man eine Nummer sperrt, dann erfolgt der belästigende Anruf garantiert von einer anderen gleichen Nummer mit anderen drei Endnummern. Man kann machen was man will, die verstehen nicht, dass man nicht angerufen werden möchte. Heute habe ich einen Anruf entgegengenommen, man wolle eine Umfrage machen, nur drei Fragen, die ich alle falsch beantwortet habe. Dann geht es weiter und das ist dann der Kern, die drei Fragen sind so unnötig wie na ja … malt Euch das selbst aus.

 

Wie gesagt es ging weiter: Weil ich nun so toll mitgemacht hätte, würde man mir drei Geschenke zur Auswahl stellen, und ob man für diesen Fall das Telefonat mitschneiden dürfe, damit man nachvollziehen könnte, für den Fall, dass man sich vertippt habe. Wie? Wieso wollen Sie sich vertippen, wenn Sie mir drei Gewinne vorstellen? Äh … ah … damit man dem Chef … alle Argumente totaler Schwachsinn. Nachdem ich den jungen Mann mit meinen Einwänden zehn Minuten genervt habe, habe ich zugestimmt:
„Ein Geschenk ist ein Zeitungsabo, na das ist doch etwas, Frau Becker, oder?
„Ne, ich lese Zeitungen immer online.“
„Dann habe ich ein Los von ….“ Den Namen dieses Anbieters habe ich wirklich nicht verstanden, aber meine Antwort war eindeutig:
„Ach der, da bin ich schon lange Kunde!“ ohne das jemals gewesen zu sein.
„Ah ja. Dann haben wir für Ihren Hund…“
„Welchen Hund? Ich habe keinen Hund!“
„Ja dann, biete ich Ihnen preiswert einen Aufenthalt in einem Hotel in Deutschland an. Das ist doch was, oder?“
„Ne, das interessiert mich gar nicht.“
Und jetzt kommen wir langsam zu dem Punkt zu dem wir kommen wollten:
„Dürfen wir Ihre Daten einen Stromanbieter …?“
An dieser Stelle unterbreche ich ihn:
„Nein, da sind Sie zu spät, wir haben gerade gewechselt.“
Der Mann tat mir leid, aber wer sich so unendliche Mühe macht, mit immer wechselnden Endnummern mir so einen Mist aufschwätzen zu wollen, der muss damit rechnen, dass er aufläuft. Das nächste Mal werde ich meinen Gesprächspartner, oder meine Gesprächspartnerin in ein Gespräch verwickeln, mal schauen wie viel Geduld sie aufbringen werden. Das ganze Gespräch, die ganze Art, entsprach der, dass unbedingt verkauft werden soll und vor meinem Auge war ein Bild entstanden, wie der junge Mann, seine Stimme war jung, ein Bild von mir vor Augen hatte, das dem oben entsprach: „Na, wie geht es uns heute? Haben wir unsere Tabletten schon genommen?“
Ich werde wohl älter und meine Knochen knirschen recht ordentlich, aber was er eingenommen hat, bzw. was diese Leute von ihrem Arbeitgeber in den Tee bekommen, das weiß ich nicht, ich jedenfalls war hellwach und werde mir, für den Fall, dass jemals auch nur ein Verkäufer oder eine Verkäuferin erneut bis zu mir durchdringt, immer überlegen, wie ich die Leute abspeise, mit der Hoffnung, dass es irgendwann dann doch mal aufhören wird.
In diesem Sinn: Vergesst Eure Pillen nicht und: Lasst es Euch gut gehen!

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