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Kommentatoren und Moderatoren

Gestern, Spiel der deutschen Nationalmannschaft, es geht um den Gruppensieg, um die direkte Qualifikation für die Fußball-WM in Südafrika im kommenden Jahr. Wie allen bekannt ist, haben die Jungs das Spiel gewonnen, knapp ja, aber das ist wurscht. Das Spiel wurde auch kommentiert. *Gähn* kann ich da nur sagen. Zumindest empfinde ich den Kommentator, der zu den Besten gehören soll, als Schlaftablette. Tut mir unendlich leid, aber ich kann mit seinen Kommentaren nur wenig anfangen. Schätze mal das ist Ansichtssache, aber eben nicht nur meine.

Es ist nett, dass er – übertrieben ausgedrückt – weiß, dass Podolskis Großmutter weiß ich gut kochen kann und dass Podolski weiß der Kuckuck was in seiner Kindheit angestellt hat. Er mutmaßt wann die Spieler Angst haben, wann es ihnen wie geht, was in ihren Köpfen vorgeht. Woher weiß er das nur? Ich würde eher mal annehmen, dass sie so hoch konzentriert sind, dass sie an die Großmutter nicht denken, da läuft so viel Adrenalin durch ihre Adern, da ist kein Raum für Angst, in ihren Köpfe ist nur das Spiel, nicht mehr und nicht weniger.

Es interessiert mich auch nicht ob Klose gerade beim FC Bayern spielt oder nicht und ob er davor bei Werder Bremen gespielt hat oder nicht und wenn es mich wirklich interessieren würde, dann googel ich das einfach. Er mag ja ein total netter Mensch sein, der Kommentator, vielleicht ist er sehr sympathisch, wenn man ihm real begegnet, aber als Kommentator? Nein, da muss ich ihn nicht haben. Tut mir leid, aber er schafft es das spannendste Spiel zu einem langweiligen Etwas zu machen.

Ab der Hälfte der zweiten Halbzeit sind wir aus dem Ton der Übertragung des ZDF geflüchtet und haben uns einen kleinen Radio auf den Tisch gestellt und haben die Übertragung des rbb zu den Bildern des Fernsehers laufen lassen. Mann da kam plötzlich Spannung auf, da wurden Szenen vor dem deutschen Strafraum nicht mit einem monotonen „… und seine Großmutter kann …“ begleitet, sondern mit Herzblut, mit Engagement in der Stimme, dass uns der Puls mal gleich auf 180 geschnellt ist. Das war ein Fußballerlebnis, da blieb uns manchmal fast das Herz stehen.

Kommenden Mittwoch spielt die Nationalmannschaft erneut, schätze mal dieses Spiel wird in der ARD übertragen werden. Trotzdem überlegen wir nicht gleich von Anfang an den Kommentar aus dem Radio anhören sollten, auch wenn das ein klein wenig Zeitversetzt ist. Mal sehen, wahrscheinlich werden wir es tun. Bitte liebe Kommentatoren gewöhnt euch wieder ab die ganze Leidens- und Lebensgeschichten der Spieler auszubreiten und konzentriert euch mehr darauf was die Leute da unten auf dem Rasen machen, auf welcher Position sie gerade sind, welchen Effet sie dem Ball mitgegeben haben, usw. Kommentiert das Spiel und nicht die Spieler, reißt uns da draußen am Bildschirm mit, holt uns zu Hause ab und nehmt uns mit in das Spiel hinein, dann macht das wieder mehr Spaß euch zuzuhören.

Ich vermute mal, dass vor Spielbeginn die Spieler ausgesucht werden, die nach dem Spiel interviewt werden sollen, dass vor Spielbeginn auch klar ist was und wie viel es für ein solches Interview bezahlt werden wird. Warum aber muss man einem jungen Torwart, der gerade ein tolles Spiel abgeliefert hat direkt nach dem Spiel fragen, ob er nun die Nr. 1 der Torhüter sei. Das tut man nicht, außerdem muss man das den Trainer fragen und der wird sich hüten zu diesem frühen Zeitpunkt schon eine Position zu beziehen. Andere Spieler werden dann fast beiläufig gefragt, ob denn etwas an den Gerüchten dran sei, dass … Mensch kann man sich nicht mit seinen Fragen auf das Spiel konzentrieren. Ich als Spieler würde mich da nicht mehr hinstellen, wenn den Moderatoren nichts anderes einfällt als nach der Schuhgröße zu fragen, oder ob die Freundin tatsächlich ausgezogen ist, oder ob es mit dem Verein X wirklich Verhandlungen gegeben hat. Ich finde das tut man einfach nicht. Was würden all die Moderatoren mit ihren schlauen Fragen machen, wenn kein Spieler sich mehr bereit erklären würde?

Ich meine die Fernsehsender sind aufgerufen sich all das – schließlich bezahlen wir alle dafür und zwar reichlich – mal sehr genau anzuschauen, wieder in die Kommentare der Spiele und die Interviews danach Kultur hinein zu bringen. Für jeden Quatsch gibt es heutzutage eine Qualitätskontrolle, nur hier nicht. Schade.

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