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Läufer und Radler

Vor einigen Tagen habe ich bei spiegel-online gelesen, dass Achim Achilles sich Gedanken darüber macht, dass Läufer der Mode hinterher laufen. Möglich, dass er, nach einigen erfolgreichen Büchern, nun eine Modelinie herausbringen wird, so dass die Läufer stolz sein Emblem auf der schmalen Brust tragen können. Sollen sie. Das macht es deutlich einfacher seine Gefolgsleute identifizieren zu können. Man stelle sich das vor: eine Horde von Läufern in quietschorange oder ebensolchem gelb. Aber mal ehrlich das tollste Outfit gib nichts her, wenn das Gesicht dazu nicht passt.

Schon mal einen Läufer oder eine Läuferin mit entspanntem Gesicht gesehen? Ich nicht. Oder dass dieser an der Ampel stehend ein Lächeln erwidert? Ich nicht, gleich drei Mal nicht. Vor einigen Tagen, ich stand an der Ampel in Richtung zu meinem Bäcker als neben mir eine junge Frau in modisch unmöglichem Laufdress zum Stehen kam. Ich glaube Achim Achilles hätte sich schamvoll abgewandt angesichts dieses Dresses. Die Frau war jung, gute Figur, lange Haare, Läufergesicht. Da war es das Läufergesicht. Angestrengt, ausgepumpt, abgelaugt. Aber nicht nur das. Da wird man als Normalo an der Ampel angeguckt als sei man nicht ganz rund gestrickt, wenn man dasteht, vollkommen entspannt, in Erwartung eines ordentlichen Frühstücks du lächelt. Wie kann man nur? Nein, ich meine nicht das Frühstück, sondern nicht laufen und dann auch noch fröhlich sein.

Laufen. Es gibt verschiedene Arten zu laufen und irgendwann lernen wir das gegen Ende des ersten Lebensjahres oder am Anfang des zweiten Lebensjahres. Das geht nicht immer ohne Blessuren ab, weil die Sache mit der Gewichtsverlagerung nicht so ganz funktioniert. Das klappt übrigens nie, weil in dem Moment, wenn der Oberkörper schneller als der Rest wird, die Flachlandung auf der Erde vorprogrammiert ist. Der Normalmensch stürzt dann, steht auf, schüttelt sich und geht dann hocherhobenen, rotgewordenen Hauptes, den Blick nach irgendwo gerichtet von dannen. Da stand doch einfach diese doofe Platte hoch …

Manche Menschen laufen über den großen Zeh, andere watscheln mehr wobei der große Zeh eindeutig nach außen zeigt. Schwanger watscheln am Ende der Schwangerschaft immer, eben weil sie die Füße gerichtet nach außen laufen. Füße gerade und das Watscheln hört automatisch auf. Manche laufen immer schnell, als haben sie Angst an anderer Stelle etwas zu verpassen, anderen scheint es egal wann sie ankommen. Dieses Phänomen ergibt sich vor allem dann, wenn der Pulk an Menschen hinter ihnen verzweifelt versuchen den Einkaufswagen an ihnen vorbei zu schieben. Rentner in der Feierabendrushhour. Es gibt also unzählige Arten zu laufen und alle kann man absolvieren mit einem Lächeln im Gesicht.

Es gibt aber neben den Läufern noch eine andere Art Sportler, die mir mit einer Ausnahme sehr suspekt sind, auf die Ausnahme komme ich noch später. Ich kann sie nicht leiden, die Schnellradfahrer, die glauben sie sind ein Auto und die deswegen auf der halben Straße fahren. Da ändert auch das schniekenge Fahrraddresschen nichts, das Dinge zeigt, eher andeutet, die kein Mensch nicht sehen will. Hosenklammern scheinen out zu sein. Schon mal einen solchen Radfahrer lächeln gesehen? Ich nicht, die sehen genauso verkniffen aus wie Läufer der Kategorie Achim Achilles.  Nicht nur das, sie fühlen sich als die Herrn der Straße, selbst dann, wenn sie einen Radweg zur Verfügung haben.

Da gibt es aber einen Radfahrer, der fährt sicherlich häufig mit dem Rad, aber ein Mal pro Jahr, wenn ich das richtig mitbekomme, mit selbigem über die Alpen. Dafür hat er meine volle Bewunderung. Ich käme nicht mal im Ansatz eine kleine Anhöhe hoch, aber gleich einen ganzen Berg? Obwohl mehr als zu laufen, könnte ich mir schon vorstellen mit dem Rad zu fahren, aber leider, was soll ich sagen? Ich bin zum Fahrrad fahren vollkommen ungeeignet. Es ist nicht, dass nicht Fahrrad fahren kann, aber ich wäre schlichtweg ein Verkehrshindernis, habe in unserem Verkehr heute einfach zu viel Angst. Um den anderen Verkehr nicht zu gefährden ist es einfach besser, wenn ich das Rad einfach stehen lasse.

Aber dieser Mensch, den ich dafür bewundere, schwingt sich also auf sein Rad, packt das Gepäck auf, in der Hoffnung der Gepäckträger hält das aus, was er in diesem Jahr wohl nicht tat, und macht sich auf den Weg. Nein, nicht einfach so auf den Weg, es müssen schon die Alpen sein. Von unterwegs schickt er wunderschöne Bilder, die gelegentlich neidisch machen, vor allem was das Kulinarische angeht. Irgendwann dann ist er angekommen trifft sich am Zielort mit seiner Familie, wenn ich das richtig verstanden habe, um sich dann nach ein paar Tagen Urlaub wieder auf den Weg zurück zu machen. Spätestens hier, wenn ich überhaupt am Zielort angekommen wäre, glaube ich hätte ich keine Lust mehr, würde das Fahrrad auf einen Gepäckträger am Auto packen und so nach Hause fahren. Trotzdem ich das niemals machen würde, bewundere ich das. Hochachtung!

Aber egal ihr Läufer und Radfahrer, es ist anstrengend zu radeln und zu rennen, aber könnt ihr nicht auch mal lächeln, zurücklächeln, wenn ihr angelächelt werdet? Das ist kein mitleidiges Grinsen derer, die sich nicht abrackern, man schenkt euch vielleicht ja auch nur einfach mal ein Lächeln.

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