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Liebe und Geborgenheit

Heute Morgen hatte ich einen Termin beim HNO-Arzt, da frau mit zunehmendem Alter deutlich schlechter hört als der gleichaltrige Durchschnitt. Das kam plötzlich, schlagartig und wenn ich Stress habe, welchen ich durch die momentane Situation reichlich habe, da kommt das eben mal vor, dass es so ist wie es ist mit dem Hören. Eine nicht sehr schöne Begleiterscheinung ist die Beeinträchtigung meines Gleichgewichtssinnes. Aber darüber will ich gar nicht schreiben, sondern über einen Artikel, den ich im Wartezimmer in einer Frauenzeitschrift gelesen habe.

Der Artikel beschäftigte sich mit Geborgenheit. Für ein Baby ist Geborgenheit satt und sauber im Arm der Mutter zu liegen. Noch mehr, wenn der Oberkörper der Mutter, oder auch des Vaters, das will ich an der Stelle nicht unerwähnt lassen, eine Höhle bilden. Warm, kuschlig, gedämpftes Licht, leise Töne.

Wenn ein Kleinkind, schon fest auf den zwei Beinen stehend, in die Arme der Mutter oder des Vater vor der Welt flüchten kann. Diese Welt der lauten Töne, der unzähligen Eindrücke hier aussperren kann, egal wo und egal wann, ob auf dem Spielplatz oder zu Hause, das spielt überhaupt keine Rolle. Die jetzt eben nötige Geborgenheit wird gnadenlos eingefordert. Das ist gut so.

Das Schulkind ist da schon sehr viel cooler. Bloß nicht auf dem Schulweg, schon gar nicht beim „Ciao“-sagen, obwohl das schon manchmal kein schlechtes Gefühl wäre, ein wenig Geborgenheit im Gepäck dabei zu haben. Streicheln ist out, wenn jemand zuguckt. Wobei der innere Schweinehund ruft: „Hey, komm! Zier dich doch nicht so! Da sind zwei Arme von Mama oder Papa, die imemr bereit sind das Quäntchen Geborgenheit zu geben!“. Dann aber kommt Alex, der drei Reihen weiter vorne sitzt vorbei und der Bengel tut als sei er sooooo groß.

Dann erreicht Mensch Pubertät. Geborgenheit? Gefühle? Hey, Alte, spinnst du? Hast du nen Vogel? Ich häng‘ lieber mit den anderen ab.“ Und dann passiert des doch immer mal wieder, am Abend, wenn all die Abhänger brav zu Hause sind, dass gekuschelt wird. Eltern, die ihr das lest, genießt diese Zeit in der ihr eure Arme um eure Kinder schließen könnt. Vor allem achtet auf die Zeichen, wann die Kinder es brauchen.

Dann kommt der erste Freund, die erste Freundin. Tja, was soll ich sagen? Ausgekuschelt, nix mehr mit dem Gefühl Geborgenheit zu geben. Das wird dann erst mit dem ersten Liebeskummer wieder abverlangt, wenn der Typ oder die Tusse da Scheiße war. Liebe Eltern, ihr seid dann aber immer noch bereit dazu, oder?

Manchmal passiert es dann, dass unsere Eltern, zumindest die, die alle zurück bleiben uns fordern, eine ganz andere Art der Geborgenheit benötigen als die, die wir unseren Kindern gegeben haben. Oder wie bei uns meiner Schwiegermutter in ihrer Demenz Schutz und Geborgenheit braucht, ohne diese einfordern zu können, oder meine Mutter, die sich gerade ins Leben zurückkämpft dies braucht. Sie fordern es nicht und doch brauchen sie dieses Gefühl.

Um all das geben zu können, muss man fähig sein lieben zu können, bedingungslos, annehmend, gebend, denn Geborgenheit und Liebe, etwas das untrennbar miteinander verbunden ist. Liebe ohne Geborgenheit und Geborgenheit ohne Liebe, das geht einfach nicht. Nur wer liebt, der kann das Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Und so müssen wir selbst darauf achten, dass uns keins von beiden verloren geht.

Paßt auf Euch auf.

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