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Spielbericht Hertha BSC – 1860 München

Da bin dann also wieder, bin nach einem Rausch meiner Sinne wieder aufgetaucht, aus dem Meer von Eindrücken, emotionalen Momenten und der Mütze voll Schlaf. Wie alles angefangen hat, habt ihr alle lesen können, das will ich nicht wiederholen, sondern ich will einfach nur erzählen, Euch teilhaben lassen. Beginnen will ich aber nicht mit meinem VIP-Dasein für ein paar Stunden, sondern mit dem Spiel zu dem ich als Hertha-Fan getarnte 1.FCK-Anhängerin gegangen bin. Ich habe mich in Hertha-Schale geworfen, gehört sich so, wenn man dorthin eingeladen ist.

Zum Spiel, nein noch nicht zum Spiel erst zu den Fans: War bei dem Spiel gegen Dresden eine Menge Dresdner Fans anwesend, so waren es im Verhältnis dazu gestern ausnehmend wenig Fans der Löwen da. Sie waen zu bedauern, gingen sie in den Gesängen der Herthaner unter und wenn bei während des Spiels gegen Dresden, sich die beiden Fan-Blöcke fast einen Canon im Olympiastadion geleistet haben, so waren die Löwen gestern zahnlose Raubtiere. Aber ich gehe mal fast davon aus, dass es den Hertha-Fans im München nicht anders ergehen wird. Ausgleichende Gerechtigkeit.

Übrigens habe ich gestern keine Randale, keine Krawalle, keine Gewalt gesehen. Friedliche Fans, ich liebe Euch. Das, was heute dagegen in der Zeitung zu lesen ist, dass ein junger Hertha-Fan mit Down-Syndrom nach einem Spiel auf seinem Heimweg, wenn ich das richtig gelesen habe, beim vorletzten Heimspiel mißhandelt worden war, verurteile ich zutiefst. Auch wenn ich gegen jede Art von Gewalt bin, so könnte ich als Mutter, die einen behinderten Jungen hatte,  Gedanken der Eltern nachempfinden, sie mögen die Typen vor der Polizei finden. Ich werde in meinem Leben kein Verständnis mehr dafür entwickeln, wie Menschen sich an schwächeren vergreifen können, wie klein müssen diese sein, glauben sie an einer Mißhandlung wachsen zu können.

ECHTE HERTHA-FANS, ECHTE FANS ÜBERHAUPT LEHNEN JEDE ART DER GEWALT AB!

Und ich werde es immer und immer wieder wiederholen. Zurück zum Spiel: Die erste Halbzeit verlief torlos, obwohl jede Mannschaft ihr Chancen hatte, egal ob verstolpert, am Tor vorbei, an di Latte, den Pfosten. Auf jeden Fall ließ diese Halbzeit jeden Gedanken auf eine tolle zweite Halbzeit zu. Ich war skeptisch, ich gebe das sehr gerne zu, als ich hörte wen die Hertha als Trainer verpflichten wollte, dann verpflichtet hat. Ich hatte kaum etwas von diesem Mann gehört außer, dass er Augsburg in die 1. Liga geführt hat. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil, der Mann hat der Mannschaft etwas gegeben, das die Trainer davor eher nicht geschafft haben. Er muss eine unglaubliche Ausstrahlung haben, die von allen den Respekt vor seiner Person abzufordern scheint. Da unten auf dem Feld spielte eine geschlossene Mannschaft, nicht wie in der letzten Saison Einzelakteure. Einen oder zwei zu nennen wäre unfair, aber es gibt Spieler, die mehr Präsenz haben und andere, die genauso viel ackern, aber weniger ausstrahlen. Die zweite Halbzeit belegt dann die Geschlossenheit sehr deutlich und bescherte den Löwen auf diese Art ihre erste Saisonniederlage. Er fuhr mit einem 3:0 ziemlich zahnlos nach Hause. Innerhalb von zwei Minuten, in der 55. Und der 57. Minute machte die Hertha zwei Tore um dann in der 77. Minute das dritte Mal den Ball im Münchner Tor unterzubringen. Tor Nummer 1 habe ich gesehen, Tor Nr. 2 leider nicht, da war ich noch mit ausgelassenem Jubeln beschäftigt. Tor Nr. 3 hatte dann erneut meine ganze Aufmerksamkeit.

Die Leitung des Schiedsrichters, na ja, würde ich mal sagen, ein wenig Löwen-lastig, aber wenn man bedenkt, dass der Schiedsrichter beim Spiel gegen Dresden wiederum eher für die Hertha gepfiffen hat, muss man sagen, das gleicht sich immer irgendwie aus.

Wir saßen wie auch beim letzten Mal mittig. Meine Tochter wiederum war im Fan-Block, der zu Beginn der Partie erst mal vom Himmel geduscht wurde. Das regnete was das Zeug hielt und was doof war, der Regen wurde vom Wind schräg auf die Hertha-Fans in der Ostkurve zugepeitscht. Das tat mir sehr leid, aber ich saß trocken und den Hertha-Fans schien das nix auszumachen, denn sie ließen sich in ihren Gesängen nicht stören. Ich dachte ich könnte hier den einen oder anderen ext einstellen, aber leider muss ich passen, ich habe es abermals nicht verstanden, aber es klang so schön, war so toll anzusehen, wenn da ein ganzer Block auf ein scheinbar geheimes (was es nicht ist) Kommando zu hüpfen beginnt.

Nach dem Spiel sind wir nicht gleich in den VIP-Bereich geflüchtet sondern sind noch stehen geblieben, haben dem Treiben zugesehen. Ich habe gesehen, dass einige Spieler der unterlegenen Mannschaft, trotz der herben Niederlage, sich auf den Weg zu den angereisten Fans gemacht haben, um sich dort für ihre Unterstützung zu bedanken. Das mag Usus sein, trotzdem finde ich es großartig und erwähnenswert, weil ich mir gut vorstellen kann, dass es den Spielern nicht leicht gefallen sei kann, nach drei kassierten Toren das zu tun. Ich bin ehrlich, ich weiß nicht, ob ich dazu Bock hätte. Sicher würde ich es tun, aber … auf der anderen Seite, denke ich, dass die Fans es verdient haben, im Sieg wie in der Niederlage. Den gleichen Weg ins Stadionrund gingen Hertha-Spieler, geschlossen liefen sie den Rest des Stadions ab, um dann, wo anders als vor der Ostkurve den Höhepunkt zu erleben. Das muss nach einem solchen Sieg berauschend sein. Auf der anderen Seite stehen genau diese Fans ihren Spielern auch in der Niederlage bei. Sie haben es also immer verdient.

Das ist nun die Stelle an der ich nicht über das äußerst komplizierte VIP-Dasein berichten will, sondern all die vielen Helfer, Ordner, Polizisten, Menschen, die einfach da sind nennen möchte. Da ist niemand, der mürrisch ist, alle sind freundlich und hilfsbereit, die Organisation klappt wie am Schnürchen. Ich bin mir natürlich bewusst, dass das alles eingespielt ist, dass das alles schon unendlich oft durchgeführt worden ist, dennoch das ist unauffällig auffällig, dezent und doch so präsent, dass man sich bewusst ist, dass man immer jemand ansprechen kann, auf der anderen Seite aber auch immer jemand da ist, der im Notfall eingreifen kann. Für die Organisatoren bedeutet jedes Spiel neuer Streß, jedes Spiel eine neue Zerreißprobe, jedes andere Fans, jedes Spiel andere Ausgangspositionen, hinter jedem Spiel läuft ein riesiger Apparat an Leistung ab. Auch wenn die Planung Routine ist, die Menschen, die arbeiten, die Menschen, die zum Spiel kommen, die Menschen, die da miteinander zu tun haben, unterliegen Tagesformen, ihren Launen, den Launen des Wetters, der Umgebung, des Vollmondes und was weiß ich noch alles. Also obwohl viel Routine dabei ist, so ist es doch jedes Mal ein neues Wagnis, neues Risiko, neues Spiel, neues Glück.

Damit belasse ich den Bericht vom Spiel, dem Drum Herum und lasse Euch das erst mal lesen, lasse es sacken und bereite inzwischen den VIP-Bericht vor. Er kommt dann gleich und in Kürze.

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