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Der ultimative VIP-Abend

Mein Dankeschön an Frau Barknecht, an Hertha BSC für den tollen, unvergeßlichen Abend:

Langweile ich Euch schon mit meiner Hertha-Euphorie? Das ist nun aber der wirklich letzte Bericht, vorläufig, weil ich werde wieder zu Hertha gehen, aber dann als Fan vom 1.FCK, wenn das Spiel im Februar oder März, genau weiß ich das nicht, muss ich noch nachgucken im Olympiastadion stattfinden wird. So ein wenig verrückt muss Mensch sein, weil das die Momente im Leben sind, die nimmt man eine ganze Weile mit, weil sie nicht alltäglich sind, weil man sie nicht zur Gewohnheit macht. Das ist wie das gigantische Konzert damals von Herbert Grönemeyer im Olympiastadion, dessen Liedertexte ich alle nicht mitsingen kann, weil ich sie nicht kenne, ich aber immer noch Gänsehaut bekomme, wenn ich mich an die Atmosphäre im Stadion erinnere. Solche Momente gönne ich mir, manchmal aus eigenem Impuls, manchmal angestoßen wie im Fall des Spiels gegen Dresden von meiner Tochter. Ich wünsche Euch auch von Herzen solche viele Momente.

Das müssen nicht unvergeßliche Moment im Olympiastadion sein, dass kann auch der Besuch der Philharmonie sein. Aber nun geht das los. Ich bin kein wirklich gut strukturierter Mensch und wer annimmt ich sei Perfektionistin, der irrt gewaltig. Aber ist das nicht immer so, dass bei aller Planung alle Handlungen vor einem solchen Event auf ein kleines Zeitfenster zulaufen, das schlagartig und ganz plötzlich direkt, wie aus dem Nichts da ist. Man tut da noch dieses und jenes, denkt man sei gut in der Zeit und PENG! wo ist sie geblieben, diese massige Zeit von vor drei Stunden? Gut, wir mussten uns ja nicht krumm machen, wussten, dass wo wir parken konnten, hatten unsere Eintrittskarten und mussten vor allem nirgendwo anstehen. Zart und dezent, mit einem freundlichen „viel Vergnügen“ wurden wir nach der Kontrolle unserer Karten überall durchgewunken. Das fühlt sich sehr gut an. Auf der anderen Seite, ganz ehrlich bin ich mir nicht zu schade, mitten in dem Fangewühl darauf zu warten eingelassen zu werden. Diese Aufgeregtheit, diese Vorfreude auf das Spiel hatte ich hier wie da, hier übertrug sich das innerhalb der Fans noch mal, da war es ein Lebensgefühl, das ich durchaus schon kannte.

Natürlich schaut man auf dem Plan wo man hingehen muss, natürlich war ich im Vorteil, war ich zum Heimspiel gegen Dresden in der Nähe der Plätze gesessen, die wir nun auch habe sollten. Aber und nun kommt das, damals hatten waren wir keine Bändchen-Träger. Wir alle wissen das, wir alle haben das schon zig-Male im Fernsehen zu sehen bekommen, dass bei bestimmten Events, die Menschen Bändchen an den Handgelenken tragen. Wir also treppauf, treppab, ich habe heute Muskelkater, so viele Treppen bin ich ewig schon nicht mehr gelaufen, mit freundlicher Unterstützung wohl positionierter Stewards und sonstigen hilfsbereiten Menschen, alle mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht, obwohl wir sicher nicht die ersten waren, die nach dem Weg gefragt haben. Wir machten unsere Plätze aus und begehrten alsdann Eintritt in den begehrten VIP-Bereich und nein, ich habe hier keine Bilde gemacht, einfach weil ich denke, dass es genug Magazine gibt, die darüber schon berichtet haben und dass diese das besser können. Wer mal eine Führung durch das Olympiastadion machen möchte, der sollte das tun. Wir hatten das vor dem Umbau wegen der WM, kein Vergleich.

Das Begehren um Eintritt war verwehrt, aber nur so lange bis wir im Besitz der Bändchen um unsere Handgelenke waren. Teppauf, treppab, wir orientierten uns, natürlich mit freundlicher Unterstützung hilfsbereiter Menschen, in Richtung de für uns reservierten Tisches. Nun bin ich ein bescheidener Mensch und suchte nach der Nummer des Tisches, niemals hatte ich damit gerechnet, dass da mitten auf dem Tisch ein Schild steht auf dem mit großen Lettern mein Name steht. Ups… bin ich ehrlich? Ja bin ich, war schon ein wenig stolz darauf, auch wenn das Zustandekommen dieses Genußes anderen Ursprung hat, den man hier im Blog nachlesen kann und den ich hier nicht wieder aufwärmen möchte.

Wir setzten uns, orientierten uns. Essen? Ja natürlich. Nun kommen wir nicht zu Hertha um uns den Magen voll zu hauen. Das ist irgendwie nicht unser Stil und jeder kennt die Jäger des Kartoffelsalats eines kalten Buffets: Berge vom Kartoffel-Salat, neben geschichteten Bouletten, die in meiner Heimat übrigens Frikadellen heißen, nehmen Raum für die wirklichen Genüße. So nahmen wir bescheiden, ein Glas Coca Cola, ein Glas Rotwein, getrennt Kurs aufs warme Buffet. Coq aus Vin, mit Rotwein und Trauben, Fisch, Gemüse, Kartoffel-Zwiebel-Gratin, alles wunderbar, alles sehr lecker, von jedem etwas gekostet. Anregung für eigene Kochvergnügen. Die überall aufgehängten Bildschirme zeigten was draußen los war, keine Angst etwas zu verpassen. Dann sind wir rausgegangen, haben unsere Plätze im Stadion aufgesucht. Natürlich mussten wir noch einige Male aufstehen, hinsetzen, aufstehen, hinsetzen, bis auch der Letzte zu seinem Platz gefunden hat. Das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, das ist hierzulande noch sehr diszipliniert im Gegensatz zu den USA, wo man diese Art der Gymnastik während eines Basketballspiels in den ersten drei der vier Viertel laufend tut.

Dann sitze ich da, nehme alles auf was ich kriegen kann, bewusst mit all meinen Sinnen, jeder Faser meines Körpers. Ich beobachte den gegnerischen Fanblock, dann die Ostkurve, bekomme Gänsehaut, freue mich für die Hertha, dass sie so treue Fans hat, auch in der 2. Liga, die Scheiße ist, wie sie lautstark singen. Recht haben sie. Dann Pause. Rein ins Trockene, Durst, Brüllen macht trockenen Mund. Eine Cola, ein Rotwein und ich gebe es sehr gerne zu eine Currywurst. Nein, ehrlich ich bin kein wirklicher Currywurstfan, was daran liegt, dass ich nicht sehr gerne Wurst esse. Nein ich bin keine Vegetarierin, auch wenn ich heute sehr viel mehr darauf achte wo das Fleisch, das wir essen herkommt. Aber ich musste diese Wurst probieren, musste sie testen, denn ihr erinnert Euch, dass ich vor dem Spiel gegen Dresden ein Hot Dog hatte, das mi so gut schmeckte, wie lange schon kein Hot Dog mehr, allein deswegen würde ich zu einem weiteren Spiel gehen wollen. Dieses Hot Dog mit diesem Schlabberbrötchen, das war Hammer. Und was soll ich sagen? Diese Curry, wir haben sie uns geteilt, mit der Sauce dem Ketch-up war genauso Hammer. So lecker.

Dann war es so weit, dann kam sie, Frau Barknecht, die ich unbedingt treffen wollte, die mir ein paar Minuten ihrer wenigen Zeit gegeben hat. Ich glaube, das war nicht das letzte Mal, dass wir uns treffen: Zwei Frauen, Mißverständnis ausgeräumt, ich würde sagen Kommunikation funktioniert und ich habe schon mal leise meine Anwesenheit für die Begegnung gegen Kaiserslautern angemeldet. Natürlich als Fan des FCK. Danke, liebe Frau Barknecht, für diesen unvergeßlichen Abend.

Dann wieder treppauf, treppab, sag einer ich keinen Sport getrieben, vom Sitz auf und wieder nieder, zweite Halbzeit. Ich kann Euch eins sagen, die Leiden eines Fans im Stadion sind nicht mit denen derer zu vergleichen, die im Wohnzimmersessel sitzen im Bruchteil einer Sekunde entscheiden müssen, ob sie den Schiedsrichter ersetzen wollen, weil sie es besser können, oder den eben genau den Spieler ersetzen wollen, der eben die vermeintlich sichere Torchance versemmelt hat. Kann ich doch besser, vor allem die Vorlage, die wäre doch viel präziser gekommen, jahrelange Fan-Erfahrung. Das sind Leiden, zu Hause im Fernsehen, da kann ich die Zeitlupe, die tausendste Wiederholung sehen, kleinlaut zugeben, dass der Schiri Recht hatte und der Ball bei der Nässe versprungen ist. Ich hätte es nicht besser gekonnt. Ich sage Euch, ich habe gelitten.

Dann war Ende des Spiel. Wir blieben noch bis nach der Ehrenrunde der Spieler, gingen dann zurück zu unserem Tisch. Noch ein Glas Coca Cola, ein Glas Rotwein und noch ein kleines Häppchen. Liebe Frau Barknecht, eins würde ich sehr gerne noch wissen, wie heißt das Gemüse, das zu der Entenbrust gereicht wurde, die kleinen Linsen, Bohnen? Welches Gemüse war das? Das waren so lecker, das war richtig gut, ich würde es sehr gerne selbst kochen wollen.

Wir waren im VIP-Bereich und es gibt noch den VIP-VIP-Bereich, da waren wir nicht und das ist gut so, aber wer weiß, was alles so im Leben noch passiert. Die Eindrücke, die ich mit in die nächsten Tage nehme, das Erlebte von dem, wie meine Mama immer sagt, man so unglaublich lange zehren kann, das wünsche ich Euch allen mit großen und kleinen Events, öffentlichen wie privaten. Laßt es Euch gut gehen.

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