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Unter die Haut: Eindrucksvoller Tatort

Ich muss zurück zum Fernsehprogramm des Sonntag Abends gehen. Tatort aus Österreich. Sehr gut gemacht, böses Thema, das auf jede Großstadt und solche, die es werden wollen zutrifft. Angeschnitten wurden einige Problembereiche: Prostitution, Kriminalität von unter 14jährigen, Mord, Menschenhandel und alles was in diesem kriminellen Bereich dazu gehört. Grausam, brutal, mit aller Härte gezeigt. Realität? Mehr als das. Mir ging der Krimi nach, weil vor allem auch die Ohnmacht des Staates so unglaublich gut dargestellt worden war.

Krassnitzer in der Hauptrolle des Kommissars Moritz Eisner und Adele Neuhauser als Bibi Fellner müssen in einem Milieu ermitteln, das tiefer geht als Sumpf, das schwärzer ist als Dreck. Die Handlung kurz erzählt: ein Junge von 12 Jahren, der wohl die deutsche Sprache beherrscht, besprüht eine ehemalige Prostituierte, die gegen ihren Zuhälter ausgesagt hatte, mit Benzin während sie geraucht hat. An den Folgen der Verletzungen stirbt die junge Frau, die in engem Kontakt mit der Kommissarin Bibi Fellner stand, die aber das Telefonat mit dem sie um Hilfe gebeten werden sollte nicht annehmen konnte. Überwachungskameras machen den Täter rasch aus, Bilder von einer Tankstelle zeigt den Drahtzieher der Aktion, der aus dem Gefängnis entlassene Zuhälter. Am Ende wird der Zuhälter beim Versuch die Kommissarin zu töten, ausgerechnet von dem 12jährigen gespielt.

Das ist die Handlung ganz kurz zusammengefasst, ich nehme an, dass diesen Tatort so einige gesehen haben. Unter die Haut war mir gegangen mit welch ausdruckslosen Augen der Junge zugeschaut hatte wie die ehemalige Prostituierte in Flammen aufgegangen war. Das war so unglaublich ausdrucksvoll, das ging mir bis tief unter die Haut. Was mir auch zu schaffen machte ist die Tatsache, dass bei aller schriftstellerischen Freiheit das, was gezeigt wurde, ganz nah an der Wirklichkeit ist. Machen wir uns nichts vor in diesem Milieu gilt nur das eigene Gesetz für Recht und Ordnung, Gesetze, die für uns gelten, die für alle gelten sollten, haben hier keine Bedeutung mehr. Junge Frauen, Mädchen noch, werden illegal aus Oststaaten gebracht, viele folgen auch Versprechungen eines goldenen Lebens, es wird ihnen ihr Pass, ihre Identität genommen, werden zur Prostitution gezwungen, sie werden damit unter Druck gesetzt, dass ihnen gedroht wird ihrer Familie würde etwas zustoßen, wenn sie ihre Arbeit nicht machen. Sie müssen sich, ihren Körper verkaufen ohne auch nur im Ansatz von diesem Geld etwas zu sehen.

Ich frage mich, da dieses Problem überhaupt nicht in den Griff zu bekommen ist, im Gegenteil es weitet sich mehr und mehr aus, was gegen diese Art der Kriminalität unternommen wird. Die Polizei ist unterbesetzt, das LKA auch, die Behörden insgesamt sowieso. Müsste man nicht damit anfangen, dass in den Ländern, aus denen die Mädchen kommen massive Aufklärungsarbeit betrieben werden muss. Da liegt der Ursprung, denn dort haben sie kaum eine Lebensperspektive. Sie wissen aber nicht, dass diese nicht besser wird, wenn sie denjenigen folgen, die sie locken oder die sie kaufen und wenn sie fertig sind, dann werden sie einfach weggeworfen. Weggejagt im besten Fall, ins nächste Bordell weitergereicht bis sie ganz am Ende sind. Ich gestehe, ich fühle da eine unsägliche Wut in mir, anstatt auf die Jagd nach Verkehrssündern zu gehen, würde es in meinen Augen mehr Sinn machen hier mehr Personal einzusetzen, vor allem auch um das vom Ursprung aus einzudämmen, mit den betroffenen Ländern deren Töchter das sind Kampagnen auszuarbeiten, Aufklärung zu betreiben. Das ist so menschenunwürdig was da geschieht, so abartig. Dieser Tatort hat mich ziemlich beeindruckt, weil ich mir gut vorstellen kann, dass die Realität noch sehr viel schlimmer, viel trauriger, viel brutaler ist. Ausnahmsweise mal hatte das Einheitsgrau mit dem die Tatortfolgen annähernd alle aufgenommen werden, was all das Negative dieser kriminellen Szene zusätzliche eindrucksvoll unterstrichen hat.

Wer diesen Tatort nicht gesehen hat, der sollte das über die Mediathek der ARD tun, wo er sicher noch abzurufen ist. Es fällt mir gerade ein wenig schwer den Übergang zu finden Euch einen tollen Tag zu wünschen. Trotzdem den sollt ihr alle haben, denn es ist Dienstag, der beste Tag der Woche, der Tag an dem alles leicht von der Hand geht. Im Moment scheint hier die Sonne, was aber nicht so bleiben soll, aber wer sie sieht, die Sonne, der soll versuchen sie, und wenn es nur Minuten sind, zu genießen. Habt alle einen tollen Tag und: Laßt es Euch gut gehen!

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