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Wohl behütet

Vor einigen Wochen begegnete mir auf dem Weg zum Bäcker ein Mann. Das ist nichts außergewöhnliches, das passiert öfter. Dieser Mann jedoch unterschied sich deutlich von den den vielen anderen, die ich auf diesem Weg am frühen Morgen gesehen habe: er trug Hut. Kein Bascap mit Schild hinten, oder die Kapuze seines Sweats tief im Gesicht, als ginge er eben zu einem Bankraub, nein ehrlich er trug einen richtigen Hut. Einen solchen, dann Männer früher zur Begrüßung kurz angelupft haben. Wo sind all die Männer mit Hut geblieben?  Na ja die Männer gibt es noch, nur die Hüte, die sind aus dem Straßenbild vollkommen verschwunden. Heute gibt es keine Männer mehr, die im rauen Herbstwind ihrem davon rollenden Hut hinterher hechten.

Darum geht es heute, um den Hut, die Hüte. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass Mann und Frau Hut trug. Der Griff nach dem Hut war so selbstverständlich wie der Griff nach dem Haustürschlüssel. Meine beiden Großväter trugen Hut und es wäre undenkbar gewesen, ohne diesen das Haus zu verlassen. Meine Oma, ich habe nur eine der beiden möglichen kennen lernen dürfen, trug ebenfalls Hut, aber nur, wenn sie so ungefähr zwei Tage vor dem obligaten, wöchentlichen  Besuch bei ihrem Frisör war. Da ging auch Frau mit Hut und dieser blieb so lange auf dem Kopf, bis man wieder zu Hause angekommen war. Da wurde dann die Hutnadel entfernt, das gute Stück abgesetzt und damit war gut.

Ich gebe zu, ich habe auch schon mal mit dem Gedanken gespielt mir einen Hut zuzulegen, so ein nettes witziges Teil, das eher auf dem Kopf tänzelt, denn da richtig sitz. Es gab mal im KaDeWe eine tolle Hutabteilung, die sicherlich keinen Gewinn machte, sonst gäbe es sie in diesem Ausmaß noch. Da gab es Hüte davon konnte Frau nur träumen, von den Preisen aber auch. Ich hatte mal als junge Frau einen sommerlichen Strohhut mit Blümchen und weiß der Kuckuck noch was, aber die Tatsache, dass ich diesen im Restaurant auch tragen müsste, na ja das hat mir das schon ein klein wenig vergällt, dieser Gedanke war mir äußerst lästig. Auf der anderen Seite hätte ich ihn getragen und dann abgesetzt meine Frisur hätte dann irgendwie gedatscht ausgesehen. Also habe ich einen Nagel in die Wand geschlagen und ihn daran aufgehängt.

Ich finde ja man muss mit einem Hutkopf geboren sein, um einen solchen tragen zu können. Das natürlich impliziert, dass alle gekrönten Häupter, zwangsläufig einen haben müssen,  scheint genetisch bedingt, die tragen ja immer einen.  Oder aber der Kopf passt sich irgendwann, sofern man in die Sippe einheiratet, an. Wir werden sehen, wie sich das bei der nahenden Einheirat einer Bürgerlichen, die wahrscheinlich mit Hut genauso wenig am Hut hat, wie mit unsinnigen Zeremonien, entwickeln wird, aber das ist ein vollkommen anderes Thema. Die Bilder der jungen Frau mit offenen Haaren werden ganz sicher zur Seltenheit werden.

Königshäuser mitsamt der sie umgebenden Aristokratie sind die wohl noch die einzigen treuen Kunden des Hutmachers. Ausnahme scheint mir ist das Pferderennen in Ascot, da drängen sich auch solche mit Hut ins Bild, die nicht von und mit Adel sind. Was die Hutmacher sich nicht alles einfallen lassen, wenn es um das traditionelle Pferderennen geht, lässt vermuten, dass sämtliche Spiegel zuvor verhängt werden, um jeden Zweifel zu unterbinden, dass das bescheuert aussehen könnte. Dass manchmal weniger mehr wäre und man allein schon deswegen auffallen würde, kommt den Damen der feinen Gesellschaft nicht in den Sinn. Ich würde das schon mal gerne aus der Nähe betrachten. Aber nein, das lass ich dann doch lieber sein, weil ich dann vielleicht einen Lachkrampf bekommen könnte. Vielleicht würde  man mich sogar ohne Hut gar nicht hineinlassen.

Zurück zum normalen Hut. Ein Hut, eifrig getragen, was, je nach Pflege des Kopfes, nicht immer ein Vergnügen sein muss, der muss unglaubliche Geschichten erzählen können. Er sieht aus anderer Perspektive, fast schwebend, auf das Geschehen hinunter, wenn sein Träger nicht gerade zur Gattung „kleiner Mensch“ gehört. Nicht nur das. Er könnte alles ausplaudern, wo sein Träger gewesen war und ob das, was er gerade erzählt, oder womit er eben prahlt, den Tatsachen entspricht. Wie peinlich wäre das, wenn sein Besitzer seinem Freund erzählt wie toll die Nacht mit Lola gewesen war und dass … gerade bei der Stelle der Hut dann schreit: „Hey Alter prahl doch nicht so, zu Hause auf der Couch biste gewesen, von Lola weit und breit keine Spur!“ Schon peinlich, oder? Oder bei Frauen, die schicke Gisela, Juwelen an Händen und Hals, dass sie nah am Übergewicht läuft, säuselt ihrer Freundin von der tollen Figur ihres letzten Lovers vor, Waschbrettbauch und durchtrainiert. Als seine Hände, wie die ihren Körper … erklärt der nette Topf auf ihrem Kopf: „Ne ne Alte, lass mal gut sein, das war der fette Karl und dem hängt der Bauch längst schon über der Hose. Oder wenn so ein Hut über Seitensprünge erzählen würde, der würde wohl nie damit fertig werden.

Ich werde demnächst irgendwann,  ist noch einige Wochen hin, ein Polospiel besuchen. Irgendwie juckt mich das in meinen Fingern zu gucken, ob  mir nicht günstig die passende Kopfbekleidung in die Finger fällt. Wenn dem so wäre, dann werde ich mit Sicherheit darüber berichten. Überlegt mal, denkt mal darüber nach, ob Hut nicht etwas für Euch wäre. Mann mit Hut, nicht schlecht…

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