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Zwischen Fitzek, Jana Herbst und Karen Rose – Frankfurter Buchmesse

Die Buchmesse ist vorbei. Das erste Mal war ich da, ihr habt es gelesen, mein Kind hat dort gelesen, zwischen Fitzek und Karen Rose. Messen sind immer ganz besondere Veranstaltungen, noch mehr, wenn ihre Tore auch für Otto Normalverbraucher geöffnet hat. Es reicht da schon sich an einen Hauptverkehrsknotenpunkt zu setzen und zuzuschauen. Einfach mal inne halten, Buch Buch sein lassen und die „Nichtfachbesucher“ beobachten. Zu den Büchern werde ich noch kommen, denn ich werde etwas mehr Gewicht auf Rezensionen legen wollen, aber nicht in diesem Blog, aber dazu später, wenn alles vorbereitet ist mehr.


Ich liebe es in Menschenmassen zu baden, mitten drin im Fluss mit ihnen zu sein, aber dann auch einen Ort zu finden, der mir Raum gibt Menschen zu beobachten. Zugegeben nicht immer fällt mein Urteil positiv aus und nicht immer ist es gerecht und auf keinen Fall ist es objektiv, es ist subjektiv und böse. Ich fange bei den Alten an, von denen ich so weit gar nicht weg bin und deswegen auch darüber schreiben und lästern kann. Vergessen wir nicht, es gibt Menschen mit 90 Jahren, die deutlich jünger als andere mit 83 Jahren sind. Ich frage mich allen Ernstes und das tue ich immer wieder, jedes Mal, wenn ich auf derlei Veranstaltungen gehe: Was zur Hölle tut ein Mensch im biblischen Alter von jenseits Achtzig, die dann auch wirklich so alt sind, auf einer solchen Messe? Natürlich haben sie das Recht über jede Messe dieser Welt zu gehen. Das ist nicht die Frage und das sollen sie auch tun, aber warum zu Hölle müssen Erna, wirkliche 83 Jahre alt und Erwin wirkliche 86 Jahre alt, nicht nur über die Messe gehen, sondern auch noch Taschen mit ?, ja mit was eigentlich, mit sich herumschleppen, deren Gewicht ich mir nicht antun würde? Nein, das war nicht am Sonntag wo Jedermann kaufen konnte, nein, das war am Samstag wo es noch keinen Verkauf gab. Was haben sie in ihren Taschen, die von Meter zu Meter, von Stand zu Stand schwerer werden? Was schleppen sie, regelrecht unter Einsatz ihres Lebens aus der Messe heraus? Aber wehe wenn sie entdecken, dass es schlauer ist mit dem Kartoffelporsche über Messen zu gehen, oder wie so viele mit einem Bordcase, das als beliebtes Begleitgepäck und Transportmittel dient.
Wie viele Schlüsselbänder braucht eigentlich ein Mensch und wie viele Tanten und Onkel und Verwandten hat der Mensch, die alle mit einem solchen versorgt werden müssen, es aber nie erhalten? Ich nutzte die Gelegenheit, als ich mich etwas abseits ausgeruht habe, zu beobachten wie das so läuft. Ich saß bei Droemer Knaur rum, eine sehr nette Mitarbeiterin des Verlages öffnete eine frische Tüte mit Schlüsselbändern. Allein das Geräusch der Tüte während des Öffnens erregte das Interesse der scheinbar achtlos Vorbeigehenden, mehr noch es versetzte sie in absolute Alarmbereitschaft und zügelloses Entzücken. Die Mitarbeiterin schüttete den Inhalt der Tüte auf einen Bistrotisch und legte zwei Stapel mit Notizblöckchen in Herzform daneben. Es ist nicht zu glauben, wie viele Vorbeieilende fortan, ihre begonnene Route verließen, eine kleine Schleife gehend, den kleinen Berg an Bändern und Blöcken auf dem kleinen Tisch mit fixierendem Blick im Auge, sodann und umgehend straight ahead anliefen. Dabei versuchten sie den Vordermann, von hinten, über dessen Genick, so zu hypnotisieren, dass dieser sich nicht daran bedienen möge und hinderten gleichzeitig, durch geschicktes Hakenschlagen, den Hintermann daran zu überholen. Sodann, sie hatten den Tisch unter Einsatz ihres Lebens unverletzt erreicht, griffen sie zu: nicht ein Schlüsselband und ein Block pro Person, sondern eine Handvoll Bänder und einen Stapel Blöcke verschwanden in Taschen, die sie bereits an anderen Ständen ergattert und auf dem Weg zu Droemer Knaur befüllt hatten. Hand aufs Herz, ich würde mich das nie trauen und wer trägt schon mehr als ein Schlüsselband am Hals? Wer tut das schon? Und nein, weder Tante Erna, noch Onkel Kurt, für die sie in Gedanken eingepackt haben, würde je ein solches Band geschenkt bekommen. Diese können, wenn überhaupt dann dieses neidvoll bewundern, wenn es anstatt einer Halskette am Hals derjenigen baumelt, die es ergattert hat. Okay, diese Werbegeschenke sind im Budget eines jeden Unternehmens eingeplant, aber für die Nehmer sollte gelten: Weniger ist manchmal mehr.
So ist er eben, der Mensch. Ist er wirklich so? Sind das die Ausnahmen? Oder machen Messen hemmungslos? Macht Angebot hemmungslos? Keine Ahnung. Amüsant ist es allemal.
Ich habe in diesem Jahr die Messe wegen eigener Termine besucht. Dann aber, nachdem ich meine Termine erledigt hatte, kam die Planänderung, denn inzwischen wusste ich, dass zu meinen Lebensereignissen ein absolutes Highlight dazu kommen würde: Meine Tochter würde lesen, ich habe einen Artikel davor darüber geschrieben: Jana Herbst, eingebettet zwischen Sebastian Fitzek und Karen Rose, ich sage mal als Highlight schlechthin, sozusagen, aus meiner Sicht auf jeden Fall. Ich darf als Bloggerin das scherzhaft so schreiben und nein, das war nicht ernst gemeint, denn Jana Herbst ist eine Newcomerin, aber eine, die es kann und die der Verlag scheinbar gerne hegen und pflegen möchte. Das klang so ein klein wenig in den Worten der Ansage für sie mit. Ich bin überzeugt davon, dass sie das schaffen wird, ihr solltet Euch ihren Namen jetzt schon mal merken: Jana Herbst, ihr Debut erscheint am 4. November. Auf ihre Lesung gehe ich gleich noch ein, zwischen Fitzek und Karen Rose.
LesungFitzekZuerst möchte ich noch über Sebastian Fitzek schreiben. Er ist ein Profi im Lesen, kann das Publikum einbinden und dann dort einfach weiterlesen, als hätte diese Kommunikation zwischen ihm und seinen Zuhörern nie stattgefunden. Das kann ich aber auch von ihm erwarten. Ich habe nicht diese Erfahrung zu lesen, aber ich habe auch vor Publikum Lesungen gehalten und weiß, dass das gut funktionieren kann. Ich binde immer meine Zuhörer ein und fahre dann dort fort, wo ich zuvor aufgehört habe zu lesen. Er hat eine angenehme Stimme und ich muss zugeben, ich kann, nachdem ich ihn live gesehen habe, durchaus verstehen, dass seine weibliche Leserschaft so groß ist. Ach ja und ich habe mir ein Buch gekauft, das erste, das ich von ihm hatte, hatte ich abgebrochen und weitergegeben. Jetzt habe ich „Therapie“ gekauft, werde mich durchbeißen und darüber schreiben. Ein älteres Buch schon, aber ich halte es grundsätzlich für einen Fehler sich immer nur auf Neuerscheinungen zu stürzen. Ich sehe nicht ein, weshalb auch nicht mal ältere Werke lesen und darüber schreiben soll. Ich werde es lesen und dann an anderer Stelle darüber schreiben. Ich habe keine Ahnung wie oft der gute Mann vor seiner 10-Minuten-Lesung sein Buch signiert hat und wie lange danach, auf jeden Fall hatte der Verlag den Wartenden etwas zu trinken spendiert, was eine nette Geste gewesen war. Ich selbst stand nicht in der Warteschlange und gebe zu, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie wegen eines Autogramms irgendwo angestanden habe, oder gar eins abverlangt habe, ich besitze kein Autogramm, von niemandem – bis gestern, irgendwann gibt es immer ein erste Mal, aber nicht von Sebastian Fitzek von dem ich aber sehr gerne eine Lesung besuchen würde.
Nach Sebstian Fitzek hieß es warten. Darauf warten, dass Jana Herbst las. Meine Tochter Jana Herbst. Wow! Oder, Jana, soll ich besser Wam! sagen? Ich hatte einen guten Platz ergattert und es machte mir auch Spaß den Autoren, die noch vor ihr gelesen haben, zuzuhören. Dann kam sie, meine Tochter, ihr merkt schon, dass ich sehr stolz bin. Ich wollte jedes Wort aufsaugen, alles in mir festhalten, aber wie das so ist, nur um ja nie wieder etwas davon zu vergessen, habe ich sicherheitshalber alles mit einem dieser kleinen, modernen Fotoapparat gefilmt. Wirklich nur zur Sicherheit und ich bin ganz froh darüber, dass das geklappt hat. Sie wurde angekündigt und begann: Wam! Wenn ich könnte, dann würde ich das jetzt so im Comicstil schreiben oder besser noch das Wort WAM im besten Sprayerstil. Es kann passieren, dass man die Macht eines Mikrofones unterschätzet, wie geschehen, denn das WAM kam wie ein Paukenschlag, aber es zeugt von hoher Professionalität das gleich für sich nutzen zu können, die Aufmerksamkeit der umstehenden Menschen und derjenigen, die eigentlich vorbeilaufen wollten, gehörte ihr! Sie hat es toll gemacht und ich durfte dieses erste Mal für die Ewigkeit eingefangen. Zehn Minuten waren es leider nur, denn ich hätte noch sehr viel länger zuhören mögen. Zehn Minuten, viel zu schnell vorbei. relaxed1Ich wusste gar nicht wohin mit all meinem Stolz! Das Bild war nach der Lesung entstanden, Jana wirkt deutlich relaxed!
Wir gönnten uns dann auf diesen Erfolg eine Tasse Kaffee, um dann Karen Rose, die in englischer Sprache las, zu lauschen. Sie gehört seit langen Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen und ich habe mir nunmehr vorgenommen, das eine oder andere Buch auch mal in englischer Sprache zu lesen, schaden kann es jedenfalls nicht. Ich hatte eine bestimmte Vorstellung von der Autorin und im Nachhinein weiß ich ganz dunkel, dass ich sie im Internet mal gesehen habe. Egal. So lange mir das Buch einer Autorin oder eines Autors gefällt, ist mir egal wie sie aussehen, ob sie groß oder klein sind und ich muss auch nichts über ihr Privatleben wissen, da denke ich immer, dass das niemanden etwas angeht. Privatsphäre ist und bleibt Privatsphäre und auch das Internet darf daran nichts ändern und Erfolg auch nicht. Die Frau ist nicht gerade groß, ist nicht gerade dünn, aber sie hat eine unglaubliche, sympathische Ausstrahlung und ja ich habe mir mein Buch, das ich auf der Messe gekauft habe von ihr signieren lassen und ja wir, Jana Herbst und ich wurden mit ihr zusammen fotografiert und hier eins der Bilder, und ja ich habe mich mal auf dem Bild eliminiert:  https://www.facebook.com/janaherbst.autorin/posts/906882132681955?ref=notif¬if_t=story_reshar  Wir hatten noch einen netten Talk, was die immer noch Wartenden ein wenig Unmut erzeugt hat. Sorry, Leute, das nächste Mal, sie fand die Idee gut, dass es ein solches gibt, werden wir mit dann ihr Kaffee trinken, dann wird es auch keinen Stau wegen uns mehr geben. Tolle Frau, nicht abgehoben, keine, wie bei Sebastian Fitzek, räumliche Distanz zu den Lesern.

 

Das war für uns, meine Tochter und mich, das Ende der Buchmesse, wir sind danach gegangen. Bevor ich ganz zum Ende meines Artikels über die Buchmesse komme, einen Dank noch an meine Freunde Eleonore und Hermann Schade, bei denen wir übernachten durften und von denen wir liebevoll und aufmerksam umsorgt worden sind. Danke.
Aufarbeiten ist angesagt, ein paar Änderungen werde ich vornehmen und ich werde mehr über die Bücher, die ich lese, schreiben, dabei ist mir egal, ob diese auch schon mal ein wenig älter sind. Einmal mehr habe ich erfahren, dass Messen wunderbare Orte sind, um Menschen zu beobachten: solche, die wichtig sind, solche, die glauben wichtig zu sein, solche, die berühmt sind, solche, die glauben, dass sie berühmt sind und vor allem aber Otto Normalverbraucher, wollen wir ihn nicht vergessen, denn jeder Autoren lebt von ihm und seiner Frau Erna Normalverbraucher, denn, wenn es sie nicht gäbe, dann gäbe es kein Wichtig sein und kein Berühmt sein, egal in welcher Branche. Auf dem Weg nach oben kommt jeder an vielen Ottos und Ernas vorbei, bleibt stehen, gebt ihnen die Hand, denn auf dem Weg abwärts kommt ihr wieder an ihnen vorbei, werdet darüber froh sein, wenn ihr dann noch einen findet, der euch dann die Hand gibt. So manch einer mag das vergessen, weil es für ihn keinen Weg mehr nach unten zu geben scheint.
Ich wünsche allen eine gute Woche, startet voll durch und: Laßt es Euch gut gehen!

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