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4:4 und Urlaubserinnerungen

Ich habe gehört die Nationalmannschaft hat ein 4:4 gegen Schweden nach einem 4:0 abgeliefert. Ich habe das Spiel nicht gesehen, ja das soll vorkommen, stattdessen habe ich mit Freunden einen tollen Abend verbracht. War die nettere Idee wie mir scheint. Das war toll, vor allem auch, wenn es dann um Urlaubserinnerungen von früher geht, wenn man schwelgen kann wie schön das damals gewesen war. Es ist heute auch noch schön, aber es ist eben anders, älter, reifer, nicht mehr so ausgelassen und auf Teufel komm raus.

Urlaubserinnerungen mit dem selbstgebauten ersten Wohnwagen meiner Eltern, mit fünf Schlafplätzen, einer war auf einer Luftmatratze auf dem Fußboden. Ich lag da, als Nesthäkchen und somit deutlich kleinste der Familie war ich geradezu prädestiniert diesen Platz einzunehmen. Das war halt so, ich fand das toll, weil es überhaupt toll war mit meinen Eltern und Geschwistern in Urlaub zu fahren. Gleich in der ersten Nacht habe ich meiner Mutter den Schock ihres Lebens verpasst, weil ich nicht mehr da lag als sie, warum auch immer nach mir schaute. Ich war weg, einfach weg. Ein genauer Blick offenbarte, dass ich mich unter den Tisch gewurschtelt hatte, auf dem meine Eltern schliefen: Am Tage war das Tisch und während der Nacht schliefen meine Eltern darauf, die Rückenpolster dienten dann als Liegepolster, so entstand unter dem Tisch eine Höhle in der ich verschwand. Diesen Weg allerdings versperrten mir meine Eltern ab sodann, weil sie Angst hatten, dass sie mich erdrücken könnten, wenn die Tischplatte sie nicht aushalten würde. Weil das alles Neuland für sie gewesen war.

Hier kann man ein bißchen von dem selbstgebauten Wohnwagen sehen, die Liegen davor, waren zusätzlich, das ist schon ein wenig später. Die Betten meiner Geschwister, im Wohnwagen waren sie übereinander, übrigens dienten während des Tages als Sonnenliegen. So gesehen war der Wohnwagen durchdacht. Toilettenraum hatte er keinen, man musste schnell auf den Beinen sein, denn so ein Weg zum Wasch- und Toilettenhaus konnte ziemlich lang werden. Auf so einem Platz waren immer Karawanen unterwegs: morgens zum allmorgendlichen Toiletten- und Waschritual, mittags weniger Menschen, da reichte es sich abzuduschen und am Abend dann stand man Schlange und sofern man die französische oder spanische konnte entwickelte sich durchaus das eine oder andere Gespräch und im allergrößten Glücksfall hatte man deutsche Nachbarn auf dem Campingplatz, was während der ersten Jahre rar, in den späteren obligat gewesen war. Das waren am Anfang noch tolle Campingplätze, wild verwegen, keine Einteilung in Parzellen, ein staubiger Weg der durch ein kleines Tunnel unterhalb der Eisenbahn führte, Sandstrand, Meer, Weite, Unendlichkeit.

Mit den Urlauben in südlichen Ländern war aber auch das Kennenlernen südländischer Gerichte verbunden. Da war nix mit Frankfurter Würstchen, Wiener Schnitzel und ähnlichem Ungemach, das später Besitz von allen Urlaubsgebieten nahm. Das war auf dem Markt einkaufen, das was es gab, das was man nicht kannte: Fischsorten, Schalentiere aller Art. Geguckt wie die Franzosen auf dem Nachbargelände das gegessen haben und dann ausprobiert. Oder in den Supermärkten, da wurde das gekauft, was angeboten wurde und dann wurde ausprobiert, wir probierten alle das, was auf dem Tisch stand. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass man ein Essen richtig schief gegangen ist, da kam immer Essbares raus. Essen gehen mit drei Kindern selbst damals nur einmal pro Woche möglich und dann gab es das, was auf der Karte stand: Paella, Salat, viel mehr gab der Geldbeutel nicht her. Ausflüge in die Umgebung des Campingplatzes standen auch während des Urlaubes an, auch wenn es für uns Kinder manchmal stinklangweilig gewesen war, da mussten wir durch und das war gut so. Aber es war toll, das war ein Erlebnis, das war es.  Auf dem Bild unten sind wir am Hafen als die Fischer ankamen. Wir, meine Schwester und ich sind unschwer zu erkennen.

So ist das und während wir in all dem schwelgten gab es für die deutsche Nationalmannschaft „nur“ ein 4:4. Nur? Nach einem 4:0 ein 4:4 hinnehmen zu müssen ist schon hart, aber zeigt das wirklich, dass die Jungs Probleme haben sich zu sortieren, wenn es plötzlich  nicht mehr läuft? Wäre es umgekehrt, dass sie zuerst 4 Tore bekommen hätten und hätten dann das Spiel gedreht, dann wären sie heute wahrscheinlich die Helden, nun sind es die Schweden. Ich möchte einfach davor warnen nun alles und jeden in Frage zu stellen. Sie werden das schon stemmen und reifen, so dass ihnen das so nicht wieder passiert. Früher waren die Deutschen es durchaus gegen starke Gegner gewohnt, von einem Rückstand aus ein Spiel zu drehen, heute eher nicht. Vielleicht ein gutes Spiel im Hinblick auf das Turnier in Brasilien 2014. Es ist noch lange bis dorthin.

Es verspricht ein schöner Herbsttag zu werden. Vielleicht bleibt Zeit für einen Spaziergang heute Mittag, oder noch einen letzten Cappuccino in der Herbstsonne, deren Strahlen an Intensität und Kraft nun langsam verlieren. Ein toller Tag um die Seele baumeln zu lassen: Laßt es Euch gut gehen.

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