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Ein Flugzeug ist gestern abgestürzt. Diese Maschine gehörte zu der Lufthansatochter Germanwings. Ich denke jeder, der jemals mit Germanwings geflogen ist, der wird froh sein, dass es ihn nicht erwischt hat, jeder, der in dieser Zeit mit dieser Fluglinie fliegen möchte, wird ein mulmiges Gefühl haben. Unser aller Mitgefühl gehört den Angehörigen, den Freunden, Kollegen, der Schule in Haltern am See, die sechzehn ihrer Schüler und zwei Lehrer auf einen Schlag verloren haben. Nicht zu vergessen die Crew, die an Bord gewesen war. Ein Leben ist ein Wimperschlag, ein Sandkorn in der großen Sanduhr dieser Welt.

Betroffenheit überall. Manche aber, nutzen dies, um ihren Unmut darüber zu äußern, dass Politiker vor Ort sind. Dass bei einem solchen Unglück Politiker, in Funktionen wie der des Außenministers und des Verkehrsministers, sich auf den Weg machen, um sich ein persönliches Bild zu verschaffen, das ist, denke ich, durchaus angebracht. Dass der Bundespräsident seinen Staatsbesuch in Peru abbricht und nach Deutschland zurück fliegt, das mag jeder nach seiner eigenen Stellung zu der Person, die dieses Amt trägt bewerten, dass die Bundeskanzlerin alle Termine absagt, um sich dort ein Bild zu verschaffen, um Angehörigen ihr Mitgefühl auszudrücken, das erwartet jeder. Dass die Landeschefin von NRW, Hannelore Kraft mit der Kanzlerin mitfliegen wird, auch das ist in Ordnung und wird angesichts der Tatsache, dass die Schule, die schwer getroffen wurde in ihrem Bundesland liegt. Dass der eine oder andere Politiker sich öffentlichkeitswirksam präsentieren möchte, auch dann, wenn er per Funktion gar nichts damit zu tun hat, das mag daneben sein, aber auch sie muss es in einem normalen Alltag geben. Dass Journalisten vor Ort sind und berichten ist okay, dass es so viele sind, darüber muss man möglicherweise nachdenken. Weniger wäre manchmal mehr.

Ich möchte nicht mit einem dieser Politiker, die dorthin unterwegs sind, die bereits dort sind, oder dort gewesen sind, tauschen. Nicht wirklich. Denn es endet nicht damit, dass sie wieder abfliegen, sondern sie werden sich auch den Familien stellen, die Angehörige bei diesem Unglück verloren haben. Das gleich heute noch und unter dem Eindruck des Unglücksorts, da inzwischen Angehörige dort eingetroffen sind. Kein leichter Job. Ob da nun der eine oder andere Politiker bei der nächsten Wahl, die eine oder andere Stimme deswegen mehr bekommen könnte, ich glaube darauf könnten alle verzichten. Das wird sowieso keine Rolle spielen, weil die nächste Wahl noch weit entfernt ist. Deshalb kann ich jene nicht verstehen, die jedem Politiker, weil er Politiker ist und per se deshalb schon schlecht ist, unterstellen, dass sie ihre Präsenz nur aus Gründen des Stimmenfangs an solchen Orten verstärken, wo der Schmerz und die Trauer am größten ist. Das ist nicht nur verwerflich, sondern kein Stil, der ein Journalist sein eigenen nennen sollte, letztendlich ist auch diese Berufsgruppe selbst sehr stark vertreten, wobei man sehr wahrscheinlich auf den einen oder anderen dort vor Ort gut verzichten kann.

Klar, ich gehe wählen, immer, das kann man von jedem mündigen Bürger unseres Landes verlangen. Ich gehöre keiner Partei an und wähle stets danach, wovon ich annehme, dass das während der nächsten Legislaturperiode das kleinste Übel ist. Natürlich frage mich gelegentlich, was der eine oder andere Politiker, den ich gewählt habe oder nicht, an Schrott produziert, was er denkt und tut und ob er überhaupt denkt und, außer Lobbyismus, irgendetwas tut. Wir haben allen Grund unseren Politikern auf die Finger zu schauen und wir alle haben allen Grund auch aufzustehen und laut zu werden, wenn etwas nicht mehr geht. Ich frage mich oft, wie weit Fraktionszwang gehen darf, wenn es um Entscheidungen geht, wie bei dem Thema der Euthanasie, wo es im Grunde keine Frage gibt, wie hier entschieden sein muss. Auch, wenn man sehr gläubig ist und gotteinvernehmlich entscheiden will, kann man nicht anders als dem zuzustimmen, weil jeder, der dagegen stimmt künftig auch keine Kopfschmerztablette mehr nehmen darf, weil auch Kopfschmerzen Gott gegeben sein können. Als Bürger dieses Landes kann ich erwarten, dass sein Vertreter sich bei einem solchen Unglücksfall kümmern, dass sie sich vor Ort ein Bild machen und das können dürfen und zwar ohne, dass ihnen unterstellt wird, dies aus reiner Profilierungssucht zu tun. Vielleicht sollte man als kritischer Mensch auch mal darauf verzichten, solcherlei Gedanken Worte zu geben, die geschrieben oder gesprochen werden. Auch Politiker sind Menschen, die Gefühle haben, ob uns das gefällt oder nicht.

Nehmen wir alle, ohne Wenn und Aber, Anteil an der Trauer der Angehörigen, Freunde und Kollegen, gehen wir mit ihnen diesen Weg der Trauer, auch, wenn dies nur virtuell möglich ist. Dieses Unglück zeigt uns einmal mehr wie wertvoll Leben ist, wie schnell zu Ende sein kann, was nicht zu Ende sein darf. Auch wenn es heute nicht ganz einfach ist, aber versucht es trotzdem: Laßt es Euch gut gehen!

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