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Artikel 3, Abs 2

Wieder kann man lesen, dass Frauen für gleiche Arbeit weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen. Dieses Mal sind es die Professorinnen, die im Schnitt 650 Euro p.M. weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Mal ehrlich Mädels hängt Euch das nicht zum Hals heraus? Was soll das? Wir sind immer die Blöden und wenn wir uns dann dagegen wehren sind wir Feministinnen à la Alice Schwarzer. Herrgott, wir sind nun mal Frauen und blöderweise müssen wir immer noch für unsere Rechte kämpfen.


Ich kann mich noch gut an die ersten Gleichberechtigungsdiskussionen erinnern, als es dann von den Männern hieß „Aber die Autotür sollen wir Euch immer noch öffnen!“. Damals waren die Frauen, die sich scheiden ließen gelackmeiert. Das war ein gesellschaftliches no go. Da mussten Frauen ihren Männern den Seitensprung, oder dass sie geschlagen wurden, nachweisen und selbst dann waren sie finanziell am Ende. Ein Bankkonto eröffnen ging nur mit der Unterschrift des Mannes, mal abgesehen davon konnte ein Mann den Job seiner Frau kündigen. Na ja ein paar wenige Schritte weiter scheinen wir schon zu sein. Aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass wir von der wirklichen Gelichberechtigung noch meilenweit entfernt sind.

 

Da fällt mir meine Schwiegermutter ein, die immer sagte, eine Frau, die keine geheime „Dubbeskasse“ hat, ist keine Frau. Das Wort „geheim“ ist das Schlüsselwort. Heute bekommt das eine gewisse Bedeutung. Wie stolz war sie, als sie ihre Rente für die fünf oder sechs Jahre bekam, die sie geklebt und ein Kind bekommen und großgezogen hatte. Diese wurde ihr auf ihr eigenes Konto überwiesen. Sie war zu Hause geblieben, weil mein Schwiegervater nicht wollte, dass sie arbeitet. Was ist das Ende? Das ist heute noch so, daran hat sich nichts geändert: Sie hatten ein gemeinsames Einkommen, wurden gemeinsam veranlagt, er bekam seine Rente, sie eine ganz kleine und als er starb bekam sie 60% seiner Rente und das kann mir bitte niemand erklären. Die Miete blieb gleich hoch, der Kühlschrank lief weiter, die Wachmaschine auch. Niemand kann vorrechnen, dass durch den Tod ihres Mannes 40% weniger Kosten entstanden waren. Heute bekommt eine Witwe, wenn ich die Zahl richtig im Kopf hatte lediglich 48% Witwenrente, wenn man sich vor seinem Tod scheiden lässt bekommt man die Hälfte, muss aber auch die Hälfte abgeben. Das klingt blöd, aber das muss man durchrechnen.

 

Auch das ein Schlag ins Gesicht der Gelichberechtigung, vor allem dann, wenn sie nicht arbeiten gehen konnte oder durfte. Das ist meine Generation, die in den Anfängen der „Emanzipation“ lebten. Ich weiß, das Rententhema ist ein sehr schwieriges und die Jungen stöhnen auf, wenn sie an ihre Rentenzeit denken, aber sorry, auch wenn ich mir nun eine Menge Feinde schaffe, wir sind nun mal die jetzige Rentengeneration und wir haben jetzt und heute ein Anrecht darauf vernünftige Renten zu bekommen und dieses Ungleichheit muss ein Ende haben. Die Altersarmut für Witwen wäre deutlich geringer, wenn sie keinen so hohen Abschlag hätten, wenn dann höchstens 10 %. Umgekehrt, wenn er sie überlebt, hat er es besser. Er behält seine Rente und bekommt – auch mit Abschlag – eine Witwerrente, die genauso berechnet wird. Allerdings gibt es auch hier Abschläge, wenn seine Rente sehr hoch ist.

 

Als Frauen dann auf die Idee kamen zu arbeiten, wenn die Kinder groß genug waren, dann bekamen sie einen Job mit eher einem geringfügigen Einkommen, das keine Auswirkung auf ihre Rente hatte. Niemand braucht anzunehmen, dass Männer das so einfach hingenommen haben. Das war im Westen der Bundesrepublik einer häuslichen Palastrevolte gleich, während das im Osten normal war und wenn man sich die Renten anschaut, dann bekommen Frauen im Ostteil des Landes mehr Rente als Frauen im Westteil, eben weil sie arbeiten gehen konnten. Ich möchte hier auch daran erinnern, dass meine Kinder erst im Alter von drei Jahren in den Kindergarten gehen konnten unter der Voraussetzung, dass sie keine Windel mehr brauchten und unter Mittag waren die meisten Kitas geschlossen. Das ging von früh bis 12 Uhr und von 14 – 16 Uhr. Das war im Westen so, nicht im Osten und man darf das alles nicht vergessen. Heute dürfen die Kinder mit Windeln in die Kita gehen und können, so lange ihre Mütter arbeiten, bleiben.

 

Aber gehen wir mal zurück zur Gleichberechtigung. Haben wir die wirklich, sind wir dort angekommen, wohin uns der Passus in unserem Grundgesetz Artikel 3 Absatz 2, der die Gleichheit zwischen Mann und Frau garantiert. Nicht fordert, er garantiert sie. Aber das läuft einfach nicht und es ist keine Frage, ob ein Mann einer Frau die Tür offen halten soll, das hat nichts mit Gleichberechtigung, sondern mit Höflichkeit und Kinderstube zu tun. Ich halte jenen, die nach mir kommen die Tür offen, unabhängig vom Geschlecht, dem Alter und der Herkunft. Dafür muss man einfach nur mal über die Schulter blicken. Frauen verdienen bei gleicher Arbeit immer noch weniger.
Ich klinge, als sei ich mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden. Stimmt wohl irgendwie, denn ich war sofort verkrätzt, als ich heute Morgen, bei meinem Rundgang durch die Zeitungen, die Schlagzeile, nicht groß geschrieben und nicht ganz oben, sondern irgendwo unten, gelesen habe, dass Professorinnen rund 650 Euro weniger Einkommen haben. Das Mädels hat auch Auswirkungen auf das Einkommen/Rente im Alter. Wenn man in jungen Jahren weniger verdient als die männlichen Kollegen, dann wird man im Alter auch weniger Rente beziehen und je nachdem wie viel man anlegen konnte, was nicht von Miete und NK gefressen wurde, schwebt dann das Damoklesschwert der Altersarmut über den Häuptern. Bei den hohen Mieten und hohen NK und Abgaben, ist es schwer für die kommende Rentenzeit Geld beiseite zu legen. Gute Ausbildung ist das Schlüsselwort.

 

Vor einigen Tagen las ich, dass es in Berlin einen neuen Feiertag geben soll: Im März der Weltfrauentag. Ganz ernsthaft? Das ist eine Männerentscheidung. Das ist Sand in die Augen gestreut, damit wir nicht sehen, dass wir in der Gleichberechtigung noch lange nicht angekommen sind. Ich würde sagen, nehmen wir doch lieber den Buß- und Bettag wieder als Feiertag, als Erinnerung an Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes.

 

Dann öffne ich die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, hier die die Gleichberechtigung gar nicht angekommen, das ist fast eine reine Männerzeitung: Fußball, Autorennen sind die beherrschenden Themen. Wenn interessiert tagelang, ob bei dem FC Bayern der Haussegen schief hängt oder nicht? Das ist so interessant wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt. Dann lasse man das auf sich wirken: Flugdebakel für Merkel. Was kann sie dafür? Da steht nicht, die Kanzlermaschine musste zurück. Das klingt als könne sie etwas dafür, dass die Maschine technische Probleme hatte. Außerdem finde ich die Schlagzeile sehr unhöflich. Beim Radio ist das übrigens nicht anders. Ein Radiosender in Berlin verloste vierzig Plätze, um für vier Tage nach Abu Dhabi zum letzten Autorennen der Saison und einem Konzert von ACDC zu reisen. Schätze der Moderator ist augenscheinlich ein Fan von Autorennen und ACDC.

 

Nun, da die Moderatorin gerne Karneval mag und das hier in Berlin eher eine traurige Angelegenheit ist, mir geht das genauso, machte sich der Moderator auf den Weg nach Köln, um vier Tage Karneval zu organisieren, dieses Vergnügen dagegen, kann man nur gegen Cash buchen. Ist das Gleichberechtigung? Der Moderator sammelt seine Gemeinde für lau um sich, die Moderatorin ist darauf angewiesen, dass Hörer bereit dazu sind ab 499 Euro dafür zu bezahlen und wenn sich niemand findet, ist sie alleine auf dem Schiff, was mir sehr leid täte, da ich sie gut finde. Mein Inneres sagt mir, dass das nicht gerecht ist. Ja, ich weiß da ist die Sache mit den Sponsoren, aber denke jeder selbst darüber nach. Ja, ich weiß, man kann überall ein Haar in der Suppe finden, wenn man eins hineinlegt.

 

Es ist aber leider so. Vielleicht erwarte ich zu viel. Aber ich sehe, dass es immer noch nicht funktioniert, weder in der Einheit „Familie“, noch in der Einheit „Job“, noch in der Einheit „Politik“, noch sonst irgendwo. Uns muss niemand die Tür aufhalten, das kann ich alleine, aber ich halte sehr gerne jenen, die nach mir eintreten die Tür auf.
Adventszeit, eine friedliche Zeit, wer rennt sich in der Regel die Sohlen ab? Wer sorgt für die Deko, die Plätzchen, die Geschenke, das Essen und und und? Ich habe viele Posts gelesen, dass Frauen schrieben „Oh Gott, kommenden Sonntag ist der 1. Advent, ich habe noch kein Kranz, kein dies und das. Ich habe das von keinem Mann gelesen. Lasst das doch mal sein, Mädels. Rennt euch nicht ab, wenn halt weniger geschmückt ist, dann ist das so. Genießt die Adventszeit, schmückt minimal, lasst eine Pizza kommen. Mut zur Lücke. Ich wünsche Euch eine tolle Zeit und: Laßt es Euch gut gehen!

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