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Aufzeichnung einer Markus Lanz-Sendung

Vor einigen Wochen hatte ich die Idee, mir die Aufzeichnung einer Markus-Lanz-Sendung anzugucken, weil mich interessiert was hinter dem Bildschirm passiert. Es war sehr einfach und ging recht flott: Karten übers Internet angefragt, den Termin festgemacht, die Fahrkarten für den Zug gekauft und das alles für zwei Personen: meine Tochter und mich, der ich auf diesem Weg für einen wundervollen Tag danke.  

Am 17. September 2010 fuhren wir dann also nach Hamburg. Das Wetter sollte solala sein, also Schirm in die Taschen, wasserfeste Jacken angezogen. Ein Stadtführer? Ja oder nein? In Hamburg entschieden wir uns kurzfristig dafür und kauften einen. Aber der Reihe nach. Morgens war das alles noch recht hektisch, bis die Oma versorgt und für die Tagespflege abgeholt war, der Hund draußen und die Katzen gefüttert waren, brauchte das alles seine Zeit. Danach wurde es etwas ruhiger: in Ruhe das Frühstück genießen, duschen, fertig machen, dann zum Zug. Dazwischen noch eben die Mails abgerufen, oh je, die Aufzeichnung sollte sich um eine knappe Stunde verschieben, eben mal durchgerechnet, das würde locker noch reichen den Zug, fest gebucht weil billiger,  zurück nach Berlin zu bekommen. Kaum das Haus verlassen, läutete das Handy, der Beginn der Aufzeichnung würde sich abermals verschieben. Die Frage war, ob wir dann noch unseren Zug bekommen würden? Klar hieß es, das würden wir. Also egal, zur Not würden wir halt aus der Sendung rennen.

10:27 fuhr der ICE dann auch pünktlich ab. Er brachte uns in rund neunzig Minuten nach Hamburg. Kaum aus dem Zug holte meine Tochter den Foto aus der Tasche, um das Schild am Bahnhof mit der Aufschirft „Hamburg“ aufzunehmen. Ein Mitreisender, stoppte spontan mitten auf dem Bahnsteig und erklärte, dass er sehr gerne ein Bild von uns beiden zusammen machen würde, das wäre doch eine schönere Erinnerung als eine alleine auf dem Bild. Er knipste gleich zwei Mal, beide Bilder sind gelungen. Diese Freundlichkeit erschlug uns erst mal und wir freuten uns darüber. Nun aber rasch in den Buch- und Zeitungsladen im Bahnhof, derer es mehrere gibt, zumindest haben wir zwei gefunden. Lesend den Bahnhof verlassen, uns auf dem Vorplatz orientiert welche Richtung wir einschlagen müssen, liefen wir los in Richtung Binnenalster. Am Ufer entlang in Richtung Hafen, um dann durch die Geschäftsstraßen schlendernd (etwas schneller natürlich, keine Zeit zum Shoppen eingeplant) irgendwann an der Norderelbe anzukommen.

Ich bin beeindruckt von Hamburg, es hat mir sehr gut hier gefallen. Nicht, dass ich in Erwägung ziehen würde aus Berlin wegzugehen, das nicht. Irgendwann und irgendwo dazwischen waren wir bei Starbucks, um einen Kaffee zu trinken, mal für kleine Mädchen zu gehen, und den Stadtplan samt Stadtführer sitzend näher und in Ruhe zu inspizieren. Gesagt, getan, weiter in Richtung Stahltwiete wo das Aufnahmestudio ist. Auf diesem Weg sollten wir noch ein Gewürzladen des Herrn Schuhbeck sein. Prima, da würde ich gerne reingehen. Tja es gibt sicher in Hamburg einen, aber leider war die Seite, wo die Straße sich befinden soll falsch angegeben, statt 147 war angegeben 145 und so suchten wir vergebens. Leider konnten wir einen Besuch nicht mehr einplanen, weil der Laden entgegen gesetzt zu unserem Ziel liegt. Herr Schuhbeck sollte das unbedingt ändern lassen. Wer weiß, vielleicht klappt das ja beim nächsten Mal.

Je näher wir dem Hafen kamen, desto ungemütlicher wurde das Wetter. Es nieselte, manchmal schüttete es auch, unser Schirm kämpfte ständig mit dem Wind, um nicht umgebogen zu werden.  Aber was soll‘s? Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung und wir waren ja gut vorbereitet. Zwischen fotografieren, Kapuzen festmachen, den Schirm vom Wind wieder zurückbiegen lassen, marschierten wir weiter, vorbei am Fischmarkt in Richtung Altonaer Bahnhof, wo wir die Schnauze von Schirmkampf im Wind, fotografieren im Regen, tragen der Kapuzen voll hatten und uns für den Rest des Weges ein Taxi nahmen. Kaum zehn Minuten später kamen wir beim Studio der Fernsehmacher GmbH & Co.KG an. Vor uns muss ein bekannter Mensch angekommen sein, denn es war unruhig, Leute liefen hin und her. Ameisen gleich gaben sie Informationen weiter und wuselten dann, ihre ursprüngliche Richtung wieder ändernd, davon.

Bei der Sendung, die gerade aufgezeichnet wurde, war ein Weltstar zu Gast. Keine Ahnung wer das war und meine Neugierde hielt sich in Grenzne es erfahren zu wollen. Irgenwann öffneten sich die Türen, Menschen strömten heraus, Fotografen hinein. Nach ungefähr fünfzehn Minuten war das Studio leer und die Türen wurden wieder verschlossen. Die Aufnahmen der nacholgenden Sendung verzögerten sich weiter. Ich dachte das gäbe es nur bei Thomas Gottschalk und „Wetten dass…“. Wir warteten und warteten, stets mit einem Auge die Uhr im Blick behaltend. Irgendwann öffneten sich erneut die Türen zum Studio und es sollte nun losgehen. Die Menschen mit die Sitzreihen zugeordnet worden waren sollten zuerst den Raum betreten. Leider war die Dame bis hinten nicht zu hören, so machten sich dann alle auf den Weg, bis die Buschtrommel bis nach hinten klang nur die, die einer Sitzplatzreihe zugeordnet waren. Block B, Reihe 4. Das war einfach zu finden, wurden wir doch von einer netten Stimme dorthin bugsiert. Dann wurden die Zuschauer sortiert: Nach Farbe, Alter, Größe, Gewicht und weiß ich auch Geschlecht, wurden einige umgesetzt und neu platziert. Irgendwann saßen dann alle wie gewünscht.

Meine Aufmerksamkeit gehörte nun den Menschen mit den Kameras, den Kabelträgern und all jenen, die mit dem Drumherum der Sendung zu tun haben. Ich fand das es sehr spannend. Ein Mann kam, der offensichtlich das Publikum ein wenig einstimmen sollte. War ja auch nötig, zumal die Wartezeit nicht unerheblich war und einige Gesichter Verdruß widerspiegelten. Spaßig und unterhaltsam bereitete er die Zuschauer auf das vor, was da nun kommen sollte. Es gelang ihm total, die Zuschauer wieder aufzumuntern. Er ließ sich auf Unterhaltungen ein, erfuhr wo der Mann drei Reihen vor uns herkam und vom Nachbar meiner Tochter, dass wir aus Berlin angereist waren. Daraus ergab sich eine kleine, lockere Unterhaltung und schon ging er weiter, wandte sich dem Rest des Publikums zu, verpackte in einen kleinen Lacher die Tatsache, dass es abermals eine kleine Verzögerung geben würde. Mein Blick auf die Uhr wurde um einiges panischer. „Oh, mein Gott! Ob wir den Zug noch bekommen? Gitta, das wird knapp werden!“. Ich beschloß mich nicht stressen zu lassen: „Prima, das war es dann wohl, ade Zug nach Berlin, wäre schön gewesen mit Dir zu reisen.“. Meine Tochter hatte ebenso Panik in den Augen, denn sie war ja in Berlin am Abend noch verabredet.

Auf ein Zeichen hin wusste er, dass es nun bald losgehen würde und erzählte uns genauso witzig wie er die ganze Zeit über war, dass es nun bald losgehen würde und Herr Lanz gleich kommen würde, den wir mit Applaus begrüßen sollten, klar keine Frage, das würden wir tun, dann sollten die Diskussionspartner des Herrn Lanz kommen, die wir ebenfalls nett begrüßen sollten, klar würden wir das auch tun. Man begrüßt immer die Gäste, das gehört sich so.  

Dann war es so weit, Herr Lanz betrat das Studio. Locker begrüßte er uns, begann mit dem einen oder anderen einen kleinen Schlagabtausch und wandte sich dann seinen Gästen zu, die er der Reihe nach herein bat. Das Publikum begrüßte jeden Gast artig. Das war aber nicht der Beginn der Sendung, der kam dann, wenige Augenblicke später war jeder bereit, auf seinem Platz, im Studio wurde es Mucksmäuschenstill.  Verpatzter Anfang, alles noch mal. Aber dann, lief die Aufnahme durch. Kein Versprecher, kein hängen bleiben, nichts. Locker wie gewohnt führte er die Diskussion. Im Hintergrund lief alles vollkommen geräuschlos ab, zumindest ich hörte keine Geräusche, die störend waren. Dass die Kameraleute per Funk mit der Regie verbunden sind, das ist längst schon kein Geheimnis mehr, dass immer die Kamera aktiv ist die ein rotes Licht zeigt auch, dass die Kameras immer unterwegs sind ebenso. Dieses Zusammenspiel hat mich dennoch fasziniert. Zwischen wissen und erleben liegen Welten.

Irgendwann fiel es wohl auf, dass das Publikum derart von der Diskussion gefesselt war, dass es in den ersten ca. zwanzig Minuten noch keinen Applaus gespendet hat. Daraufhin machte die Produktionsleiterin neben der Kamera den Hampelmann und prompt klatschen alle an einer Stelle, an der man klatschen konnte. Der Hampelmann, sie hüpfte nun keineswegs, sondern tat als klatsche sie in ihre Hände, kam nun etwas öfter, war auch in Ordnung so. Irgendwann nahm ich wahr, dass sie neben und hinter dem Kameramann stand und Zeichen gab, noch fünf, vier, hat Markus Lanz entweder ignoriert oder nicht, jedenfalls machte er einfach weiter. Dann irgendwann machte sie das Ende-Zeichen und Markus Lanz nickte ihr zu, was aber so wirkte, als nicke er seinem momentanen Gesprächspartner zu. Kurz später war die Aufnahme vorbei. Es hat mich unglaublich fasziniert, dass die Sendung in einem Zug aufgenommen worden war, ohne Unterbrechung, ohne Pausen, ohne Abtupfen des glänzenden Schweißes auf dem Make up. Das hat mir sehr gut gefallen. Markus Lanz war von seinem Team unglaublich gut vorbereitet worden, wobei ich denke, dass er von dem Thema dieser Sendung jede Menge Ahnung hat.

Sendung zu Ende, aus, vorbei, schade irgendwie. Wir saßen da, längst bereit zum Abgang. Meine Tochter hetzt zur Garderobe, ich brachte in der Zwischenzeit die Telefonnummer der Taxizentrale Hamburgs in Erfahrung. Jacke auf dem Weg nach draußen übergezogen, Taxi gerufen, draußen darauf dasselbe gewartet. Die Berliner Schulleiterin, eine Teilnehmerin der Talkrunde, hätte uns ruhig mit zum Bahnhof nehmen können. Mein Rufen hat sie geflissentlich überhört, schätze mal, sie dachte ich wolle ein Autogramm von ihr. Nö, wollte ich nicht, ich sammle keine Autogramme, meine Tochter auch nicht. Wollten wir also nicht, wir wollten nur zum Bahnhof. Das Taxi kam, der Fahrer runzelte erschrocken die Stirn bei dem Gedanken, dass er nur wenig Zeit hatte, den Hamburger Bahnhof zu erreichen. Aber er schaffte es. Das Geld schon in der Hand, noch bevor er stoppte, reichte ich es ihm nach vorne, während ich hinten gleichzeitig schon die Tür öffnete. Raus aus dem Taxi, losgerannt, was man so rennen nennen kann, wenn man einen ganzen Tag schon auf den Beinen verbracht hat.

Durch den Bahnhof, verflucht wo ist Gleis 5? Natürlich ganz hinten, aber egal, es sollte noch reichen. Tat es auch, gerade eben noch so. Zugegeben, ich mich schon über das ständige Verschieben der Aufnahme geärgert, weil ich wirklich ausreichend Zeit zwischen Sendung und Fahrt zum Bahnhof eingeplant hatte und es so gar nicht schätze kurz vor knapp da zu sein, aber alle Kalkulation nutzte nix. Dennoch es war ein schöner Tag mit meiner Tochter, im Studio der Fernsehmacher GmbH & Co.KG bei der Aufzeichnung einer Talkshow mit Markus Lanz und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir irgendwann noch ein Mal eine Aufnahme anschauen werde.

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8 Kommentare zu „Aufzeichnung einer Markus Lanz-Sendung“

  • barbara2 says:

    sehr schöner bericht, ich habe mich immer schon gewundert, wie die bei sendungen das publikum zusammen bekommen. und: es hätte ja noch eine verspätung des zuges geben können.
    ich habe einmal und nie wieder in letzter zeit einen festen zug gebucht wegen der kosten, der ist mir dann weggefahen und ich brauchte eine neue fahrkarte. das ist dann teurer als gleich eine felxible zu nehmen.

  • ulli says:

    Es erstaunt mich, dass man bei Lanz für die Aufzeichnung als Publikum zahlen muss. Ich kenne es nur umgekehrt, dass man für die angewiesene Klatscherei an bestimmten Stellen bezahlt wird.

  • Gitta says:

    Liebe Ulli :-),

    das war o.k., es waren gerade mal 5 Euro und hält so vielleicht ein bestimmtes Klientel ab in eine solche Aufzeichung zu kommen. Wer kennt schon die Intensität dahinter.

    Herzlich
    Gitta
    P.S. melde mich gleich bei Dir

  • David says:

    Hallo,

    sehr schöner Bericht. Was mich interessieren würde ist, ob Markus Lanz nach der Sendung bzw. Aufzeichnung noch für Autogramme oder Fotos zur Verfügung steht?

    LG

  • Gitta says:

    Das hatte er an diesem Tag zumindest getan.

  • David says:

    Vielen Dank für die Antwort!

    Wir planen zur Zeit nämlich auch einen Kurzaufenthalt in Hamburg um die Show zu besuchen. Ich als bekennender Markus Lanz Fan bin natürlich hauptsächlich an ihm interessiert und so ein Erinnerungsfoto wäre was unbezahlbares für mich! Hast du vielleicht mitbekommen, ob er ein zugänglicher Mensch zu seinem Publikum ist oder eher das Gegenteil…?

  • Jan says:

    Stimmt es, dass bei Lanz pro Tag mehrere Sendungen aufgezeichnet werden?

  • Gitta says:

    Ja, dem ist so. Die Sendung wird von den http://www.fernsehmacher.de aufgezeichnet.
    Dort kann man die Termine und Modalitäten erfahren.

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