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Glück und glücklich sein

Ich bin ein wenig spät, wollte ich doch das Glück ganz früh heute Morgen schon einfügen. Aber den geschriebenen Artikel von gestern kann ich heute nicht mehr in meinen Blog stellen. Der Grund ist, dass ich gestern Abend eine liebe Freundin danach gefragt habe, was für sie Glück ist. Sie ist ein wenig älter als ich und sie gab mir zur Antwort: „Glück, glücklich sein ist für mich zufrieden zu sein.“.

Das nun hat meine ganzen Überlegungen und meinen Artikel ein wenig über den Haufen geworfen. Glück ist für sie innere und äußere Zufriedenheit. Sie muss nicht mehr arbeiten und ich gehe davon aus, dass sie finanziell fürs Alter abgesichert ist. Das eine oder andere Wehwechen hier und da, beim Partner ebenfalls, aber mein Gott sie ist zufrieden und glücklich.

Glück, sind wir wirklich unseres Glückes Schmied? Das war die Frage über die ich gestern mit Jens Schönlau (Link zu seinem Artikel ist unter Links zu finden) getwittert habe. Laut Herrn Bohlen kann jeder, wenn er will. Nur wenn alle das eine wollen und dafür 4 Millionen Anwärter da sind, dann wird der Kuchen so klein, dass es kaum Krümel für alle gibt. Macht auch nicht gerade glücklich, das zu wissen, oder?  Ich finde dann solche Thesen zu verbreiten einfach nicht fair.  Aber zurück zu der Frage ob wir unseres Glückes Schmied sind. Sicherlich sind wir das, zum Teil jedenfalls. Manchmal begreift man Glück erst spät. Ich habe einige Zeit gebraucht, um zu verstehen wie viel Glück ich mit meinem behinderten Andreas hatte. Ich war nicht immer glücklich, dazu war er zu krank gewesen, aber war es nicht ein Glück, dass ich all die Jahre die Ehre hatte seine Mutter zu sein? Doch, war das reines Glück? Ja, das habe ich gemerkt als ich das Gänseblümchen geschrieben habe. Als ich an dem Manuskript geschrieben habe, da habe ich gemerkt wie glücklich ich mit ihm war und wenn ich an ihn denke immer noch bin. Ich denke jeden Tag an Andreas. Ich bin also jeden Tag mindestens für einige Momente glücklich.

Ich frage mich also bin ich glücklich? Habe ich Glück? Glück habe ich, weil ich jeden Tag leben darf. Wie sehr ich den Tag erleben kann, das ist eine andere Frage und wird manchmal auch fremdbestimmt durch Verantwortung, die ich übernommen habe. Aber was ist Glück wirklich? Glück ist eine Momentaufnahme, ein kurzer Augenblick. Der Dachziegel, der neben mir einschlägt, das Auto, das kurz vor mir stehen bleibt, sehr gute Absatzzahlen meiner Bücher, Anerkennung meiner Arbeit, das ist Glück. Glücklich sein dagegen, das ist das Gefühl, das aus dem Glück entsteht. Dennoch reicht das nicht, denn um glücklich sein zu spüren bedarf es einer inneren  Zufriedenheit  entsteht. Das Glück kannst Du nicht festhalten oder einfordern, aber sehr viel dafür tun, dass Du über eine innere Zufriedenheit glücklich bist.

Mir rollen sich die Zehennägel nach oben, wenn Dr. von Hirschhausen über Glück reden höre. Klar mag an einem Glückbringer nichts dran sein, aber Menschen müssen sich ihre eigenen Rituale schaffen, die ihnen Sicherheit geben um den Alltag zu bestehen und wenn sie dies als Glück betrachten, dann ist das zu akzeptieren. Er hat angesichts seines Erfolges leicht reden und wirkt für mich nicht komisch, sondern desillusionierend. Illusionen, Träume all das brauchen Menschen und sie sind nicht doof und wissen, dass ein Talisman , den man zu Hause vergessen hat nicht Ursache für das ist, was passiert oder nicht. Welchen Grund gibt es aber Menschen ihre Glücksbringer, ihre Illusionen, ihre Rituale madig zu machen? Immerhin hat er das Glück damit auch noch seinen Reibach zu machen. Meine beiden Töchter bekamen von mir als sie ihren Führerschein bestanden haben den heiligen Christopherus, den Schutzpatron der Reisenden, geschenkt. Möglich, dass er nix nutzt, aber mich beruhigt es ungemein.

Es gibt einen Mann, von dessen Ausstrahlung ich schon so viel gehört habe und dem ich deswegen zu gerne begegnen möchte: dem Dalai Lama. Diese Ausstrahlung muss unglaublich sein. Woran mag das liegen? Liegt es daran, dass er glücklich ist? Oder dass er eine innere Ruhe, eine innere Mitte hat, die nach außen strahlt? Ich glaube eher Letzteres, weil er kann in dem Wissen, dass sein Volk unfrei ist nicht wirklich glücklich sein.

Glück und glücklich sein. Das eine die Folge des anderen. Zufriedenheit, innere Ausgeglichenheit, einen Ruhepol in der inneren Mitte, all das ist der Anfang des Glücks, der persönlichen Freiheit und des glücklich sein. Ohne die innere Mitte, ohne dieses Gleichgewicht sehen, fühlen, spüren wir das Glück nicht, würden wir noch nicht einmal den Gewinn eines irrsinnigen Jackpots, die Erteilung eines riesigen Auftrags, einen tollen persönlichen Erfolg als Glück, sondern Selbstverständlichkeit verstehen und daraus resultierend niemals glücklich sein bzw. werden können.

Danke Jens für dieses Thema.

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9 Kommentare zu „Glück und glücklich sein“

  • Raoul says:

    Meine Idee vom Glück ist folgende:
    Ich gehe von einem Grundgefühl der Zufriedenheit aus und wie das Wort schon sagt habe ich dann meinen Frieden mit mir und em Leben. Keine Störungen, keine Konflikte, alles ist gut. Ein „Ausschlag“ nach oben, eine Begebenheit, ein Ereignis ist für mich Glück, eine mehr oder weniger lange Momentaufnahme. Ein „Ausschlag“ nach unten aus meinem Gleichgewicht ist dann das Unglücklich sein.
    Wie ich nun meinen Frieden definiere und die „Ausschläge“, dass ist wahrlich individuell und verändert sich mit der Perspektive, die sich „glücklicherweise“ im Laufe eines Lebens verändern kann.

  • Gitta says:

    Hier ist meine Antwort auf Raouls Beitrag in seinem Blog:
    Wenn ich Deinen Kommentar lesen, dann kommt das Wort Zufriedenheit vor, das war genau das, was meine Freundin gesagt hat und meinen Text von gestern gekappt hat.
    Eigenartigerweise geht es mir ein wenig wie Dir: das Thema an sich lässt mich gerade nicht los. Glück ist nicht alleinstehend zu betrachten, das geht gar nicht. In der Tat hat die innere Ruhe, das in sich ruhen sehr viel damit zu tun, ob man das Glück, das uns tagtäglich zuteil wird sehen, fühlen kann. Ich hasse es, wobei hassen Ausdruck dafür ist, dass ich es nicht sehr gut finde, wenn manche prominente Menschen sich dan hinstellen und bücherweise erzählen, dass das was sie geschafft haben Mensch auch kann, denn wenn das nicht klappt, so muss ich jener zwangsläufig als Versager fühlen, oder als Trottel, weil er nach wie vor einen Talismann hat, oder bestimmte Rituale, die ihm Sicherheit bringen. Nachdem wir gestern darüber geplaudert haben, ich heute morgen von vorne begann zu schreiben, da kam ich zu dem Schluß, dass Glück ein Moment, ein Wimpernschlag ist, glücklich sein dagegen das sehr viel schwierigere, länger andauernde Gefühl, das zu halten und zu pflegen sehr viel schwieriger ist.

    Ich danke Dir, das war sehr sehr spannend, hat mich nachdenklich gestimmt und das ist immer noch nicht vorbei.

    Herzlich
    Gitta

  • Hallo Gitta,

    zunächst einmal vielen Dank für die Anregung, parallel über das Glück zu schreiben. Das ultrabreite Thema hat mich dann doch gepackt und es freut mich, es bearbeitet zu haben. Denn es ist nicht ganz einfach, die Persektive zu wählen. Schreibe ich über mein Glück oder das Glück allgemein. Aber kann man überhaut allgemein über das Glück schreiben, wo es doch so persönlich ist? Ich bin wie du der Meinung, dass man sich nicht in sein Glück hineinreden lassen sollte. Letztlich probiert man wahrscheinlich eh ein ganzes Leben lang aus, was einem gut tut und was nicht. Und trotzdem macht man viele Sachen, die einm nicht guttun und konterkariert die eigenen Glücksbemühungen.

    Ich denke, ich werde mit dem Thema auch noch ein wenig länger beschäftigt sein – so 40 Jahre? Mal sehen.

    Liebe Grüße

    Jens

  • Gitta says:

    Hallo Jens,

    geht mir nicht anders. Über eigenes Glück zu schreiben fand ich zu egoistisch, über das anderer anmaßend. So habe ich versucht die Mitte zu finden, ob das gelungen ist, mag jeder Leser selbst entscheiden. Ich habe noch nie so viel und intensiv über Glück nachgedacht wie in den letzten Stunden und ich denke, dass es mich noch eine Weile intensiv beschäftigen wird.

    Herzlich
    Gitta

  • ulli says:

    Das Wort „Glück“ hat sicher viele, individuelle Interpretationsmöglichkeiten. Ich glaube zum eigenen Glück gehört, dass man mit dem, wie man ist und was man tut, einfach zufrieden sein muss, um glücklich sein zu können.Da helfen keine schlauen Ratgeber und kein Format. Das ist einzig und allein Geschäftemacherei. Ob man es lernen kann, glücklich zu sein? Eine Freundin sagte neulich zu mir, ich solle mal an alle die Dinge denken, die ich im Leben schon gemeistert habe. Das tat ich und kam zu dem Schluss, dass das Sprichwort „jeder ist seines Glückes Schmied“ wie Gitta es schon geschrieben hat, stimmt. Statt Dinge ins Negative zu formulieren, sollte man es umdrehen.Genauso hört sich ein halbvolles Glas besser an als ein halbleeres.

  • barbara2 says:

    hängt in meinen augen von nichts anderem ab als den eigenen vorstellungen und erwartungen, das ist dafür das komplexeste thema:-)

  • Gitta says:

    Liebe Barbara,
    ich finde es ist ein sehr interessantes Thema und es hat mir riesigen Spaß gemacht den Artikel zu schreiben, vor allem was ihm vorausgegangen war. Eine Weile wird mich das schon noch beschäftigen.

    Herzlich
    Gitta

  • barbara2 says:

    viel spass dabei gitta.

  • Gitta says:

    Hatten wir 🙂

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