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Da steh ich nun, ich armer Tor und bin ein Steuersünder

 

Wer hätte das gedacht? Uli Hoeneß ein Steuersünder. Auch wenn es tausend andere nette Sünden gibt, über die man schreiben könnte, ist dies das allbeherrschende Thema der Woche. Ich gehe davon aus, dass es keine Talkshow geben wird, die sich nicht mit diesem Thema beschäftigen wird. Ich will das heute auch tun, es reizt mich. Irgendwie.

Steuersünde? Kann denn Steuer Sünde sein? Ja, klar Steuern sind in sich schon eine Sünde, weil sie niemals nicht gerecht sein werden, gerecht sein können. Warum? Jeder Mensch, der in seinen Geldbeutel nach Abzug der Steuern guckt, wird das nicht als gerecht empfinden. Ist so, werden wir wohl niemals ändern können. Niemand, nicht die Roten, nicht die Schwarzen, die Gelben, die Grünen, die Linken, die Piraten, die neue Partei der Alternativen (haben die eigentlich ein ordentliches Programm was sie in den anderen gesellschaftlichen Bereichen außerhalb der Abschaffung des Euros Sinnvolles tun wollen?), niemand wird es je schaffen ein gerechtes, ehrliches Steuerprogramm zu gestalten. Da machen wir uns mal lieber nichts vor. Es geht nicht, da wird immer irgendwer sein, der brüllt, das ginge nicht mit rechten Dingen zu.

Gleich vorab, ich finde Steuerhinterziehung nicht in Ordnung. Steuerhinterziehung ist für mich primär erst mal der Fakt „Schwarzgeld“ zu machen und das dem Fiskus nicht zu deklarieren. Logisch sonst wäre das kein Schwarzgeld mehr. Also jeder Frisör packt den einen oder anderen Kunden in die Schwarzkasse. Jede Kneipe, jeder Taxifahrer hat das schon mal gemacht und auch das Einzelhandelsgeschäft wird jede Möglichkeit nutzen, eine kleine Schwarzkasse zu haben. Es wird kaum eine Bilanz geben, die in dieser Richtung nicht bearbeitet wurde. Der Angestellte, dessen Steuern vom Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt werden, wird in seinem Jahresausgleich immer nach der Spalte suchen in der er eine Rechnung eintragen kann, die sein Freund ihm gegeben hat. Ja, so ist das. Aber wehe, wenn du wirklich mal eine ehrliche Erklärung ohne jeden Schmus und Beschiß abgegeben hast, das glaubt dir niemand, du verbringst dann Monate in sinnloser Korrespondenz mit einem Finanzamt, das bei jeder sich bietenden Möglichkeit sucht, dir das Wort im Munde umzudrehen. Auch das ist so, das kostet schlichtweg Zeit und über diese scheinen diese Mitarbeiter in Unmengen zu verfügen. So ist das.

Nun machen es sich die Finanzbehörden aber das Leben einfach: Sie kaufen von irgendwelchen Leuten CDs mit Konten in der Schweiz, Stiftungen in Lichtenstein und blicken zur Zeit neidisch auf die ganzen Off Shoredaten, weil sie nicht wissen wie sie an diese kommen sollen. Da träumt doch jeder Steuerpflichtige davon, dass sie irgendwann mal eine CD kaufen, die einen Virus enthält, der den gesamten Datenbestand der Finanzämter danieder legt. Nicht möglich? Och, ich gehe davon aus, dass alles möglich ist.

Nun zurück zur Steuersünde. Uli Hoeneß hat sich geoutet. Was hat er gemacht? Wir wissen das nicht wirklich, aber es geht das Gerücht um, dass er mit einem inzwischen verstorbenen Freund, der in der Schweiz lebte, einen Deal hatte. Handschlaggeschäft unter Freunden. Der hat eine Summe X (das sollen 10-15 Millionen gewesen sein) zur Verfügung gestellt und dann haben die beiden Männer wie dolle und verrückt spekuliert. Hätte auch schief gehen können und alles wäre futsch gewesen. Ist es aber nicht. Das machen scheinbar Männer, die ihr unendliches Ruhegeld in Sack und Asche haben: Sie spekulieren. Nun hatten die beiden Glück und haben die Millionen in der Schweiz vervielfacht. Wohlbemerkt in der Schweiz. Also hätte Hoeneß kein Geld ins Ausland gebracht, kein Schwarzgeld in der Schweiz deponiert. So soll es sich verhalten, angeblich. Ich weiß es nicht, ich war nicht dabei gewesen. Aber er hat nun den Gewinn, der er durch seine Spekulation erzielt hat, dem Finanzamt nicht erklärt. Er hätte das Geld dort liegen lassen und sich daran von Zeit zu Zeit bedienen können. Angesichts der möglichen Option, dass auch in seiner Bank möglicherweise ein Verräter sitzt, wollte er das nicht tun. Gut, er wollte abwarten, ob das Abkommen zwischen der Schweiz und Deutschland der anonymen Steuerzahlung ausnutzen, aber das kam wie wir wissen nicht. Warum nicht? Was haben wir alle davon, wenn alle Prominenten, Politiker, Unternehmer an das öffentliche Pranger gestellt werden. Im Fall Hoeneß mag das noch interessant sein, aber spätestens, wenn es in kurzer Zeit den zwanzigsten trifft, interessiert es uns doch nicht mehr, oder? Welche Steuern für Hoeneß  tatsächlich anfallen, das muss der Fiskus errechnen.

Nehmen wir an, das Geld wäre Schwarzgeld gewesen, dann hätte der ganze Fall eine vollkommen andere Richtung. Selbst wenn es dies wäre, wäre das wahrscheinlich nicht zu beweisen, weil er mit Sicherheit ein Stück Papier hat, das belegt, dass sein Freund den Grundstock des Vermögens finanziert hat. Gut, aber so lange man nicht das Gegenteil beweisen kann , muss man die Version, dass es das Geld des Freundes war glauben.

Ich bin nun mit der Bewertung der Angelegenheit vorsichtig. Ich mag Uli Hoeneß nicht wirklich, auch wenn ich mal seinen Bruder beim Piccolo Mondo in der Reichstraße hier in Berlin erlebt hatte und von ihm fasziniert war. Der ist ein Mann, der einen leeren Raum allein durch seine Anwesenheit füllen kann. Ob Uli Hoeneß das auch kann, weil ich nicht. Aber ich möchte keinen falschen Eindruck entstehen lassen, dass ich ihm zugetan bin und deswegen so moderat mit der Angelegenheit umgehe. Aber ich meine man sollte fair sein in seiner Aburteilung durch die Medien, durch die nun folgenden unzähligen, tumben Diskussionen, die kein Mensch braucht und durch uns alle. Solange wir die Fakten nicht kennen, sollten wir ihn nicht verurteilen, denn in unserem Land ist es ein Grundsatz, dass wir solange als unschuldig anzusehen sind, bis ein Gericht einen Schuldspruch gefällt hat. Er selbst hat sich schuldig bekannt und irgendwo in seinen Reihen einen Verräter sitzen, der das der Öffentlichkeit preisgegeben hat, was eigentlich gesetzlich garantiert ist, dass es geheim bleiben darf. Sollte der Tipp an die Presse von der Staatsanwaltschaft aus gegangen sein, so sollte dies eingehend untersucht und wenn, dann auch gerichtlich verfolgt werden. Wenn der Tippgeber ein Freund aus eigenen Reihen ist, dann sollte sich Herr Hoeneß nach den wahren Freunden umsehen. Er wird im Moment ohnehin nicht sehr viele haben.

Bleiben wir entspannt und moderat urteilen wir ihn nicht ab und warten ab, bis er sich dazu äußert, bis er seine Geschichte, seine Version erzählt. In diesem Sinn prüft Eure Steuern, macht nicht zu viel Schwarzgeld, löst Eure Konten in der Schweiz auf und nein, ich sage Euch nicht was ihr damit machen sollt, außer: Laßt es Euch gut gehen.

 

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