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Da war ich einfach weg…

Ich habe mich gestern einfach davon geschlichen. Die Verabredung war schon am Vormittag ausgemacht, aber irgendwann drängte dann die Zeit, also habe ich mich davon geschlichen: aus der Twitterwelt, aus dem Facebook, aus dem Internet.  Auch wenn ich dort bei Twitter immer nette Menschen treffe, mal um kurz zu plauschen, auch mal um einfach nur eine Frage zu stellen und auch eine Antwort zu bekommen, so brauche ich doch meine Freunde aus der realen Welt. Also haben wir uns gestern Abend getroffen.

Kein Radio, kein Fernseher, kein PC, kein Internet. Einfache Unterhaltung, kurzer Anriss Japan, dafür kein Libyen, das war nicht der Abend dafür. Etwas ausführlicher war das Thema Knut, aber nur aus dem Blickwinkel, dass dieser ja eine Schwester hatte, die nach der Geburt gestorben war und seine Mutter ihn verstoßen hat. Die Natur ist grausam, aber vielleicht hat sie geahnt, oder gewusst, dass ihre beiden Kinder nicht überleben werden. Wer weiß das schon wirklich. Wir haben geplaudert über Deutschlehrer, die ihre Benotung willkürlich abgeben können. Beweise gibt es genug. Einer erzählte, dass er eine Arbeit über die Nibelungen abgegeben hatte, aber seine Deutschlehrerin, die ihm einige Tage zuvor die Vorfahrt genommen hatte, wüst beschimpft hat. Danach hatte er bei ihr keine Chancen mehr. Sie bewertete die Arbeit mit einer glatten „5“. Das bedeutete eine Ehrenrunde, da er in einem weiteren Fach so seine Probleme hatte. Eine Jahr später anderer Deutschlehrer, gleiche Arbeit Note „2“.

In Verlauf einer Schulkarriere musste man mindestens 1x eine Buchbeschreibung zaubern. So auch mein Bruder. Er hatte einen Deutschlehrer, der ihn partout nicht leiden konnte und ihm für seine Buchbeschreibung des Kapitän Hornblower eine glatte „5“ gegeben hat. Mein Bruder verließ die Schule nach diesem Jahr und schlug einen anderen Weg ein. Ich hatte diesen Lehrer als Vertretung, da unsere Deutschlehrerin eine Weile ausfallen sollte. Was mussten wir schreiben? Klar eine Buchbeschreibung und welche habe ich geschrieben? Klar Kapitän Hornblower. Plagiat, klar, da stehe ich dazu. Ich habe an der Arbeit nichts verändert, habe sogar die Fehler mit abgeschrieben und was soll ich sagen, ich bekam eine „2“. Seltsam, nicht wahr? Aber sag‘ mir niemand, das läge im Auge der Betrachters, was man im ersten Fall vielleicht noch annehmen könnte.

Ich habe mein Abitur im zarten Altern von Mitte vierzig gebastelt und mich mal bei unserer Deutschlehrerin beklagt, natürlich laut und nicht leise, dass es einfach keine deutsche Literatur gibt, die auch mal fröhliche Momente hat, das was sie uns da zur Bearbeitung präsentieren würde, wäre immer so ernst und getragen, haben wir denn niemanden, der oder die auch mal fröhlich schreibt? Muss Literatur immer „bierernst“ sein? Na ja ich muss das nicht weiter ausführen, was dann kam. Was soll ich sagen, ich hatte es von da an bei ihr verklappt. Ist ein fröhliches Buch keine Literatur? Wenn ich da an Puppenmord von Tom Sharpe denke, ich habe das im Urlaub gelesen, ich lag da am Strand und habe Tränen gelacht. Mein Freund mit dem ich da war, blickte schon immer ganz neidisch auf mein Buch. Als er es dann las, ging es ihm nicht anders. Herrlich. Zurück zum Deutschunterricht, was mich da immer wundert, was die Leute in die Texte hinein interpretieren, das hat mich immer gewundert. Eine las mal in einem Text, dass das Dach einer Fischerhütte im Sonnen licht weiß ich wie glänzen würde und malte das in den schillerndsten Farben aus. Was sie überlesen hatte, war, dass ein paar Zeilen davor zu lesen war, dass es ein schwarz gedecktes Teerdach war. Da ist nix mit „fischschuppenartigem“ Glänzen, was ich ihr dann leider auch sagen musste. Die Frau war gut, sie saß da, las die Stelle und fing an zu lachen: „Hmm, da hab‘ ich wohl Pech gehabt, aber es wär‘ ja wohl so schön gewesen.“. Das war als ich mein Abitur im zweiten Bildungsweg gebastelt habe. Das war als erwachsene Frau sehr viel entspannter als früher, als ich noch heranwachsend war.

So, nun ist Schluss mit der Plauderei, und ich komme am Ende des Artikels zu meinem Anliegen in diesem Monat: Es ist immer noch März und ich wünsche mir, dass ihr mit Eurem Darm, damit er gesund bleibt, sorgfältig umgeht, dass ihr frühzeitig gucken lasst, wenn da etwas nicht stimmt, bzw. damit eine Coloncarcinom rechtzeitig erkannt wird. Geht bei dem schönen Wetter in eurer Mittagspause spazieren, raus ein halbe Stunde laufen, das beugt ein wenig Krebserkrankungen vor. Ihr tut das nicht für mich, ihr tut das für euch.

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