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Der Fluch der bösen Tat

„Das eben ist der Fluch der bösen Tat, // dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.“ – Die Piccolomini, V,1 / Octavio Piccolomini aus Wallenstein von Friedrich Schiller. Nein ich werde nun nicht in Literatur machen, obwohl das schon Spaß machen könnte. Erinnert ein wenig an längst vergangene Schulzeiten, da solche Auszüge immer mit der Frage verbunden waren: „Was wollte der Autor damit ausdrücken?“ Ich habe mich dabei immer wieder ertappt, dass ich mich gefragt habe woher der Lehrer im Jahre 2000 wusste, was Friedrich Schiller sich damals dabei gedacht hat, als er das so geschrieben hat.

Mir ist das im Moment egal, was der gute Schiller gedacht hat als er das geschrieben hat, Fakt ist, dass er damit ein geflügelt Wort geschaffen hat, das man mühelos heute noch verwenden, bzw. anwenden kann. So werden zum Beispiel einerseits Häuser gebaut, da bekommst du eben mal eine Spülmaschine durch die Küchentür, nicht aber einen Pflegestuhl, der mehr als 65 cm breit ist, bei 67cm tritt da schon Eiszeit ein.  Genauso ist das mit einigen Zimmertüren, wenn das Pflegebett dahinter im Zimmer aufgebaut wurde, dann kann man das nicht mehr heraus rollen.

Es ist ja nicht so, dass man das Pflegebett überall mit hinnehmen muss, auf der anderen Seite aber warum nicht? Meine Schwiegermutter, die bei uns lebt und die von gepflegt und betreut wird, schwächelt ein wenig, mit über 90 Jahren darf sie das und nun geht das im Rollstuhl nicht mehr, also muss ein Pflegestuhl her, der aber darf nicht breiter sein als eben jene 65cm. Da sie eine sehr zarte Person ist, reichen die wenigen Zentimeter für sie aus, was aber wenn sie das wäre, was heute immer mehr Menschen sind: mehr breit als hoch? Wenn diese 65 cm nicht ausreichen würden? Blöd, oder? Schmale Tür, breiter Pflegestuhl, kein Reinkommen, aber auch kein Rauskommen. Warum der Aufriß, na ja ich fände es daneben, wenn sie ihr Dasein in ihrem Zimmer fristen müsste, schließlich sind wir ihre Familie und für mich ist das mehr als in Ordnung, wenn sie immer bei uns ist, egal wo wir uns auch gerade aufhalten. Sie ist meistens da, wo ich bin, also da wo was los ist J .

Es wird heute nicht so gebaut, dass das vorausschauend ist, sondern so, dass es kostensparend ist. Und am Ende? Am Ende stehen alle da und gucken doof. Aber Hallo! Das hätte man alles vorher bedenken können, denn wir werden alle immer älter und die Gesellschaft wird mehr und mehr darauf angewiesen sein, dass sie so lange das geht zu Hause versorgt werden kann, aber wenn das zu Lasten einer bestimmten Vereinsamung geschieht, dann passt das auch wieder nicht. Wie muss das Haus aussehen, das heute gebaut wird und das alles berücksichtigt, was Mensch im Alter möglicherweise braucht. Dazu gehört auch, dass die Toiletten in einer erreichbaren Höhe und nicht nur für Kinder geeignet sind. Doch ehrlich so was gibt es, da sind die Toiletten so tief, da hat man ein echtes Problem, trotz einer gewissen Erleichterung, wieder hoch zu kommen, wieder auf den eigenen Beinen zu stehen. Ja, klar, es gibt dann diese fest montierten Klositze, aber wisst ihr wie eklig das ist? Vor allem wenn man sie wieder abmontiert? Das ist nur grausam. Es gibt natürlich auch die Stangen, die man montieren kann und an denen man sich hochziehen kann, aber das geht wiederum nur dann, wenn genug Platz da ist.

Das ist alles nicht einfach, ich schwör Euch das, ich erlebe das gerade, habe das erlebt als meine Mutter noch nicht in der Residenz gelebt hat, wo das optimal ist. Aber nicht jeder kann in eine Residenz und mal ehrlich nach 50 Jahren in einer Wohnung, in der man vielleicht diese 50 Jahre mit seinem Partner verbracht hat, da will man dort nicht weg. Das kann ich sehr gut verstehen.

Der Fluch der bösen Tat ist preisgünstig, aber nicht zukunftsorientiert zu bauen, da muss man dann mit dem Meter rumrennen, sämtliche Türen abmessen, damit der zu Betreuende, der zu pflegende nicht außen vor bleibt. Ich mag übrigens Zitate und solche Sprüche wie der von Schiller heute sehr. Meine Mutter ist da ein wandelndes Zitate- und Sprüchebuch: sagt man ihr ein Stichwort, dann kommt da bestimmt ein Spruch dazu.

Ich wünsche Euch ein tolles Wochenende, genießt den Freiraum tut nix, faulenzt auf der Couch, oder räumt aus, um, das wäre jetzt die Zeit dafür. Oder einen guten Film gucken, bei dem man immer schon Rotz und Wasser heulen musste und das immer wieder tun wird, dazu einen Tee, ein Glas Wein, ganz wie das jeder mag, oder ein gutes Essen mit Freunden, schnell zubereiten, ohne groß Lameng, oder mit den Kindern, der Familie sich irgendwo treffen, alles ist möglich, alles ist gut. Egal was es ist: Laßt es Euch dabei gut gehen.

 

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