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Die letzten Kartons

Die letzten Kartons

Tückisch stehen sie da und kämpfen einen aussichtslosen Kampf nicht weiter und weiter weggeschoben, nach hinten in irgendeine Ecke verdrängt zu werden: die letzten Kartons. Wir übersehen sie gerne, enthalten sie doch den Kram, vom dem man sich partout nicht trennen möchte, aber von dem man nicht mehr weiß wo man ihn in der alten Wohnung hatte und wo in der neuen ein Platz sein könnte.

Man liebt sie nicht, aber man hasst sie auch nicht, man straft sie mit Ignoranz, schaut aber immer wieder hinein. Auf ihnen steht nicht mehr das was mal drin war, oft sind sie ein Sammelsurium aus anderen Kartons. Man verspürt absolut keine Lust sich mit dem Inhalt auseinander zu setzen, verschließt, kaum hat man nachdem man sie geöffnet und den Inhalt erkannt hat wieder und schiebt sie mehr und mehr in die Ecke. Da stehen sie dann, unbeachtet, geradezu mit Missachtung gestraft.  Dabei können sie ja absolut nichts für ihren Inhalt.

Heute nicht, morgen, denkt man. Morgen, da gehe ich daran sie auszuräumen. Und morgen? Da denkt man wieder jetzt räume ich ihn aus. Dann steht man davor und denkt, dass das jetzt sowieso keinen Sinn hätte. Also morgen mache ich das, heute habe ich keine Zeit, keine Lust, muss erst noch Platz schaffen. Dann kommt der erste Besuch nach der Einweihungsparty. Verflixt da stehen ja noch die Kartons, schnell reingeschaut, ob da etwas ist, das man gebrauchen kann, nein ist nix, das man gerade jetzt gebrauchen kann. Na dann wohin mit ihnen auf die Schnelle?

Diese letzten Kartons werden in den Keller oder den Speicher getragen und vergessen. Aufräumaktionen dort überstehen sie unbeschadet. Sie trotzen allen Vorsätzen ausgeräumt oder gar entrümpelt zu werden, im Gegenteil sie vermehren sich von Umzug zu Umzug. Inzwischen sind es drei oder vier Kartons, deren Inhalt nicht mehr genau per Aufschrift auf dem Karton zu beschreiben ist. „Keller“ steht darauf geschrieben und so wandern sie direkt und ohne Umweg dorthin, ohne genaueres Betrachten ihres Inhalts. So vermehren sie sich auf wundersame Weise von Umzug zu Umzug.

Aber mal ehrlich wer liebt seine Kramkartons nicht und möchte sie um alles in der Welt nicht missen? Wenn man sich wirklich mal die Zeit nimmt, dann findet man hier Relikte aus alter Zeit, an die man sich mehr oder weniger gerne erinnert. Wir sind noch nicht so ganz bei unseren Kramkartons angekommen, aber sie sind schon in Sicht und ihren Platz auf dem Boden haben wir auch schon reserviert. Wenn sie an der Reihe sind, dann haben wir es endgültig geschafft.

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