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Ein Herz – zwei Städte

Meine Stadt. Ich habe derer zwei Städte mit denen ich verbunden bin und die ich beide mag. Eine davon ist die Stadt, wo ich geboren bin: Ludwigshafen am Rhein. Ludwigshafen? Ludwigshafen? Da fragt man sich doch sofort, wo und wann man diesen Namen schon mal gehört hat. Klar, es wird jedem wieder einfallen, es ist auch die Geburtsstadt des Altkanzlers Helmut Kohl.

Hier bin ich geboren, aufgewachsen und immer wieder zurück gekehrt. In den letzten Jahren war ich seltener da, denn inzwischen wohnen meine Mutter und meine Schwiegermutter bei mir in Berlin. Immer wenn ich nach Hause kam, meist mit dem Auto, habe ich, wenn ich den Rhein überquert habe, das Autofenster heruntergekurbelt und gerochen. Der Geruch meiner Stadt. Für viele vielleicht grauenvoll, nicht für mich. Hier bin ich aufgewachsen, habe teilweise meine Schuljahre verbracht, war verliebt, öfter mal wie sich das gehört und habe hier geheiratet. Meine drei Kinder sind hier geboren.

Die schönste Zeit meines Lebens war die, als wir, meine Eltern, meine Schwester mit ihrer Familie und ich mit meiner Familie gemeinsam in einem Haus lebten. Jeder in seiner eigenen Wohnung, die eine Etage ausmachte. Wir hatten einen gemeinsamen Sportkeller, einen gemeinsamen Partyraum in dem wir generationenübergreifend feste Feste gefeiert haben. Wir waren alle Teil eines Ganzen mit individuellem Eigenleben. Das war einfach genial, die Kinder lebten mit Oma und Opa unter einem Dach, konnten zu ihnen gehen wann immer sie wollten. Als meine jüngste Tochter geboren war, da habe ich sie morgens, wenn ich meinen Sohn zu seinem Bus brachte, einfach zu meiner Mutter ins Bett gelegt, wo die beiden dann miteinander gekuschelt haben. Oder wenn ich mal unterwegs war, da war immer jemand da, der  unseren Andreas in Empfang genommen hat, wenn der Bus ihn wieder nach Hause brachte. Irgendwann war das vorbei, der Beruf zwang zum Umzug.

Meine andere Stadt, für die mein Herz ebenso schlägt, das ist Berlin. Eine Stadt aus der ich mich dauerhaft nicht mehr wegdenken kann. Eine Stadt, die niemals schläft, zwar manchmal verschlafen ist, aber dennoch gewaltige Entwicklungsschritte gegangen ist. Aus zwei mach eins, füge zusammen, was zusammen gehört. 1992, kurz nach der Wende zogen wir hierher. Damals war die Teilung optisch noch sichtbar und nicht nur das, auch in den Herzen der Menschen war da eine Teilung. Zugegeben, das ist heute ab und an immer noch so und ich denke, dass das noch eine Zeit dauern wird, bis wir alle eins sind, nicht mehr Ost und nicht mehr West, nur noch Berlin.

Berlin eine Stadt mit Neuem und Altem, mit Herz und Verstand, mit einem Haufen Schulden, aber dafür mit Charme. Wann immer man hier etwas braucht, man bekommt es. Es gibt Supermärkte, die habe rund um die Uhr geöffnet, einen letzten Café, früh am Morgen kann man immer irgendwo trinken. Meine Töchter können sich nicht vorstellen in einer anderen Stadt zu leben als hier. Ich habe mir vorgenommen, durch Berlin zu ziehen und Häuser zu fotografieren. Alte und neue, schöne und verfallene. Mal sehen, was daraus wird.

Mein Herz schlägt für zwei Städte und ist dabei nicht zerrissen, beide haben Platz darin. In die eine kehre ich immer wieder zurück, in der anderen möchte ich bleiben.

 

 

Bilder eines Hauses, das mit aufgefallen ist. Ich würde es so gerne renovieren, in altem Glanz erstrahlen lassen. Welche Geschichte mag es erzählen, welche Geheimnisse birgt es, welche Menschen lebten in ihm. Diesen ARtikel habe ich geschrieben, weil das Monatsthema bei Raoul in Monat Mai „Meine Stadt“ ist. Den Link zu goodnewstoday findet ihr auf der rechten Seite.

 

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