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Ferienbeginn in Berlin!

Wenn ich richtig sehe, dann ist heute der letzte Schultag der Berliner Kinder vor den großen Ferien. Brandenburg zieht dann nächste Woche nach. Ferien, das war für mich als Mutter immer die schönste Zeit. Keine müden Gesichter morgens am Frühstückstisch und wenn, dann nur deswegen, weil sie am Tag davor ihr Leben genossen haben. Was machen wir eigentlich mit unseren Kindern?

Manchmal, wenn ich morgens die ganz Kleinen, die noch im Windelalter sind und schon so früh in der Kindergarten gebracht werden, dann überlege ich, ob es meine Kinder nicht besser hatten. Kindergarten war damals erst ab drei Jahre möglich. Vor allem im Winter. Ja, natürlich, ich weiß darum, dass es meistens gar nicht anders geht. Das respektiere ich und es geht gar nicht um die Frage, ob Mütter arbeiten müssen oder nicht, sondern, dass Arbeitgeber flexiblere Arbeitszeiten zulassen sollten, vielleicht Minikindergruppen einrichten sollten und und und. Das kostet Geld, ja, aber man könnte das vielleicht aufbringen bevor einiges davon nach Nimmerland verschoben wird. Meine Kinder gingen ab dem Alter von drei Jahren in den Kindergarten, Andreas war vier Jahre alt, arbeiten gehen, das ging bei seiner Erkrankung nicht. Also musste zu Hause bleiben und wenn nicht zu Hause, dann doch irgendwie erreichbar und das ohne Handy. Ich weiß, als meine Großen noch klein waren, war ich war jeden Tag mit ihnen unterwegs, mit und ohne Oma. Wenn mit Oma, dann mit zwei Kinderwagen, für den Fall, dass mein Sohn einen Anfall hatte, wenn ohne Oma, dann mit einem Doppelsitzer. In Parks, auch in der Stadt, zu den Omas und das kilometerweit und alles zu Fuß. Ja, so war das. Nix Bus, oder Öffentliche, alles zu Fuß bei Wind und Wetter.

Irgendwann dann, waren sie alt genug für den Kindergarten. Morgens von 8 bis 12 Uhr, die ersten waren wir selten, Andreas wurde mit dem Bus in einen speziellen Kindergarten gebracht. Nachmittags konnten die Kinder von 14 Uhr bis 16 Uhr nochmals gehen, wenn sie das wollten. Andreas kam um 16 Uhr herum wieder mit dem Bus nach Hause.

Dann kamen sie in die Schule, Andreas in eine Schule für geistig behinderte Kinder, genau so hieß das und meine Tochter in eine Grundschule, ein Jahr früher als das üblich war. Die Grundschule war recht easy, mein Neffe ging dort auch hin und da wir alle in einem Haus gewohnt haben, war das perfekt, es war immer jemand da. Wir sind dann nach Berlin gezogen. Irgendwann war dann auch meine Jüngste in der Schule. Ich hatte drei Schulkinder und drei verschiendene Schultypen zu Hause: eins, das nicht immer konnte, auch wenn es wollte, eins, dessen Bemerkung was es sonst mit seiner Zeit machen soll, wenn nicht in die Schule gehen, wo man immerhin seine Freunde trifft und eins, das null Bock auf Schule hatte. Abschluss haben sie alle und gut. Es war für mich obergrausam sie morgens zu wecken, weil auch hier vollkommen unterschiedliche Typen am Tisch saßen: eins, das man immer vorantreiben musste, das bei allem Hilfe brauchte, das andere, das vor dem ersten Bissen nie ein Wort sprach, das dritte, das nix aus der Ruhe bringen konnte. Aber irgendwie ging das immer ziemlich reibungslos.

Trotzdem für mich, in meiner heutigen rückwärtigen Betrachtung, hat ein Kindergarten und eine Schule, egal von welchem System, egal von welcher Ausrichtung, immer etwas in ihrer Art mit einer Kasernierung zu tun. Ja natürlich, das war in meiner Schulzeit noch mehr. Ich habe das nie so empfunden und ich bin sehr gerne in die Schule gegangen, aber das ändert an meiner Sichtweise nichts. Ob ich jetzt Lehrer habe, die mit Stöckchen schlage, übrig gebliebene 68iger, die heute eine Kitas betreiben oder Lehrer sind oder ob das Lehrer sind, die nicht mehr Herr ihrer Klasse sind, ist wurscht. Alles hat etwas von Kasernierung.

Wenn ich heute meine Kinder in die Schule schicken müsste und die Wahl hätte, die ich damals nicht hatte, dann würde ich meine Kinder, glaube ich jedenfalls, in eine anthroposophische Schule schicken. Es geht nicht darum seinen Namen tanzen zu könne, oder über Tische und Stühle zu laufen, wenn man Bock darauf hat, sondern darum, dass dort die Fragestellung mit der Kinder konfrontiert werden eine andere ist, dass Kinder ein vollkommen anderes Verständnis von Vorgängen haben, andere Frage stellen, die sind einfach anders drauf. Das hat nichts damit zu tun, dass es bessere Menschen sind, das ganz sicher nicht, die sind nicht besser und nicht schlechter als alle anderen Kinder auch. Man muss nicht Steiner verfallen sein, um Himmels Willen, weil  mir hier die moderne Anpassung stellenweise zu sehr fehlt, das ist wie mit den ewig gestrigen 68igern, die den alten Zeiten nachweinen. Nein, das nicht, sondern ich habe mal einen Artikel gelesen über genau diese anthroposophischen Schulen in Amerika und dass Universitäten dort Absolventen von diesen Schulen mit Kußhand nehmen würden, weil diese z.B. in ihrer wissenschaftlichen Denkweise eigenständiger sind, selbstständiger arbeiten und die richtigen Fragen zur richtige Zeit stellen und obendrein auch noch die Antwort dazu suchen. Selbstständig und ohne Befehl. Nein, ich bin keine Anthroposophin, aber sei es drum, ich kann nichts dafür, dass ich diese Schulform nicht die schlechteste finde.

Aber mein Problem ist das alles nicht mehr, ich bin lange schon raus aus dem Thema, meine Jüngste ist dieser Wochen mit ihrer Ausbildung fertig und wird sich nun auf einen Studiengang konzentrieren wollen. Mal sehen, was das wird. Also ich bin raus aus dem Schlamassel, meine Kinder nicht, weil sie genau vor den Fragen stehen, was das Beste für ihre Kinder ist, jetzt das Kleine. Mischformen sollen gut sein würde ich mal meinen.

Heute gibt es Zeugnisse. Allen Eltern, deren Kinder kein so gutes Zeugnis nach Hause bringen sei gesagt, es gibt Schlimmeres, es gibt Gemeineres als ein schlechtes Zeugnis. Nehmt sie in Eure Arme tröstet sie, habt sie trotzdem lieb, es sind und bleiben, egal was immer sie auch anstellen, Eure Kinder. Auch wenn die Klasse wiederholt werden muss, das wusstet ihr alle schon seit Wochen. Kein Grund ihnen die Ferien zu vermiesen oder sie lernen zu lassen, dafür sind die Ferien nicht da. Bleibt ruhig und gelassen an diesem Tag mit Euren Kindern und gemeinsam mit ihnen: Laßt es Euch gut gehen.

 

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