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Freunde

Ich bin eindeutig ein Familienmensch, ohne sie wäre ich nicht das was ich bin. Aber fast genauso wie ich meine Familie brauche, brauche ich meine Freunde.

Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Ein Spruch an dem etwas Wahres dran ist und dennoch ist das nur die halbe Wahrheit. Freundschaften finden sich von selbst, man kann sie aussuchen, aber nicht erzwingen, nicht halten, wenn sie nicht zu halten sind. Man kann sie hegen und pflegen wie eine Primel und manchmal doch nicht verhindern, dass sie eingeht. Die Gründe dafür zu suchen ist unsinnig, das ist dann eben so. Die Entwicklung der Beteiligten geht in unterschiedliche Richtungen, die Interessen sind nicht mehr die gleichen, es gibt so viele Gründe, ihnen immer im Einzelnen nachzugehen, das bringt nichts.

Man trifft Menschen zu denen man sich sofort freundschaftlich hingezogen fühlt, die das selbst ebenso spüren und diese Gefühle aufnehmen und erwidern. Dann entwickelt sich das was man Freundschaft nennt. Wie tief sie wird, das erkennt man erst im Laufe der Zeit. Ein wenig hängt das auch damit zusammen wie hoch mal selbst die Messlatte an eine Freundschaft legt. Zu hoch ist nicht gut, zu niedrig auch nicht, die goldene Mitte ist wäre der Idealfall. Das aber muss jeder für sich selbst entscheiden. Geben und nehmen wird sich die Waage halten, es wird Zeiten geben, da nimmt man mehr und Zeiten da wird man mehr gefordert sein zu geben.  

Manchmal halten Freundschaft ein Leben lang, gehen durch Höhen und Tiefen, trotzen Schicksalsschlägen, halten Stürme und Missverständnisse aus, werden durch die Klärung dieser eher noch gefestigt.  Dann wieder, ohne dass man einen wirklichen Grund sieht, beginnt eine Freundschaft zu bröckeln und egal was immer man auch tut, die entstandenen Risse lassen sich nicht mehr kitten. Wie der Sand in einer Eieruhr sich nach dem Umdrehen nicht mehr stoppen lässt, zerrinnt das was sie hält und irgendwann wird der Zerfall nicht mehr aufzuhalten sein. Das schmerzt, aber manchmal muss das eben wohl so sein. Vielleicht sollte man das als Chance begreifen, seine eigene Einstellung zum Thema Freundschaft zu prüfen, vielleicht neu zu definieren und offen für neue Begegnungen zu sein.

Freundschaft darf nicht bedeuten sich selbst zu verbiegen, seine Linie zu verlassen, aber auch nicht den Freund, die Freundin auf die eigene Linie zu bringen. Man wird sich ergänzen in seinen Fähigkeiten, Erfahrungen, aber sich auch ähnlich sein, wird zwei Köpfe sein, die einen Gedanken haben. Veränderungen des Anderen wird man hinnehmen, weil man weiß, dass das umgekehrt auch der Fall sein wird. Schicksalsschläge prägen auch eine Freundschaft, aber auch persönlicher Erfolg oder Misserfolg können Ausschlag für Veränderungen  sein. Auf Freundschaften, die wie Banken nur in Sonnenzeiten den Schirm aufhalten, kann gerne verzichtet werden. Aber auch das erkennt man wie im Fall der Banken auch erst dann, wenn es schon stürmische Zeiten gegeben hat. In der Not erkennt man seine wahren Freunde. Das unterschreibe ich so sofort. Das Leben läuft nun mal nicht gleichmäßig, meins zumindest nicht und es gab Zeiten zu lachen und Zeiten zu weinen. Ist eine Freundschaft, die nur die fröhlichen Zeiten aushält, eine wirkliche Freundschaft?

Was darf man von seinem Freund, seiner Freundin erwarten? Dass sie da sind, wenn niemand mehr da ist? Dass sie nachfragen wie es geht, wenn sie wissen, dass der andere mordsmäßigen Trouble hat, egal welchen? Dass sie mit einer Pizza oder einem Hähnchen oder einem Hamburger und einem Sixpack Bier kommen, wenn sie wissen, dass man mitten im Umzug steckt? Oder einfach nur mal anrufen und fragen wie es geht. Dass sie kommen, einfach schweigend da sind, wenn der absolute „worst case“, der Tod eines lieben Menschen eingetreten ist. Man sollte sie mitten in der Nacht anrufen können, wenn ein schwerer Krankheitsfall eingetreten ist. Ich definiere Freundschaft für mich auf einem sehr hohen Niveau, lasse es aber zu, dass meine Freundinnen und Freunde dieses Niveau nicht halten müssen.

Wenn man das Gefühl hat, dass etwas im Argen liegt in einer Freundschaft, dann sollte man trotzdem versuchen nicht unnötig Porzellan zu zerschlagen, sich ein wenig zurück ziehen, Pause von den Freunden machen, egal ob es sich dabei um einen einzelne Freundin oder um die Freundschaft mit einem anderen Paar handelt.

Ich sehe im Moment eine Freundschaft ganz langsam dem Ende entgegen gehen, habe zumindest in meinem tiefen Innern dieses Gefühl, dass man sich zu sehr auseinander dividiert hat. Als befreundete Paare zumindest. Vielleicht bin ich aber im Augenblick nur zu empfindlich und reagiere zu sehr auf Kleinigkeiten, aber zugegeben, wenn genau das anfängt, dass man sich über Kleinigkeiten ärgert, dann sollte man in sich gehen, eine Pause einlegen. Ein klärendes Gespräch? Vielleicht, hängt davon wie sehr der Ärger am Unterbewusstsein zehrt. Wir sind einige Jahre zusammen gegangen, vielleicht kommen wir an der Weggabelung an, wo sie nach rechts und wir nach links gehen. Keine Ahnung. Ich werde abwarten, werde in Ruhe auf mich zukommen lassen, was ich eh nicht verhindern kann. Wenn es noch einige Jahre hält und das alles nur eine kurze Schwächeperiode war, dann freue ich mich darüber und werde froh sein, dass es so gewesen war.

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