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Genug der Buße, Ostern kann kommen

Eine gute Story zu finden oder zu schreiben ist eine Kunst, oder vielleicht doch nicht, weil das Leben es ist, das die besten Geschichten schreibt. Das ist unbestritten. Ein Film aus einer guten Geschichte zu drehen ist ebenso eine ganz eigene wie die Geschichte selbst. Aber ich frage mich im Moment wirklich warum wir im Augenblick nur Filme zu sehen bekommen, die aufarbeiten sollen, wo es nichts mehr aufzuarbeiten gibt. Oder doch? Oder gibt es da noch sehr viel mehr, das wir alle gar nicht wissen, oder ahnen.

Gestern Abend lief im ZDF Zeugin der Toten. Irreführender Titel. Der Film lebte nicht durch die Handlung, sondern allein durch die Schauspieler. Ich frage mich in welches Genre der Film gehört. Krimi, Spielfilm, Krimi mit Tatsachen-Hintergrund, Aufarbeitungsfilm wie der vom Film vom Zweiten Weltkrieg letzte Woche. Müssen wir nur noch aufarbeiten, Krisen überstehen, an deren Entstehung wir als Deutsche Schuld sind, oder dürfen wir auch wieder Spaß haben. Im Augenblick finde ich das nicht witzig. Überlegt mal, ihr wollt in Urlaub fahren, wo wollt ihr eigentlich hin? Spanien, Italien? Nicht wirklich. Griechenland, Zypern oder Portugal, gleich gar nicht. Sind wir überall Schuld daran, dass diese Länder sich in Situationen manövriert haben, deren Ausmaß sie selbst verursacht haben? Die Regierungen müssen doch gesehen haben wohin der Hase hoppelt, sie müssen doch gesehen haben, dass die Staatsschatulle, noch bevor es öffentlich geworden ist, lange schon leer war. Nun sind wir es, die bösen Deutschen, die sagen sie sollen das in Ordnung bringen, was sie selbst verdaddelt haben. Also ist nix mit Urlaub in warmen Ländern, frieren wir weiter.

Zurück zum Fernsehprogramm. Thema Aufarbeitung. Letzte Woche, die ganze Woche durchgehend und die Woche davor auch. Ich betone laut, sehr laut, dass das was sich während der Zeit des Nazi-Regimes ereignet hat, nie wieder ereignen darf. Aber ich weiß nicht, warum ich deswegen mir Filme anschauen soll in denen Krieg gespielt wird. Meine Eltern haben offen über den Krieg gesprochen, darüber was sie getan haben oder nicht. Meine Schwiegereltern übrigens auch und deren Geschwister auch. Wir haben danach gefragt ohne sie anzuklagen, weil es da nichts anzuklagen gab. Weder in meiner Familie, noch in der meiner Schwiegereltern. Es war Krieg. Ausnahmesituation. Krieg kann niemand gut heißen, zu keiner Zeit aus keinem Grund. Kein Massenmord kann ethisch begründet werden. Es darf keinen Toten aus Glaubensgründen geben. Das war zu keiner Zeit gerecht, egal wer immer Täter oder Opfer gewesen war.

Ich war in Sachsenhausen gewesen, im Rahmen meiner späten Schulzeit. Mir wurde bitter bewusst, dass mein Sohn mit seiner Krankheit und Behinderung mit Sicherheit abgeholt worden wäre, sofern ich ihn nicht hätte gut verstecken können. Mein Kind, mein Sohn.

Krieg ist immer das blödeste aller Mittel. Ich werde das in meinem Leben nicht mehr begreifen, weshalb Waffen sprechen müssen und ich bin überzeugt davon, dass die Menschen keinen Krieg mit ihren Nachbarn wollen.

Der Film gestern Abend hat allein durch die Schauspieler gelebt. Ansonsten –na ja. Das bedeutet nicht, dass mir Schicksale von Menschen egal sind, sofern sich das so abgespielt haben könnte. Ich kann nicht nachvollziehen wie ein Staat sich so aufspielen kann. Auf der anderen Seite frage ich passiert das nicht immer und immer wieder in Ländern, die Demokratie vorgeben und Diktatur leben? Dort, wo freie Meinungsäußerung, wo Pressfreiheit nicht gegeben ist, wo unliebsame Oppositionelle eingesperrt oder umgebracht werden, überall dort, kann ich mir gut vorstellen wird so Druck ausgeübt werden. Wie bescheuert ist das alles. Wie bekloppt ist das? Haben wir nicht andere Probleme zu lösen, global, mit vereinter Kraft, unabhängig von Hautfarbe, Religion und Geschlecht? Vielleicht wäre es intelligenter einen Film zu drehen, dessen Basis eine ganz andere Geschichte ist, die den friedlichen Weg zeigt, aber ich schätze, das interessiert nicht, weil zu wenig spektakulär.

Nun haben wir mit zwei Filmen genug Buße getan, das Osterfest kann kommen. Da wir wohl ein bescheidenes Wetter haben werden, wünsche ich mir ein ausgedehntes Super Osterprogramm. In die Zeitung schaue ich lieber noch nicht. Im Zweifelsfall werde ich über die Videothek herfallen und diese nach guten Filmen durchwühlen oder ältere einfach noch mal schauen. Ob das da draußen einladend werden wird? Ich weiß es nicht, ich glaube hier in Berlin nicht wirklich. Wie das Wetter auch werden wird, für heute gilt wie immer: Laßt es Euch gut gehen.

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