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Gesundheitswesen ist krank

Manchmal, wirklich nur manchmal kann ich ordentlich Wut bekommen, wenn ich manche Beiträge im Fernsehen sehe. Nicht nur wegen der Fakten, die dargestellt werden, sondern auch wegen der abgegebenen Kommentare, wenn es darum geht zu gucken warum etwas ist wie es ist. Europaweit wird in Deutschland am häufigsten operiert. Die Zahlen belegen es und wer war noch nie unter dem Messer? Natürlich muss immer operiert werden, wenn es darum geht so lebensbedrohliche Zustände zu beenden, das ist keine Frage, aber zu operieren, wenn die Aussicht besteht, dass ein natürlicher Heilungsprozeß auch seine Arbeit tut, ist und bleibt fragwürdig, vor allem dann, wenn bekannt wird, dass es hier nur um den finanziellen, nicht den medizinischen Aspekt geht und wenn es schon gar nicht um den Patienten selbst geht.

Gestern, ich glaube das war bei WISO, ging es unter anderem darum, dass hierzulande fröhlich Menschen operiert werden, obwohl sie nicht operiert werden müssten, weil eine OP mehr Geld einbringt als eine konservative Therapie, die obendrein längere Zeit braucht. Dass dem so ist liegt daran, dass ein Arzt pro Quartal für einen Patienten, egal ob er die Praxis drei Mal aufsucht oder dreizehn Mal, pauschal einen Betrag bekommt. Ich kann verstehen, wenn die Ärzte sagen, dass sie keinen Bock mehr haben als niedergelassene Ärzte zu arbeiten. Dennoch ist das kein Grund immer gleich zu operieren, denn ich sage das mal so: Eine unnötige Operation ist Körperverletzung! Das noch mehr, wenn Patienten, wenn sie eine OP ablehnen, dann damit unter Druck gesetzt werden, dass sie scheinbar gar nicht gesund werden wollen. Im Übrigen besteht ein außerordentliches gesundheitliches Risiko in ein Krankenhaus gehen zu müssen, das mit der Hygiene klappt nicht ganz so und wer einen solchen Aufenthalt übersteht, der muss, sagt man hinter vorgehaltener Hand, über eine gute Konstitution verfügen. Ich habe das bei meiner Mutter erlebt, die sich Keime ohne Ende eigefangen hat, eine falsche Behandlung überstehen musste, weil die Ärzte anstatt an ihrer Medikation zu zweifeln, es als gesichert ansahen, dass sie dement ist und wir als Familie das über all die Monate, da dieser Prozeß schon andauern musste, nicht sehen wollten. Sie konnte sich von all dem erholen und erfreut sich heute bester geistiger Gesundheit. Indes wird an deutschen Krankenhäusern fröhlich weiteroperiert, ob das nun notwendig ist oder nicht. Wer hat Schuld daran? Laut dem Präsidenten der Bundesärztekammer Herrn Prof. Dr. Montgomery, sind es die Alten, die Schuld an dem Dilemma haben, denn wenn diese kommen und haben Knie, dann muss man, um die Schmerzen zu nehmen, da ein neues einsetzen. Im Übrigen sind sie alle übergewichtig und da ist das kein Wunder, dass es so kommt. Weshalb aber ist die Anzahl der Bandscheiben-OPs so rasant angestiegen, die in sehr vielen Fällen absolut unnötig sind? Viele Patienten wissen auch nicht um ihr Recht, sich eine zweite Meinung einholen zu können, werden dahin gehend gar nicht aufgeklärt. Bevor man sich operieren lässt, außer im absoluten Notfall, sollte man sich immer eine zweite Meinung von einem Arzt einholen. Ich denke, dass eine OP immer nur der absolut letzte Ausweg ist, wenn sonst nichts mehr geht und bevor ich mich einer OP unterziehen würde, muss schon sehr viel passieren, denn jede OP bringt eine offene Wunde mit sich und bei unserem derzeitigen Hygienestandard bedeutet das Lebensgefahr. Allein deswegen wundert mich, dass viele Patienten so schnell bereit sind sich in die Hände eines Chirurgen zu begeben, dessen Berufsstand Garantie dafür ist, dass er schnippeln will und nur selten eine andere Therapie-Idee hat. Ein IT-Spezialist will ja auch sein Produkt an den Mann oder die Frau bringen. Merkwürdigerweise holt man als Kunde mehrere Angebote ein, lässt sich mehrere Lösungen des Problems aufzeigen. Das tut Mensch in der Regel selten dort, wo es seinen Körper betrifft. Ich mache in Selbsthilfe und habe hier gerade in den letzten Wochen dadurch, dass ich zwei der Gruppenmitglieder aufgefordert habe, sich eine zweite Meinung einzuholen, sie davor bewahren können, dass sie falsch therapiert wurden. In beiden Fällen ergab diese zweite Untersuchung eine andere Diagnose. Mag sich jeder selbst seine Gedanken darüber machen.  Ich finde es nicht okay, dass Ärzte pro Quartal für ihre Patienten einen Fixbetrag bekommen, egal wie oft dieser im Wartezimmer Platz nimmt. Nicht anders ist das mit der Fallpauschale, deren geringster Anteil den Personalkosten zukommt, was nicht korrekt ist, weil das zu einer Überforderung der Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen führt, weil da niemand aufpasst, wie und ob die Kranken versorgt werden und sich keine Gedanken über das Personal gemacht wird, wenn eine Schwester eine Menge an schwer pflegebedürftigen Menschen zu versorgen hat, die sie waschen, wickeln, füttern, regelmäßig lagern muss. Das belastet Menschen dieses Berufsstandes über Gebühr, nicht nur körperlich, auch mental. Auch im Gesundheitswesen wachsen die agierenden Unternehmen langsam aber sicher zu Großunternehmen, die allein auf Profit aus sein müssen, da der geneigte Geldgeber eine ordentliche Rendite haben möchte, dass dies zu Lasten des Personals und in der Folge dann auch der Patienten geht, wird angesichts klingender Münze nur allzu gerne übersehen.  

Ich könnte einiges mehr schreiben, aus der Sicht des Studiums, aus der Sicht als Patientin, aus der Sicht als Familienangehörige. Ich gehe, genau aus diesem Grund und aus eigener Erfahrung und aus der Erfahrung durch meinen Andreas sehr ungern zum Arzt und vermeide dies wo ich nur kann. Allein der Gedanke in einem Wartezimmer zu sitzen, ist schon einen Alptraum wert. Dabei ist es egal, ob ich zehn Minuten oder zwei Stunden sitze, unterm Strich bleibt das gleiche unangenehme Gefühl. Ich glaube jeder hat seine Erlebnisse in dieser Richtung, oder kennt jemand, der jemanden kennt und ja, ich weiß man hört immer nur die bösen Geschichten, die mit unschönem Ausgang, die bei denen etwas schief gegangen ist, die anderen, die guten die sind hier schnell vergessen. So gesehen bleibt mit am Ende nur zu sagen: Laßt es Euch gut gehen!

 

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