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Gewohnheitstiere

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich behaupte das jetzt einfach mal so. Der eine Mensch ist das mehr als der andere. Was sagt ihr? Ich höre ein wenig schlecht. Ihr seid das nicht? Ihr braucht nur Eure Rituale und der Tag wird gut? Also doch Gewohnheitstier. Nein, nein höre ich Euch sagen, das ist etwas anderes. Ist es das? Nein, ist es nicht.

Das fängt schon damit an, dass man es gewohnt ist am Morgen seinen Kaffee zu trinken, seinen Tee oder was auch immer. Oder ist es Ritual morgens zu allererst die Kaffeemaschine einzuschalten, die Butter aus dem Kühlschrank zu holen und dann erst ins Bad zu gehen, oder zum Bäcker, oder mit dem Hund durch Berg und Tal zu wandern? Ich denke, der einzige Unterschied zwischen Ritual und Gewohnheit ist die persönliche Definition. Wenn ich früher zu Businessterminen, ja so etwas gab es auch mal in grauer Urzeit, gegangen bin, die mir wichtig waren, dann habe ich kurz davor ganz bestimmte Handlungen vollzogen: Ich habe im Auto meine Lippenkontur nachgezogen, habe Lippenstift aufgetragen und bin dann erst aus dem Auto ausgestiegen. Männer mögen dann prüfen, ob die Krawatte richtig sitzt und zuerst mit dem rechten Bei aussteigen. Das ist für mich ein Ritual, weil diese Handlung, ich meine nun das Lippen nachziehen, mir auf seltsame Art und Weise Halt und Sicherheit gegeben hat. Normalerweise mache ich das so nicht. Ob ich das so noch mal machen würde? Ich weiß es nicht, keine Ahnung.

Der Gewohnheit unterliegen zum Beispiel meine Küchengeräte, ich weiß wie sie funktionieren, weiß wie weit ich damit gehen kann, was sie leisten können. Das weiß ich mit meinem Handy, na ja fast jedenfalls. Seit ich mit meinen Fingern auf dem Display rumtatschen muss, ist das nicht mehr so flott wie zuvor und meine Kinder müssen leiden, weil sie oftmals erst die Buchstaben sortieren müssen um zu verstehen was ich meine. Das brachte mir schon mal gelegentliche Lacher ein. Auf der anderen Seite ich kann mit meinem Handy telefonieren, kann damit fotografieren, das Bild schließlich auch verschicken, inzwischen auch zu FB, kann SMS verschicken, den Wecker einstellen, kann den Ton ausschalten, was will ich mehr? Mit meinem Computer ist das ähnlich. Fernseher und DVD-Spieler, ok, aber bitte keine Störung, denn das ist manchmal so kompliziert, dass ich schreiend davon laufen könnte. Ich habe mich an die meisten Geräte gewöhnt und wehe, wenn da eine Störung kommt, eines der Geräte, wegen Altersschwäche, gegen ein neues Gerät ausgetauscht werden muss, für dessen Gebrauchsanweisung man eine weitere Gebrauchsanweisung haben muss, um zu verstehen was da geschrieben steht. Technik ist nicht immer ein Segen für den gebrauchenden Menschen.

Ich hasse es, wenn das Handy seinen Dienst versagt, James Bond zusammenbricht, weil er heiß läuft und dessen Tasten ich in liebevoller, jahrelanger Kleinarbeit von aufgedruckten Bruchstaben befreit habe.

Taste

 

Wir sind lange zusammen gegangen, werden auch noch weiter zusammen gehen sofern die Reparatur das Ergebnis bringt, das erwarten werden muss, um relativ geräuschfrei arbeiten zu können. Ich sehe mich schon mit Gehörschutz vor dem Gerät sitzen und tippen. Ein neues Gerät, egal ob das Rührmaschine, Waschmaschine, Handy oder Computer ist, man muss sich erst aneinander gewöhnen. Oder etwa nicht? Etwas, das ich wirklich nicht würde haben wollen sind PCs oder Laptop, dessen Bedienung via Touch am Bildschirm funktioniert. Wo kommen wir denn da hin, wenn man nicht mal mehr ein Butterbrot bei der Arbeit essen kann? Nervt mich schon, dass ich auf dem Handy ständig Fingerabdrücke habe.

 

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