Archiv
Kategorien

Kreatives Leben

Ist das Sommer oder was? Meteorologisch ist Sommer, kalendarisch auch, was hindert ihn daran zu kommen? Zugegeben so ganz unrecht sind mir diese frischen Temperaturen nicht, wobei zwei, drei Grad mehr nicht übel wären. Aber wie das immer so ist, das Leben ist kein Wunschkonzert und das Wetter tut was es will. Es fragt uns nicht, ob wir es frischer oder wärmer haben wollen. Wenn es dann wärmer wird, in Richtung sommerlichen 30°C dann stöhnen alle gleich wieder. Recht machen kann das Wetter es auch niemandem.

In den vergangenen Tagen und Wochen habe ich mich mit Kollegen der schreibenden Zunft unterhalten. Wie man das heute in moderner Art so tut, per FB, Mail, Telefon, schließlich wohnen wir alle nicht Tür an Tür. Eben mal zum Nachbarautoren zu gehen ist also nicht. In der Hauptsache haben wir uns über die Lage auf dem Büchermarkt unterhalten, die Problematik einen Verlag zu finden, dass viele Nichtautoren auf den Markt drängen, die, weil sie prominent sind, ihre Erlebnisse aufschreiben (lassen), dass kleine Verlage guter Autoren Tod bedeuten können.

Fangen wir am Anfang an. Ein Verlag plant die Bücher, die in seinem Haus erscheinen, bereit ein Jahr und mehr im Voraus. Sein Pool besteht aus den Bestsellergaranten, bestehend aus Bestsellerautoren und Prominenten, die auf die Idee kommen ein Buch zu schreiben oder schreiben zu lassen, Klassikern und 1-3% unbekannten Autoren. Bestsellerschreiber garantieren mit jedem weiteren Werk Absatz und wenn es dem ersten noch so ähnlich ist, dass man sich das Lesen des zweiten im Grunde sparen kann. Klassiker sind ein Muss und Werke von Goethe, Schiller und wie sie alle heißen, die alten Schreiberlinge und bei unbekannten Autoren finden auch blinde Hühner mal ein Korn. Das sind die Anbieter.

Dann kommen die Vertreiber wie Amazon, Thalia als Großanbieter, die bestimmen wie hoch ihre Marge für den Vertrieb ist und natürlich, weil sie es können, den letzten Rest rausquetschen. Sie bestimmen wo das Werk des Autoren in der Buchhandlung zu finden ist: vorne auf dem Tisch oder als Bestellung m PC. So ist das nun mal. Alles vorgegeben, alles diktiert. Das wird in anderen kreativen Berufen nicht anders sein. Du musst riesiges Glück haben, zur rechten Zeit am rechten Ort sein und dann obendrein auch noch den Auftrag bekommen, der den Durchbruch geradezu mit Abschluß ins Haus trägt. Das trifft Werbetexter, Grafiker ebenso wie Drehbuchautoren, Produzenten. Du kommst nicht gegen die an, die fest im Sattel sitzen, bekommst gelegentlich noch nicht mal eine Chance dein Können unter Beweis zu stellen. Durch meine Kontakte höre ich eine Menge. Man muss  nur mal die Presse verfolgen: Man nehme Bohlen, setze jetzt, da das Supertalent Zuschauer eingebüßt hat, Gottschalk und Hunziker dazu und versuche das sinkende Schiff flott zu bekommen. Anderes Beispiel: der Hesse, der bei Bohlen DSDS gewonnen hat, wie heißt er noch mal? Mark Medlock verkündete er beendet seine Gesangskarriere. Kein schlechter Gedanke von ihm, natürlich wird er zuvor noch eine CD machen (treibt den Verkauf an), dann will er ein Buch schreiben (warum und über was?), eine Modelinie kreieren und Parfum herstellen. Warum singt er nicht einfach weiter? Jeder/jede, die in irgendeiner Art und Weise je öffentlich aktiv war, fängt irgendwann mal an ein Buch zu schreiben, Mode zu machen und Parfum zu vertreiben. Er ist bitte nur ein Beispiel, exemplarisch für die vielen, die ihren Namen benutzen wollen, um weitere Märkte zu erobern. Stellt sich die Frage wer die vielen Bücher lesen soll, die Mode tragen und das Parfum an sich verteilen? Zwangsläufig verkleinert sich der Kuchen, den es zu verteilen gilt, immer mehr.

Zurück zu den Verlagen. Viele wirklich gute Autoren gehen dann zu kleineren und kleinen Verlagen. Manchmal schießen sie Druckkosten zu, um eine höhere Auflage mitzufinanzieren, manchmal übernehmen sie diese ganz, wenn sie Glück haben bleibt ihnen das erspart. Was aber an der Stelle dann gänzlich versagt ist die PR-Abteilung. Das hat aber mehrere Gründe warum das nicht funktioniert, erst mal nicht. Das ist keine Kritik, das ist einfach so. PR ist teuer. Wenn ein Verlag möchte, dass sein Buch in einer Zeitschrift rezensiert wird, dann muss er in irgendeiner Art und Weise eine Anzeige schalten. Meistens jedenfalls. Die Bücher, die aus Verlagen mit geschalteten Anzeigen kommen, haben Vorrang. Die Bücher von bereits bekannten Autoren sowieso, der Platz für Rezensionen ist begrenzt. Der Verlag kann, wenn überhaupt PR nur in seinem direkten Umfeld leisten. Reisekosten zu finanzieren ist nicht drin. Manche verfallen dann dem Irrtum, dass Masse das Problem löst und produzieren Buch um Buch und wundern sich, wenn sie irgendwann insolvent sind. Die Bemühungen der Autoren laufen aus genau genannten Gründen ins Leere. Nur wenige kleine Verlage schaffen es sich zu etablieren, vor allem dann, wenn sie eine Nische im Markt für sich entdeckt haben und diese ausfüllen. Stellt Euch mal vor Frank Schätzing bringt ein Buch auf den Markt und niemand schreibt darüber. Oder Karin Slaughters neues Buch würde ignoriert werden. Ich glaube die Umsätze wären dann längst nicht so gut. Es gibt bei den kleinen Verlagen mit Sicherheit Autoren, die nicht schlechter schreiben wie Schätzing oder Slaughter, sie habe nur das Pech, dass die Lektoren großer Verlage dies nicht erkannt haben, denn von ihnen hängt fast alles ab.

Werfen wir noch einen Blick in die Talkshows, ein weiterer Teil der PR-Arbeit für ein Buch, einen Film. Dort sitzen Prominente, die ihr Buch vorstellen dürfen. Warum sie und nicht der kleine Autor aus dem kleinen Verlag. Nun der prominente Schreiber ist eher dafür prädestiniert die Einschaltquote nach oben zu treiben als der unbekannte Autor, die unbekannte Autorin. Wir sprechen von werberelevanten Zuschauern, die jeder Sender gerne für sich gewinnt. Das ist alles normal, das ist o.k., obwohl jeder Autor sich natürlich wünscht, dass sein Werk beachtet wird. Das muss nicht auf den Bestsellerlisten oben stehen, aber es soll beachtet werden. Das ist angesichts der Fülle der Bücher, die inzwischen von ursprünglichen Nichtautoren geschrieben werden, auch nicht möglich. So viel Sendezeit hat keine Talkshow. Die Mischung würde es machen. Hand aufs Herz, wie viele Prominente würde nicht in Talkshows sitzen hätten sie kein Buch geschrieben? Gestern saß da zum Beispiel bei Lanz Maximilian Schell, der gerade eben ein Buch veröffentlicht hat. Allerdings versuchte er im Laufe der Sendung immer mal wieder selbst es ins Gespräch zu bringen, was ihm eher schlecht als gut gelungen war. Wäre er gestern eingeladen worden, wenn er dieses Buch nicht geschrieben hätte, so wie ich ihn verstanden habe, hätte schreiben lassen? Ghostwriter müssen in dieser Zeit gerade Hochkonjunktur haben.

Das soll keine Kritik an einzelnen Zeitungen, Sendern, Verlagen, Unternehmen sein, sondern nur die Beschreibung einer Situation wie sie ist. Die Situation kreativ arbeitender Menschen ist nicht sehr einfach und oftmals muss man zu seinem Lebensunterhalt dazu verdienen, weil man von den Einnahmen aus seinem kreativen Schaffen einfach nicht leben kann. Natürlich ist nicht jeder Autor, jede Autorin so gut, dass sie bestsellerverdächtig sind und manche schreiben grottenschlecht. Das ist aber bei Fotografen, Textern, Moderatoren, Comedians, Drehbuchautoren mitsamt dem Rest der Film- und Fernsehschaffenden wie Regisseure, Schauspieler und wer da alles dazu gehört, nicht anders.

Ich kaufe grundsätzlich kein Buch eines Prominenten, das in einer Talkshow angeboten wird. Mal ehrlich wie käme ich dazu ein Buch von Mark Medlock zu kaufen, wenn ich noch nicht mal seine CD gekauft habe, geschweige denn weiß was er singt? Das müsste schon ein Hammerkrimi sein, dass ich das Buch kaufen würde. Seine Memoiren interessieren mich nun wirklich nicht. Nö, nicht wirklich.

Das ist nur ein kleiner Abriß wie das Autorenleben ist, das Leben kreativ arbeitender Menschen. Wenden wir uns von den alltäglichen, kleinen Kämpfen den schönen Seiten des Lebens zu: erstes Halbfinalspiel heute Abend. Wer wird gewinnen? Ehrlich keine Ahnung, für die deutsche Mannschaft wird es egal sein, denn wer Europameister werden will, der muss so gut sein, dass er alle anderen Mannschaften besiegen kann. Könnte ein spannender Fußballabend werden. Wo immer ihr Euch das anschaut, was immer ihr dabei tut: Laßt es Euch gut gehen.

 

 

Website Pin Facebook Twitter Myspace Friendfeed Technorati del.icio.us Digg Google StumbleUpon Premium Responsive

Kommentieren