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Lanz kocht

Ich bin Fan. Jeder ist das irgendwie. Manche sind laut, schreien sich im Fußballstadion die Seele aus dem Leib, andere sind stille Genießer und somit Fan des Glas Rotwein bei klassischer Musik. Jeder Mensch kann beides: laut mitsingen oder still zuhören. Im Olympiastadion laut mitsingen, wenn Grönemeyer Konzert gibt ist einfach und es ist egal ob das gut oder schlecht klingt, der nebenan hört das sowieso nicht.

Es gibt Sendungen im Fernsehen, die sehe ich recht gerne, bei anderen bin ich froh, dass die Aera vorbei gegangen ist, wie die Talksendungen mittags. Grauenvoll. Eine Zeitlang habe ich am Freitag „Lanz kocht“ angeschaut, inzwischen finde ich das sehr schwierig, da der Beginn der Sendung so spät ist, dass ich da meist schon im Reich der süßen Träume bin. Ich finde das sehr schade und finde keine wirkliche Begründung dafür. Also was bleibt? Selbst mal hinfahren und sich anschauen was passiert. 

Vor Monaten schon habe ich mich um Karten bemüht, ich glaube es war nun der zweite oder dritte Anlauf. Vollkommen überraschend schlug dann eine Mail ein, dass ich für die Aufzeichnung am 10. Juni zwei Karten bekommen könne. Na da sag‘ ich doch erst mal nicht nein. Gleich darauf telefonierte ich mit meiner Tochter, die Pflege und Betreuung unserer Oma war gesichert, ich konnte mich also auf diesen Tag freuen. Eine Freundin wollte mich begleiten.

Freitagmorgen, 6 Uhr früh hieß es dann aufstehen, was in sich kein Problem darstellt, da ich meist so früh saufstehe. Dann all den Pflichten noch nachgekommen, denen ich nachkommen musste, inklusive der eigenen Körperpflege und dessen Restauration für zehn Jahre jünger. Man weiß ja nie. Kurz nach 8 Uhr los zum Bahnhof, zwei Cappuccino und die Freundin eingesammelt und ab zum Zug. Wir saßen uns, nur getrennt durch einen Tisch gegenüber, haben ausgiebig das mitgebrachte Frühstück genossen und bis Hamburg ohne Unterbrechung und Luftholen gequasselt, einzig beim Kauen waren wir wohl erzogen still. Bis Hamburg war Frühstück und quasseln geschafft.

Hamburg – Dammtor sind wir ausgestiegen. Raus aus dem Bahnhof vergeblich am Stadtplan orientiert, falsche Richtung, zurück, anstatt zu Fuß nun ein Taxi genommen. Obwohl die Rotebaumchaussee gleich um die Ecke war, fühlte sich die Taxifahrt unendlich an. Trotzdem überpünktlich. Menschenpulk vor dem Eingang. Logischerweise geht man artig vorne hin, denn eine Schlange war nicht erkennbar, um zu fragen, wie … Einlass ab 10:30. Bei der Gelegenheit hätten wir gleich die 10 Euro berappen und unsere Sitzplatzkarten bekommen können. Ab 10:30 Einlass. Schön hinter einander, geordnet mit Abstand. Drinnen dann frische Getränke.

Es dauerte unendlich, bis wir dann in das Heilige Innere des Studios gehen durften, Reihe 8, letzte Reihe. Trotzdem kein schlechter Platz. Wer meinen Artikel über den Besuch einer Talkshow von Markus Lanz hier  http://bit.ly/iLgtaa gelesen hat, weiß schon eine Menge.  Irgendwie kam mir dann auch das eine oder andere Gesicht aus dem Team bekannt vor.  Wir nahmen alle Platz und fotografierten wie die wilden. Dann ging das los. Der Vorturner erschien. Nein, natürlich turnte er nicht vor, aber er heizte die Menschen an, die nun den Hintergrund für die Sendung bilden sollten. Natürlich wissen wir alle, dass man das technisch anders lösen kann, in dem man Beifall und Lachen einspielt, aber so scheint es dann doch authentischer. Mal gleich vorab: ich habe mich riesig darüber gefreut, dass ich, wenn auch sehr kurzfristig die Gelegenheit bekam nach Hamburg zu fahren, aber dennoch darf man trotzdem auch noch die eine oder andere kritische Bemerkung machen dürfen. 

Nachdem das Publikum erfahren hat, wie es sich zu verhalten hat, ich bin immer wieder überrascht wie gut einfache psychologische Tricks in der Masse funktionieren, wurde geradezu frenetisch Markus Lanz begrüßt. In seiner gewohnt lockeren, offenen und sympathischen Art war es für ihn kein Problem den Draht zu seinem Publikum zu finden. Er ist ein Sympathieträger, daran gibt es keinen Zweifel und er ist obendrein Herr der Lage. Wir sahen dann wer kochen würde, weil alle Köche ihre Kochplätze inspizierten, um sich nachdem der Trailer und Bilder für Programmzeitschriften aufgenommen waren, sodann vor dem Studio zu positionieren. Dann die Erkennungsmelodie, die Ansage, die Tür geht auf und wie wir das kennen stürmen die Köche herein, werden von Markus Lanz begrüßt und nehmen ihre Plätze ein.

Die Gewinnerin der wöchentlichen Küchenschlacht saß auch schon an ihrem eher karg gedeckten Tisch und wer nun wissen möchte weshalb ich nicht daran teilnehme, der kann das hier nachlesen: http://bit.ly/kDalQe wobei ich noch einen Nachtrag machen muss: Nein, ich bin kein Fan von verkochtem, schlabbrigem Essen, aber verstehe nicht weshalb ich alles halb roh essen soll. Das konnte mir bislang noch niemand erklären. Zurück zur Aufnahme.

Nun kochen sie drauf los, jeder sein Gericht, das von allen probiert und für gut oder schlechte befunden werden wird. Welche Gerichte das sind, müsst ihr selbst anschauen,  wenn die Sendung ausgestrahlt wird. Ich sag euch das dann noch rechtzeitig. Eins kann ich aber gleich sagen, dass das erste Gericht, das mit den rohen, harten Artischockenböden, schief gehen würde, hätte ich dem netten Koch zu dem Zeitpunkt schon sagen können, da dieses bereits in der Küchenschlacht vorgestellt wurde, von uns nachgekocht und als nicht gut erachtet worden ist, weil die Artischocken wie Alfons Schubeck das nannte, reichlich eingespeichelt werden mussten, um damit überhaupt etwas bewegen zu wollen.  Wir kennen diese Kochshow, kennen ihren Ablauf, so dass ich hier nicht mehr darüber erzählen muss.

Nach dem Kochen wurden die Zuschauer aufgefordert sich zu bedienen, was fast ausartete wie die Schlacht um den letzten Hummer am kalten Buffet, während auf der anderen Seite des Kochblocks bereits die Reinigungskräfte Vorbereitungen für die Aufnahme der zweiten Sendung an diesem Tag trafen.  Das ging so was von fix, Leute könntet ihr nicht mal bei mir vorbeischauen? Ich hätte da einiges zu putzen, plätten, schniegeln. Erstaunlich fand ich, dass die Zuschauer sich mit den Fingern in den Essen rumpohlten, was den nächsten dahinter nicht weiter zu stören schien, weil er es dem Vordermann gleich tat. Die können sich nicht alle gekannt haben. Das nenne ich aktive Keimverbreitung.

Das zum Ablauf. Während der Aufzeichnung nahm der Vorturner genau hinter mir Platz. Bitte, das kann ein sehr sympathischer Mann sein, keine Ahnung ich kenne ihn nicht. Seine Aufgabe ist es die Menschen an den richtigen Stellen zu Reaktionen zubewegen, die natürlich klingen und die dem Zuschauer am Bildschirm zu Hause eine angenehme Atmosphäre vermitteln. Nun dieser Mann mit der Aufgabe das Publikum zu lenken, saß also direkt hinter mir. Wenn ich ehrlich bin hat mich das total genervt. Das überkünstliche, laute Lachen, das natürlich seine Wirkung nicht verfehlte, das manchmal übereifrige und laufende Klatschen…

Es ist so, wenn ein Gericht fertig ist, dann probieren alle übrigen Köche und Markus Lanz das Ergebnis. Das wissen wir alle, die wir die Sendung je gesehen haben. Nun forderte der Mensch hinter mir nach jedem Kommentar zum Klatschen auf, das stört mich als Zuschauer am Fernsehen auch. Kann man das nicht darauf reduzieren, dass die Abforderung des Applaus‘ nach dem letzten Kommentar erfolgt?  In der Aufforderung zum Klatschen ging mitunter die Reaktion von Markus Lanz auf den Kommentar vollkommen unter.  Manchmal ist weniger mehr und wenn ich ganz, werklich ganz ehrlich bin, dann wäre ich froh gewesen, wenn der nette Mensch hinter mir mal seinen Stuhl genommen hätte, um fortan Blog A zu beglücken, ich hätte nichts dagegen gehabt. Ganz zweifelsohne machte er einen guten Job, denn die Zuschauer folgten stets seiner unausgesprochenen Aufforderung.

Es war Mittag lange schon vorbei als wir das Studio verließen. Da wir nun ordentlich hungrig waren, suchten wir uns ein nettes Lokal, um es uns nun kulinarisch gut gehen zu lassen. Der Rest dieses wunderschönen Tages nun ist privat. Er gehört mir, meiner Freundin, Hamburg, der Sonne und dem Mond. Es wurde ein schöner Tag, das Wetter spielte mit und alles war perfekt.

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