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Selbsthilfe

Selbst helfen, sich selbst helfen, sich gegenseitig helfen, informieren, zuhören, Ideen äußern, Lösungsansätze finden, Gespräche mit Menschen die gleich oder ähnliche Probleme haben, Erfahrungen weiter geben. All das macht unter anderem Selbsthilfe aus. Dazu kommen Abende zu denen Referenten eingeladen werden, die handnah sind, die man das fragen kann, was man sich sonst nicht zu fragen traut.

Selbsthilfe mag ein Schreckgespenst für manchen Arzt/Ärztin sein, damit müssen sie leben und wenn sie einen guten Job machen, müssen sie Selbsthilfe nicht fürchten. Selbsthilfe ist von der Bundesregierung ausdrücklich gewünscht. Das sollte sie aber nicht von ihrer Pflicht entbinden einen guten Job zu machen und zu unser aller Leidwesen, da könnte einiges besser gemacht werden. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwahren, dass der Karren ziemlich dicht vor der Wand ist und immer noch mächtig Fahrt hat.

Ein Beispiel: Infektionen, die in Krankhäusern im Moment so viel Kopf zerbrechen bereitet sind nicht allein durch strengere Hygienegesetze zu beherrschen. Das was da abläuft ist hausgemacht. Ein Blick in Richtung Holland zeigt, dass man das beherrschen kann. Oh ja die Personalkosten oh weia! Kein Politiker würde für das Gehalt einer Pflegekraft arbeiten und das ist mitunter verdamme harte Arbeit! Ich kann das gerade beurteilen, pflege ich mein Schwiegermutter im Moment mit allem drum und dran. Ja, die Personalkosten, aber Leute das kostet jährlich Unsummen, die Behandlung von Infektionen, die nachweislich in Krankhäusern und Rehaeinrichtungen übertragen werden. Meine Mutter hat sich in einer Rehaeinrichtung, in der es mehrere dieser Fälle gegeben hat, einen solchen unangenehmen, zeitgenössischen Erreger eingefangen mit dem Ergebnis, dass sie über ein halbes Jahr mit ihm und den Folgen seiner medikamentösen Bekämpfung zu tun hatte. Obendrein hat sie, trotz aller Vorsorge, die wir getroffen hatten, mich damit ebenfalls infiziert, was zur Folge hatte, dass auch ich im Krankenhaus behandelt werden musste. Beide Erkrankungen hätten nicht sein müssen. Es gäbe hierzu noch sehr viel mehr zu schreiben, aber das hat dann mit Selbsthilfe nichts mehr zu tun.

Es war vor ungefähr zehn Jahren, als ich mir überlegte in Berlin-Spandau eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit CED zu gründen.  Ich fand auch einen netten Mitstreiter und gemeinsam machten wir uns daran eine Gruppe zu gestalten. Es war zugegeben schon frustrierend dass wir die ersten Abende alleine da saßen, keineswegs Däumchen drehten, sondern Ideen entwickelt haben, was man alles tun kann und was man vielleicht besser lassen sollte. Dann „Juhu!“ es kam der erste Betroffene, der dann gleich im September als der Terroranschlag in den USA gewesen war, fern blieb, war wichtiger für alle Menschen, muss man einsehen.

Dann begannen wir zu wachsen. Es kamen Betroffene, wir luden Referenten ein, einige hatten wir bis sie aus Berlin wegzogen immer im gleichen Monat. Es war meistens, nein, es war immer schön und nur ein einziges Mal haben wir aus der Gruppe eine Teilnehmerin entfernt. Wir haben Betroffene kommen und gehen sehen und wenn es ihnen gut geht, dann sehen wir sie eher nicht, wenn es ihnen schlecht geht, dann erinnern sie sich daran, dass da noch etwas war. Auch gut, so muss das sein.

Wir sind keine Gruppe, die einen Mitgliedsbeitrag verlangt. Einzig für die Raummiete muss ein kleiner Beitrag geleistet werden. Alle Referenten bekommen einen Kaffee oder Tee, Kuchen, Kekse was es gerade eben gibt und wenn ich ausreichend Zeit habe, dann backe ich zum Besuch eines Referenten, einer Referentin einen Kuchen, ob das allerdings für den vortragenden Menschen Motivation bedeutet? Sie bekommen für ihr Engagement nach Feierabend kein Geld, aber sie sind wichtig für Menschen, die von egal welcher Krankheit betroffen sind, gibt es ihnen in kleinem Rahmen die Chance zu einer Begegnung auf Augenhöhe.

Selbsthilfe, ich weiß nicht ob sie sich durch die Informationsbeschaffung über das Internet irgendwann mal erübrigt. Information lesen, verstehen, richtig interpretieren das mag nicht immer in die richtige Bahn laufen. Manche Information wird aufgenommen, gerät in die falsche Schiene und ergibt so dann ein falsches Ergebnis. Ob dieser Fehler dann durch die Kommunikation mit dem eigenen Arzt korrigiert werden kann, bleibt offen. Selbsthilfe durch Verbände wird ein wichtiges Instrument bleiben, trotzdem sind viel zu wenige Betroffene in Verbänden engagiert. Mit engagiert meine ich jetzt nicht das tatsächliche Engagement, sondern die bloße Mitgliedschaft. Das ist wichtig, damit der kranke Mensch eine Lobby dem Staat gegenüber hat. Witzig ist, nein das ist in diesem Konsens eher traurig, dass Automobilclubs Millionen von Mitgliedern haben. Da kommen irgendwie dann schon diverse Fragen auf, oder?

Selbsthilfegruppen werden immer Instrument sein, werden in Form von Verbänden, Vereinigungen stärker werden müssen. Viele kleine Teile ergeben zusammengefügt ein großes Bild, so ist das auch hier, viele Mitglieder in Verbänden, Verbände miteinander zusammengefügt ergeben ein großes Ganzes.

 

 

 

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