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Lebe Deinen Traum?

Lebe Deine Träume. Sorge Dich nicht – lebe. Letzteres ein Buchtitel, das erste ein Traum. Seit langen Jahren das erste Mal wieder ist mir der Buchtitel „Sorg Dich nicht lebe“ begegnet. Nette Sache, wenn man es liest, habe ich auch gelesen. Allerdings, am Ende des Buches bleibt ein schaler Geschmack im Mund: Sorge Dich nicht lebe und wenn Du das nicht schaffst, dann bist Du selbst schuld. Das haben viele dieser Ratgeber in sich: sie stürzen sensible Leser in ein Meer von Selbstzweifeln, von Minderwertigkeitsgefühlen. Das darf nicht sein, das kann nicht sein.

Lebe Deine Träume. Toll. Nur davon kann ich nicht satt werden, konnten es meine Kinder nicht und wenn diese ihre Träume leben, dann würden ihre Kinder, das Baby, das schon geboren ist und die Kinder, die irgendwann noch kommen mögen, auch nicht satt werden. Nicht jeder kann Feuerwehrmann oder Lokomotivführer, Tierärztin oder Krankenschwester werden. Nicht jeder kann Boß seines Unternehmens sein, ebenso wenig wie nicht jede eine Regierungschefin sein kann. Das geht einfach nicht und so landen wir, bzw. die meisten von und in Berufen, die sie nicht haben wollten und mit denen sie sich bis zur Annahme der Situation und einer gewissen Zufriedenheit arrangieren können. Was ist schlimm daran? Es wird immer im Leben, selbst im Traumberuf, Phasen geben in denen man sich selbst überprüft, in denen man Bestandsaufnahme machen wird. Manchmal geht das gut, manchmal aber verkackt man im wahrsten Sinne des Wortes. Was dann? Von vorne anfangen? Wäre nett, wäre da nicht die Verantwortung, die man für andere hat, zumindest so lange bis diese sie selbst tragen können. Tja dumm gelaufen würde ich mal sagen. Veränderung ist nicht dumm, nicht die schlechteste Wahl, aber  nicht immer bringt diese Veränderung das, was man sich erhofft hat. Das wäre dann noch dümmer als dumm gelaufen. Wieder zurück rudern? Zugeben, dass das ein Griff sprichwörtlich ins Klo gewesen war? Nicht einfach, kommt aber vor. Was wenn ein innigster Traum gelebt ist, kommt dann die Leere?

Lebe Deine Träume, lebe Deinen Traum. Welches ist Euer Traum und könnt ihr diesen leben? Oder schiebt ihr ihn, nehmt ihn mit bis zu dem Moment, da ihr in Rente geht und Zeit für diesen Traum habt? Wer hat seinen Traum zum Beruf gemacht und muss ein Traum zwangsläufig mit dem Beruf zusammen hängen? Was wenn der Traum geträumt ist, wenn er „abgelebt“ ist? Oder wenn ihr feststellt, dass er nicht mehr wichtig ist, dass ihr ihn nicht mehr träumt? Was wenn ihr in all den Jahren, weil ihr Dale Carnegie, er hat „Sorge Dich nicht lebe“ geschrieben, gelesen habt, ihr die Schuld dafür, dass der Traum ungelebt ausgeträumt ist, bei Euch selbst gesucht habt? Ist es überhaupt gut einen Traum zu haben, den man gerne leben möchte? Werden wir nicht alle an unseren Träumen die wir träumen, jenen die wir leben und jenen, die ungelebt bleiben, gemessen? Dürfen wir überhaupt Träume haben?

Ich habe nicht davon geträumt ein Buch zu schreiben, auch nicht davon, dass ich das tue, was ich tu. Das kam zu mir, heftete sich an wie Rauch an die Klamotten, also trage ich es mit. Ich hatte andere Träume, habe immer noch welche, solche, die nahezu abstrus sind und die sich niemals leben lassen und solche, die sich leben lassen, irgendwann mal, aber auch solche, denen ich wahrscheinlich keine Träne nachweinen werde, wenn ich feststelle, dass ich sie gar nicht leben muss, weil andere da sind, die mir wichtiger geworden sind. Es war einfach nur schön gewesen sie eine Weile zu träumen. Ich muss sie hier nicht ausbreiten, genauso wenig wir ihr irgendjemandem Eure Träume auf die Nase binden müßt, wenn ihr das nicht haben wollt.

Letztendlich ist das nicht wirklich wichtig einen Traum zu leben, oder danach zu jagen, dass es so ist, sondern es ist wichtig, dass das, was man tut, eine gewisse Zufriedenheit bringt. Dass man sich mit der Situation einig ist, dass man sich trotzdem Träume erhält, die lächelnd gehen lässt, die man nicht leben muss, darauf hinarbeiten, dass die, die für sich selbst wichtig sind vielleicht umgesetzt werden, ohne sich dabei die Schuld dafür zu geben, wenn das nicht hinhaut. Laßt das nicht zu. Nicht immer geht der Weg geradezu auf einen Traum zu, der sich am Horizont über dem Weg zeigt. Manchmal dauert das Jahre, weil der Weg kurvenreich verläuft, manchmal ist man schneller am Ziel als gedacht. Das alles nennt sich Leben.

An diesem Wochenende werden wir Sommerwetter haben, Zeit im Schatten zu liegen und zu träumen: Laßt es Euch gut gehen.

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