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Merkwürdigkeiten des Alltags

Ämter, Schulen, Krankenkassen, Polizei, Finanzamt, egal womit man es heute zu tun, da geht  nicht wirklich etwas, oder es gibt Verordnungen, da kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Es geht dabei nicht um den einzelnen Beamten oder Mitarbeiter, das sind nur die, die ausführen, was andere verbockt haben. Fehlen noch die Banken, auch da kann man nur noch den Kopf schütteln. Überall knarzt es im Gebälk, werden Gesetze erlassen, Verfahren erfunden, ich kann da nicht mehr mit und am Ende ist alles gar nicht wahr und nicht das Verfahren ist doof, sondern der Anwender.

Alles zu beschreiben, was nicht geht ist nicht möglich, da säße ich fünf Monaten noch hier und würde pausenlos schreiben. Ich werde einige Schmankerl einfach mal heraus picken. Heute musste ich bei der Krankenkasse anrufen, da das Legen eines Blasenkatheders bei einem meiner Familienmitglieder bereits letzte Woche notwendig geworden war. Nicht geplant, eher notfallmäßig. Wir bekommen ein Rezept auf dem ein Kathederset aufgeschrieben war. Allerdings sind bei diesen Sets keine Katheder dabei und die Krankenkasse kann das Rezept nicht annehmen, weil man das zuvor bei der Krankenkasse genehmigen lassen muss. Jawohl, so ein Kathederset muss dem Kauf genehmigt werden und nun wird sich die Kasse an den Kosten beteiligen wollen. Beteiligen, mehr nicht. Wenn ich mir das anschaue, dann ist meine Zeit mehr wert, bis ich nochmals zur Krankenkasse hingelaufen bin, die PN oder wie immer die heißen, eintragen lasse, ein Begleitschreiben verfasse und dann alles zusammen dorthin schicken. Hallo? Ich habe noch mehr zu tun? Das alles dann für 3,50 Zuzahlung seitens der Krankenkasse.

Viele Banken haben umgestellt auf Tan per SMS oder Tan per diesem Gerät. Soweit so gut. Das sei sicherer, sagen sie, glaube ich nicht. Aber so weit so gut, man wird gezwungen, hat keine Wahl, weil die Tan-Listenverfahren abgeschafft werden. Nun sitzt man wie ein Affe vor dem Bildschirm, hält das Gerät an die Markierung, muss gefühlte 100 Mal irgendetwas tippen, bis die Überweisung eingegeben und abgeschickt ist. Bei der ersten habe ich noch gesehen, dass es geklappt hat. Alle weiteren Buchungen waren nicht mehr nachvollziehbar. Anruf bei der Bank heute Morgen: der Sachbearbeiter prüfe die Freigabe. Hallo? Was bitte soll das? Muss man nun nachfragen, ob man darf oder nicht, ob man kann ist ganz einfach zu sehen. Ich frage mich wie die alte Oma Schulze von drei Häuser weiter ihre Überweisungen, so sie denn welche hat, tätigen kann: Per Internet, eher nicht, bleibt auf die Bank zu gehen. Welche Bank? Viele haben Standorte reduziert, Zweigstellen, Filialen geschlossen, anstatt Mitarbeitern, Automaten aufgestellt.

In der BILD-Zeitung ist heute zu lesen, dass in der Bundesrepublik Deutschland wöchentlich 1 Million Schulstunden ausfallen. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: 1 Million Schulstunden pro Woche und dann wird gejammert, dass das Land bei irgendwelchen Pisa-Testen international so bescheiden abschneiden würde. Man schiebt natürlich den Eltern die Schuld in die Schuhe, die ihrerseits, da es keinen sicheren Arbeitsplatz mehr gibt, sich krumm und bucklig arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. Da kann etwas nicht stimmen, meine ich. Berlins Wowereit war da immer kanallhart und hat behauptet , dass hier in Berlin kaum Unterrichtsausfall sei. Natürlich wenn ich die Putzfrau aus fernen Ländern ohne Deutschkenntnisse in eine Klasse hineinstelle, um diese zu beaufsichtigen, dann war der Unterricht nicht ausgefallen, oder habe ich das falsch verstanden? Kleinere Klassen, mehr Lehrer senkt den Stress für Letztere deutlich und machen nicht krank.

Es wird nicht einfacher, im Gegenteil, es wird immer komplizierter, vollkommen egal wie, wo, was und warum. Ich sehe es noch kommen, irgendwann, wenn wir Klopapier kaufen, dann bekommen wir das nur, wenn wir den vierten Durchschlag an das Amt für außergewöhnliche Tiefenarbeiten im häuslichen Bereich. Damit wird dann geprüft, was Mensch gegessen hat und je nachdem ob ausreichend gesund oder nicht bekommt man die nächste Ration an Klopapier. Dies bekommt man aber nur, wenn der Durchschlag komplett geprüft ist, man per Bank im Voraus bezahlt hat, was kaum möglich ist, weil der Sachbearbeiter die dringende Freigabe für Klopapier drei Tage lang zurück hält. Zusätzlich akzeptiert das Amt den Kostenvoranschlag nicht, weil die PZs auf dem Eil-Kostenvoranschlag fehlen. Bis das Papier schließlich angekommen ist, haben wir Methoden wie im Mittelalter angewandt. Obendrein liefert Facebook, zu jedem Stück, das verbraucht ist, kostenlos das Profil des Nutzers.

In diesem Sinn eine tolle Woche, lasst es Euch gut gehen.

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6 Kommentare zu „Merkwürdigkeiten des Alltags“

  • wildes Huhn says:

    liebe Gitta,
    du hast soooo Recht! Und das Dilemma wird dadurch getoppt, dass man jeden Tag mit anderen „Merkwüdigkeiten“ zu kämpfen hat – und das ist soooo ermüdend! Manche Institutionen legen es dabei förmlich darauf an, dass wir ermüden und sie in Ruhe lassen.

    Schon allein das Thema „Schule“ ist über Monate Blog füllend. Manchmal möchte ich einfach nur Tür vom Hühnerstall zumachen und wochenlang nicht mehr rauskommen. Und manchmal denke ich, wir müssten ganz von vorne anfangen – alles Ungültig, keine Gesetze, Regeln usw. Einfach noch ganz von vorne.

    Grüße aus dem Hühnerstall
    wildes Huhn 😉

  • Ute says:

    Liebe Gitta,
    wenn manche Dinge nicht so traurig wären müssten man eigentlich über solche Schildbürgerstreiche lachen. Erinnet mich an tausend Dinge aus meinem früheren Leben. Ich garantiere Dir, dass dazu keine 5 Monate reichen würden.
    Erzähle Dir mal einen kleinen Schwank aus meinem Berufsleben. Wir beuten eine KiTa um, dazu brauchst Du dann eine Betriebserlaubnis. Die bekommst Du dann, wenn Du u.a. die Vorschriften Gesundheitsamt, Gemeindeunfallversicherungsverband und Brandschutz einhälst. Also gibt es Besichtigungen der KiTa durch diese Stellen. Wir wollten nicht mit allen dreien extra Termine machen und koordinierten sie alle auf einen Termin (Zeitmanagement). Fehler, machten wir nie mehr. Brauchte länger, wie wenn wir sie einzeln bedienten bei den Besichtigungen (der Einrichtung natürlich – nicht der Kinder ). Der Gemeindeunfallversicherun gsverband wollte den Panikschalter oben haben ( was auch Sinn macht und unsere Erzieherinnen – Aufsichtspflicht etc.) wir auch. Der Brandschutz erklärte der Schalter muss unten sein. Argumente bzgl. Aufsichtspflicht etc. interessierten nicht, das ganze ging dann weiter mit Gemeindeunfallversicherung und Gesundheitsamt. In einem waren die drei Institutionen sich allerdings einig: Sie haben ihre Vorschriften und die der anderen interessiert nicht, dafür sind sie nicht zuständig und wir haben die Vorschriften einzuhalten – Schluß der Debatte. Das dies bei so unterschiedlichen Vorstellungen nicht ging – interessierte wiederum keinen. Ergebnis wäre gewesen – keine Betriebserlaubnis für den KiTa und Eltern keinen Platz für ihre Kids. Erkläre das mal den Eltern. Ich habe, eine Lösung gefunden. Ich habe nochmals einzelne Begehungen gemacht und die Probleme der drei auf meine Art gelöst – Natürlich kein Verstoß gegen Vorschriften. Nachdem ich dann dies dem zust. Ministerium und Landesjugendamt mitgeteilt hatte (andere hatten auch solche Probleme) wurde erst auf der Ministeriumsebene gesprochen und dann eine Kommision gebildet zur Vereinheitlichung der Vorschriften, das war so vor6 – 7 Jahren. Die tagen heute noch. Ergebnis Wie bisher.
    soviel zu Vorschriften, Behörden, Ministerien etc.
    lg
    Ute,
    die Dir noch einen schönen Abend wünscht und noch ganz viele solcher Geschichten erzählen könnte.
    Das war natürlich eine Geschichte und jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen, Ministerien, Institution sind frei erfunden *grins*.

  • Gitta says:

    LIebes wilds Huhn,
    Danke für Dein Feedback. Es nervt so total, warum soll ich ween der Nummern für die Krankenkasse rumrennen, ich meine wir versorgen und betreuen neben dem, was wir sonst noch tun, meine Schwiegermutter und das rund um die Uhr, ohne große Ansprüche zu stellen. DAnn soll ich auch noch …? Die Bank behält sich vor Überweisungen bis zu 10 Tagen wegen eines möglichen Widerrufes zu blocken, wollte ich das, dann ich würde ich die Ü-Weisung terminieren. Ich glaube, ich bin erwachsen. Das ist unendlich.
    Schönen Abend undlieben Gruß zurück 🙂
    Hezrlich
    Gitta

  • tine says:

    Hallo Gitta,

    sehr amüsant…:-)

    Ich hoffe auch immer, dass mich niemand beobachtet, wenn ich Überweisungen tätige und mir mein Arm bald abfällt, bis ich die TAN bekomme, und ich mir überlege, mit welchen Finger oder welcher Hand ich jetzt das Dialogfenster des Kartenlesers bediene.

    Das Drama Schule kann ich leider auch nur bestätigen. Ich, als „Gegner“ dieses Schulsystems und Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern bin ziemlich frustriert…

    Aber was soll´s… Wie Jens´ Parole heute lautet:“Seid frölich, küsst und feiert die Feste wie sie fallen.“ (so sinngemäß und frölich absichtlich ohne „h“).

    Viele Grüße
    Tine

  • Gitta says:

    Hi Tine,

    danke für Deinen Besuch.
    Ich bin froh, dass ich mit der Schule durch bin, keine Kinder mehr habe, die zur Schule gehen müssen. Bei Jens war ich heute nocht nichtg ewesen, dai ch noch keine Zeit dazu hatte.
    Das mit dem neuen TAN-Verfahren ist absoluter Mist und mit 100%iger Sicherheit auch nicht sicherer. Alles, das der Mensch sichert, kann ein anderer Mensch knacken. Das ist einfach so, daran wird man auch ni e etwas ändern können. Warum also kässt man es nicht bei den herrlichen TAN-Listen? Wir, die Kunden habe da kein Veto-Recht, müssen alles schlucken.

    Herzlich
    Gitta

  • Gitta says:

    LIebe Ute,

    stimmt, wenn das alles nicht so traurig wäre könnte man darüber lachen. Aber das wir nicht besser, odr irgendwo einfacher, nein, das wird immer komplizierter!Vor allem muss ich eins sagen, da pflegt man seine Angehörige, die jetzt und gleich einen Blasenkatheder braucht und nicht erst in fünf Tagen, wenn das Genehmigungsprocedere durch ist und das werden dann mehr als fünf Tage sein. Am Telefon sagte mir die Sachbearbeiterin als ich wegen Kostenübernahme anefragt habe, dass das „VORAB“ genehmigt werden muss und ich solle nun in die Apotheke gehen um die Hilfsmittelprüfnummern eintragen zu lassen. Hallo? Ich habe noch mehr zu tun…Zieht Du dann die Rezeptgebühr ab, dann bleiben da 5 Euro wenn überhaupt übrig, die sie dann irendwann mal überweisen wollen. Überhaupt stelle ich in letzter Zeit fest, dass Ausgleich diverser Rechnungen und Pflegegeld nicht wie angekündigt ca. Mitte des folgenden Monats kommen, mitnichten. Im Moment ist das vom September noch offen. Da wird gepredigt man solle seine Leutchen zu Hause behalten und dann das. Stell Dir vor es ist jemand daruaf angewiesen, weil er seinen Job aufgegeben hat. Und dann weisen die immer nur am Freitag an, warum nicht Montag, Mittwoch oder jeden Tag? Die meinen wirklichman durchschaut das nicht. Tage sparen, Zinsen sparen, das Geld so lange wie nur möglich auf dem Kassenkonto halten. Furchtbar. Du mit Deiner KITA-Geschichte, ich mit u.a. der Krankenkasseneschichte und auch die Bank, glauben die alle wir sind verblödet und merken nicht was die Leute da treiben? Nimm die „Gesundheitskarte“ und ich nenne Dir jemand, der alle Sicherheitsschranken überwinden kann um an den „Zentral-PC“ zu kommen, wo alle Daten gespeichert sind. Ein guter Hacker braucht da nicht mehr als fünf Minuten um drin zu sein. Dann erzählen sie Dir, mal wolle Mißbrauch verhindern, das Medikamente doppelt verordnet werden können. Ja Himmerherrgott nochmal dann spielen die das auf die Karte auf und gut ist. Was soll das alles?
    Bevor ich mich aber weiter aufrege, höre ich jetzt auf und überlege über welches Thema ich heute schreiben könnte.

    Herzlich
    Gitta

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