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Montagsgeschichte

Manchmal sind es kleine Ereignisse, die zu einem persönlichen Gau werden können. Dazu möchte ich Euch eine kleine Geschichte erzählen, die zum Nachdenken anregt, hoffe ich jedenfalls. Vergangenen Samstag, habe ich sie gehört und ihr Inhalt ist mir gegen den Strich gegangen und da frage ich mich dann wo wir leben. Dann erzählt mir der Nachbar von unten, ihn würde die Waschmaschine des Nachbarn vis à vis stören, die dieser seit sieben Monaten vor der Tür gelagert hätte, dann geradezu erwartet, dass ich in diesen Chor einstimme als hinge von ihr, natürlich zustimmend, der Weltfrieden ab und mich verwundert anschaut, dass es das nicht tut. Solange die Maschine nicht in meiner Wohnung steht ist gut. Dann habe ich ihm das erzählt:

Samstag, wir waren eingeladen, einer unserer guten Freunde hatte Geburtstag. Brunch war angesagt. Wie das immer so ist, große Begrüßung, hallo hier, hallo da, Küßchen hier, Küßchen da. Herrlich! Es fiel auf, dass eine Freundin fehlte. Eine ganze liebe Frau, der nie zu viel war und ist, anderen zuzuhören, sich einzusetzen, egal wie es ihr selbst auch gehen mag. In diesem erlauchten Kreis bin ich noch ein ziemlicher Grünschnabel, gemessen am Durchschnittsalter geradezu jung. Diese Freundin ist für mich ein Vorbild an Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Klarheit, Hilfsbereitschaft, die Worte reichen für sie nicht aus und ihr passiert es, gesundheitlich angeschlagen, dass sie auf einer der vielen belebten Hauptstraßen auf dem Gehweg stürzt. Wie es geschehen ist, wer weiß das am Ende schon, Frauen, die ein paar viele Jährchen auf dem Buckel haben, schlagen eher mal hin als Männer, das ist Fakt. Wenn Frau dann also stürzt, dann tut sie dies oftmals ohne, dass sie sich abfangen kann. Sie , inzwischen im achten Lebensjahrzehnt, stürzte vornüber auf ihr Gesicht, mitten auf dieser belebten Einkaufsstraße. Und die Menschen gingen achtlos vorbei. Und sie haben ihr nicht geholfen. Und sie haben sie nicht gefragt, ob man ihr helfen kann. Wie geht das? Wie ist das möglich? Wenn man sieht, dass jemand stürzt, der offensichtlich nicht betrunken ist, dann muss jeder hier in diesem Land helfen, ist dazu verpflichtet, unabhängig davon ob dieser Mensch sturzbetrunken ist oder nicht. Jeder Mensch hat einen Anspruch darauf, dass man ihm hilft, wenn er der Hilfe bedarf. Wie elend muss sie sich gefühlt haben, als sie da auf dem Gehweg lag, alle vorbei gelaufen sind und niemand ihr, ausgerechnet ihr, die Hand gereicht hat, um ihr dabei zu helfen wieder aufzustehen.  Ersthelfer zu sein, das ist verpflichtend und niemand kann und darf sich darauf verlassen oder gar heraus reden, dass da so viele andere Menschen gewesen waren, die das hätten tun können, was niemand getan hat. Jeder war verpflichtet, niemand hat es gemacht. Was ist so schwer daran, sich zu einem gestürzten Menschen hinunter zu bücken, zu helfen, zu fragen, ob man helfen kann, einen Krankenwagen rufen, wenn man sich unsicher ist was man tun soll? Es ist, auf „gut Deutsch“ gesagt scheißegal, was man tut, die Hauptsache ist, dass man etwas tut. Vorbei gehen, wegschauen ist für mich eine der untersten Stufe menschlichen Handels. Jeder, der einen Führerschein hat, der hat einen Ersthelferkurs gemacht und weiß das ganz genau, dass er verpflichtet ist. Ich meine, dass es allmählich an der Zeit ist, das als Pflichtprogramm für jeden einzuführen, damit niemand sich mehr heraus reden und wenn es sein muss zur Verantwortung gezogen werden kann. Da kenn ich nix, kein Pardon, da ist mir auch nicht darüber zu diskutieren. Auch Argumente wie „Ich kann kein Blut sehen!“ sind hier keine und schon gar nicht, wenn es nur darum geht zu fragen, ob man auf helfen kann. Eine Freundin behauptet, dass ich ein ausgeprägtes Helfersyndrom habe. Möglich. Kann schon sein, so bin ich halt. Ich habe in meinem Leben ganz sicher schon eine Menge Fehler gemacht, die zu mir gehören wie eine zweite Haut, aber eins habe ich ganz sicher noch nie gemacht: Jemanden abgewiesen, der Hilfe brauchte, bin noch nie achtlos an jemandem vorbei gegangen, der Hilfe gebraucht hätte. Das ist das Wenigste, das jeder tun kann und wenn er das nicht selbst kann, so haben die meisten heute ein Handy dabei, mit dem ein Krankenwagen gerufen werden kann. Das muss immer gehen. So viel Zeit muss sein.

Ich wünsche Euch allen einen guten Start in diese Woche, ohne Sturz, ohne Unfall, mit viel Sonne und Spaß und einem wachen Augen jenen gegenüber, die im Moment hilflos sind. Laßt es Euch gut gehen!

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