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Scientology, Neumond und eine Bushaltestelle

Gestern hatten wir den Kochtopf, heute nehmen wir den Mond. Nein, es ist nicht Vollmond, es ist Neumond irgendwann diese Woche. Also, wenn etwas nicht so läuft wie es laufen soll, dann liegt das am Neumond. Ich behaupte jetzt, dass das natürlich vollkommener Quatsch ist. Oder doch nicht? Keine Ahnung. Für den rational denkenden Menschen bestimmt, für Menschen, die etwas mystisch belegt sind ist das auf keinen Fall Quatsch, und Otto Normalverbraucher wird es wurscht sein. Jeder nach seiner Lebensart, jeder so wie er will. Ist doch herrlich so, oder?

Ich war kurz unterwegs gewesen gestern, nicht lange, aber lange genug um den Bus vor meiner Nase wegfahren zu sehen. Ich renne nicht mehr auf den Bus, nehme dann den nächsten. Menschen an einer Bushaltestelle haben so ihren Reiz, wenn man die Muse hat sie zu beobachten, unauffällig natürlich und sich dabei zu überlegen was ihr Hintergrund sein kann. Dies zu tun ist kurzweilig vor allem dann, wenn die Haltestelle vor der Scientology-Zentrale ist. Das war sehr interessant zuzugucken, zu beobachten. Wie das so ist, es kamen nach und nach mehr Menschen zu der Haltestelle und – ich hatte gehofft, dass dies passieren würde – es kam eine Frau, ganz ich tiefschwarz, aus dieser Zentrale heraus, mit Flyern in der Hand. Zuerst sprach sie den Mann an, der auf der Bank im Wartebereich saß, den Kopf in die Hände gestützt. Er wirkte müde, ob er früh aufstehen musste, oder Probleme hatte, das erschloß sich mir nicht, aber er schien mir nicht glücklich zu sein. Er wies sie mehr als barsch zurück, trotzdem versuchte sie es ein weiteres Mal, ohne Erfolg. Ein anderer Mann, eine stattliche Erscheinung ließ sich auf ein kleines Wortgefecht mit ihr ein und als sie merkte, dass sie keinen Blumentopf bei ihm verdienen würde, ließ sie von ihm ab und nahm die nächsten Menschen ins Visier. Erstaunlich wie viele sie abarbeiten konnte, bis der Bus kam. Mich sprach sie nicht an. Ich denke auch, dass ich nicht in ihr Beuteschema gepasst hatte, da meine Körperhaltung selbstbewusst war und ich von Zeit zu Zeit gelächelt habe. Kein Zielobjekt. Ich kann verstehen, dass Menschen, wenn gar nichts geht einer Sekte wie dieser verfallen. Aber ich kann nicht verstehen, dass sie nicht irgendwann aufwachen und merken wie gefangen sie sind, wie unfrei sie geworden sind. Ich verurteile diese Menschen nicht, sondern eher diejenigen, die auf Menschenfang an einer Bushaltestelle gehen. Haltestellen haben wir alle im Leben, können bestimmen ob wir in den Bus einsteigen, oder wo wir aussteigen und eine andere Linie nehmen. Wir sind alle frei genug das zu tun, nicht bei Scientology, da darf man die Haltstelle an der man aussteigen will nicht bestimmen. Dennoch als ich in den Bus eingestiegen bin, habe ich mich nach der Frau in der tiefschwarzen Kleidung umgesehen und sie hat mich angelächelt und ich habe genauso zurückgelächelt, froh darüber, dass ich frei bin.

Das ist der Unterschied. Wenn ich an den Mond, den Neumond, den Altmond und wie sie alle heißen mögen glauben will, ist das gut, wenn ich glauben will, dass mir ein täglicher Kopfstand genug Kraft verleiht, oder die Meditation in totaler Stille, dann ist das gut, dann ist dieser Entschluß aus mir heraus gekommen und ich selbst kann bestimmen wie viel Raum ich was geben will. Also boys and girls diese Woche ist Neumond, haut rein, holt Euch das Beste von seiner Kraft, seinem Einfluß, den es geben mag oder vielleicht doch nicht, nutzt es auf jeden Fall und bildet Euch ein, dass er es gewesen war, der den Vertrag zustande kommen ließ, der Euch glücklich macht, die neue Liebe beschert. Auf jeden Fall aber: Laßt es Euch gut gehen.

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