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„Todesbräute“ von Karen Rose

Karen Rose, eine Meisterin im Genre Thriller. Ich hatte sie vor Jahren schon entdeckt, dann doch wieder aus den Augen verloren. In der Zwischenzeit sind einige Romane von ihr erschienen. Den letzten Roman, den ich damals von ihr gelesen hatte war „Todesschrei“ gewesen. Jetzt habe ich „Todesbräute“ gelesen, also keine druckfrischen Werke, eher etwas älteren Datum. Karen Roses Thriller sind zwar in sich abgeschlossen, aber der folgende baut auf den vorhergegangenen auf, einzig die Protagonisten wechseln. Das bescherrscht sie perfekt.

Eine junge Frau wird, nackt in eine Decke gehüllt, tot in einem Graben der amerikanischen Kleinstadt Dutton aufgefunden. Ihr Gesicht hat der Killer zertrümmert, eine Identifikation erweist sich als schwierig, ist aber nicht unmöglich. Der Agent Daniel Vartanian übernimmt die Ermittlungen. Zeitgleich verschwindet eine junge Frau. Ihre Cousine kommt, um sich deren Tochter anzunehmen und die verschwundene Cousine zu suchen. Sie kommt ungern zurück, da in dieser Stadt 13 Jahre zuvor ihre Zwillingsschwester auf diese Weise umgebracht worden war. Es geschehen weitere Morde: junge, nackte, tote Frauen, werden in eine Decke gehüllt im Graben gefunden, ein Mann verbrennt in seinem Auto, andere verschwinden. Der Agent und die überlebende Zwillingsschwester kommen sich näher. Der Leser muss sich mit zwei Handlungssträngen beschäftigen und erkennen, dass die toten Mädchen Zeichen sind, die der Killer setzen will und dass die beiden Handlungen irgendwann einen gemeinsamen Ausgangspunkt haben, der in der Vergangenheit liegt, genau 13 Jahre zuvor. In diese Handlungen wiederum war der Bruder des Agents, den er selbst getötet hat und seine Schwester, die gegen Ende in der Kleinstadt auftaucht, involviert. Sie, die Schwester wird im nachfolgenden Thriller zur Protagonistin. Klingt alles sehr kompliziert, ist es aber nicht.

Wenn man, wie ich „Todesschrei“ gelesen hat und dann Jahre später „Todesbräute“ in die Hand nimmt, kommen einem die Figuren irgendwie bekannt vor. Ohne das erst gelesene Buch in die Hand genommen zu haben, kommt die Erinnerung, je weiter man in der Handlung der „Todesbräute“ vorangeht. Karen Rose versteht es ihre Leser mit in das Chaos der Handlungen und Nebenhandlungen zu nehmen, dass man das Gefühl hat aktiv beteiligt zu sein. Vor allem aber wechselt sie ihre Protagonisten geschickt, macht Figuren aus ihrem vorangegangenen Werk zu solchen.  Der Leser macht die ganze Polizeiarbeit mit, erlebt die Ohnmacht, die Wut der Beamten, aber auch die unbändige Lust der Täter die Opfer zu schänden, zu mißbrauchen, zu quälen und letztendlich zu töten. Welcher der Handlungsstränge am Ende zum Happy End führt, lässt sie sehr lange offen.

Ein wenig schwierig sind die unglaublich vielen Namen, die sie die Handlung einfügt, vor allem auch, weil sie das Geschehen aus der Vergangenheit, 13 Jahre zuvor mit in die Gegenwart schleppt. Dadurch hat man das Gefühl auf jeder Seite einem neuen zu begegnen. Das ist gelegentlich des Guten zu viel. Wer schon mal in den USA gewesen war, ein wenig von der Mentalität dort erlebt hat, der fühlt sie diesbezüglich in dem Werk zu Hause.

Ein Problem hatte und habe ich mit dem Grundthema des Werks: Mädchenhandel, Vergewaltigung von jungen Mädchen, Mord an jungen Mädchen. Ich habe keine Ahnung wodurch das kommt, aber ich habe jedes Mal eine unbändige Wut gespürt und die Worte der Detektives, die nachdem sie die Täter erschossen hatten „..aber genug gelitten haben sie nicht!“ sagten, kann man so unglaublich nachempfinden, dass ich innerlich diese Kapitel einfach umgeschrieben haben, habe ihnen das angetan, was sie – in dem Thriller – diesen jungen Mädchen angetan haben.

Wer über 600 Seiten Dauerspannung haben möchte, der mit dem Thriller gut bedient. Wer schwache Nerven hat, der nicht. Nicht, dass die Szenen ausgeschmückt sind, das nicht, aber sie sind so geschrieben, dass man selbst bei mittelmäßig ausgeprägter Phantasie eine Vorstellung bekommt, das vor seinem Auge sieht und das ist dann schon harter Tobak. Das Ende ist an der Stelle unbefriedigend, da man erwartet, dass alle bösen Männer gefangen oder getötet werden. Dem ist leider nicht so und ich muss mich mit viel Wut auf jene, die diese jungen Mädchen stehlen, ihren Familien rauben, noch mit dem nachfolgenden Werk „Todesspiele“ beschäftigen.  

Auch wenn diese Werke schon vor Jahren erschienen sind, auch Wein braucht seine Zeit bis man ihn trinken kann, ist es Karen Rose mit dieser Reihe gelungen, auf rund 1.800 Seite Spannung zu erzeugen, die sich nur schwer abbauen läßt, selbst dann, wenn dramaturgische Höhepunkte abflachen. Es gelingt kaum diese grausamen Bilder, die durch die eigene Phantasie erzeugt werden, abzulegen, im Buch zu lassen, wenn man es beiseite legt. Das ist natürlich ein sehr subjektives Gefühl einer Mutter, die das ohnmächtige Gefühl der Trauer um ein Kind kennt. Mein Gefühl muss nicht für andere Leser gelten. Trotzdem erkläre ich diese Reihe für lesenswert!

Zum Schluß: Nehmt Euch ein gutes Buch, sucht Euch draußen eine Bank im Schatten, oder geht ins Schwimmbad oder an den See, lest, schwimmt, genießt die letzten Sommertage und vor allem: Laßt es Euch gut gehen.

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1 Kommentar zu „„Todesbräute“ von Karen Rose“

  • Ich bin ein sehr grosser Fan von Karen Rose. Habe alle ihre Bücher verschlungen und warte sehnsüchtig auf das nächste Buch. Kann Karen Rose nur empfehlen. Super Autorin.

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