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Verordnete Miesepetrigkeit

Einfach eine Geschichte erzählen, das ist etwas, was in unserem Land scheinbar gar nicht geht. Das will der Zuschauer, der Leser, der Konsument nicht. Es war Krimi-Time am Wochenende, am Samstag und am Sonntag. Einerseits könnte man es bereuen, hätte man nicht nebenbei noch etwas anderes gemacht, andererseits man kann auch umschalten, oder ganz ausschalten und ein Buch lesen, wobei es auch hier schwierig ist, das geeignete zu finden, denn Autobiografien von Menschen, die noch leben, noch relativ jung sind, die will ich nicht lesen. Was interessiert mich wer mit wem bei Ochsenknechts oder weiß der Geier wem noch aus dieser Promietage. In China fällt auch ein Sack Reis um ….

Kein Krimi ohne Problemwälzen, ohne die ewigen Nebenhandlungen mit negativer Grundstimmung. Kein Wunder, dass wir ein Volk der Nörgler und Jammerer sein sollen, wie das Ausland über uns denkt. Dass das, was da ausgestrahlt wird immer, natürlich aus dramaturgischen Gründen eine Nuance grauer gezeigt wird, das haben wir inzwischen verinnerlicht, aber es gehen diese grausam dargestellten Nebenkonflikte auf die Nerven. Einfach einen Krimi erzählen, den Handlungsablauf abspielen, kenn rum, kein dum, Spannung aufbauen, bis der Atem klemmt und dann erst mal auflösen und wieder aufbauen bis ans Ende. Einfaches Handwerk sollte man meinen, aber nöö, da muss noch die Alkoholsucht des einen Kollegen, der Konflikt eines Nebenzeugen ausgeweitet werden bis zum Abwinken. Das Schlimme daran ist, dass Drehbuchautoren, Produzenten das so auch nicht wollen, aber die Sender bestimmen halt was wir sehen dürfen und was nicht.

Bei Büchern ist das nicht anders. Ich habe das „Gänseblümchen“ geschrieben und habe es Droemer-Kaur geschickt, es wurde abgelehnt mit der Begründung, ich drücke es mal etwas locker aus, dass es zu wenig Konflikte aufzeigen würde, dass es zu fröhlich sei. Hallo? Nur weil ich einen behinderten Sohn hatte, heißt das nicht, dass mein Lachen ausgezogen war, mit unbekanntem Ziel verreist war. Und mal nebenbei, es gab keine wirklichen Konflikte, weil wir uns alle einige waren, das ist das Geheimnis gewesen. Es darf also nicht sein, dass Mensch fröhlich ist, nicht hierzulande, nicht in Deutschland, wenn sein Kind krank oder behindert ist, wenn sonst was sein Leben bestimmt, dabei ist Lachen so wichtig. Natürlich gab es Tage und auch manchmal Zeiten, die kein Zuckerschlecken waren, aber unseren Optimismus, unsere Fröhlichkeit haben wir uns nicht nehmen lassen. Von niemandem. Grausam. Furchtbar. Miespetrigkeit auf Anordnung. Passend zum Sommerwetter dieses Jahres. Die Älteren von uns erinnern sich noch an die autofreien Samstage, wie wäre es mit fernsehfreien Tagen auf  Absprache, denn das zieht sich durch alle Programme. Einzig diese Verkaufssender wo gezwungen-fröhliche Verkäufer ihr Ware feilbieten und mit aller Macht und Gewalt verkaufen wollen, was ihnen, wie ich gehört habe, auch irgendwie gelingt. Kritiker loben natürlich die Filme, warum wohl? Muss man näher darauf eingehen? Nein, soll sich jeder seine Gedanken machen warum das so ist.

Ich weiß, ich habe mich öfter schon über unsere Krimilandschaft geärgert, dass es schon fast langweilig ist. Aber es ist einfach so, uns werden Konflikte um die Ohren geballert, die wir gar nicht sehen wollen. Wir wollen Sommermärchen, Geschichten, spannende Kriminalfilme, Leichtigkeit, nicht Schwermut. Oder irre ich? Ich wäre glücklich wäre dem so. Das Wetter dieses Sommers verhindert, dass wir in Gartenlokalen unser Dasein fristen bis die Krimizeit, in der es auch unzählige Wiederholungen gibt, vorbei ist. Wie schade. Solltet ihr dennoch Gelegenheit haben dem  Programm zu entgehen, packt sie beim Schopf, nutzt das aus und: Laßt es Euch gut gehen.

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